Einmal quer durch den Thüringer Wald

Deutschland
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Thüringen-Thüringer Wald

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Beschreibung

Man nennt ihn auch gerne das grüne Herz Deutschlands. Kein Wunder. Denn der Thüringer Wald ist tatsächlich so etwas wie die Mutter aller deutschen Mittelgebirge. Er liegt zentral in der Mitte der Republik, und sein Kennzeichen sind die ausgedehnten Wälder, die bis zu den Kammlagen hinauf und in die Täler hinabwachsen. Schmale, kurvenreiche Sträßchen verbinden kleine, gemütliche Ortschaften. Das Ganze ist eine sehr intime Welt. So fühlt sich der Besucher – und ganz besonders der motorradfahrende – im Thüringer Wald auf Anhieb wohl.

Die Schleife durch diese gigantische Motorrad-Erlebniswelt startet in Saalfeld, der Stadt der Felsgrotten. 1914 dem Publikum zugänglich gemacht, halten sie ein äußerst farbenfrohes Tropfsteinerlebnis bereit. Ein interessanter Schlenker über die Saalfelder Höhe bringt uns nach Bad Blankenburg zum Einstieg ins Schwarzatal. Und das hat es in sich. 20 Kilometer lang Kurve an Kurve. Radien aller Art, Schräglagen wie am Fließband. Der bucklige Belag fordert das Fahrwerk heraus. Wer hier schnell sein will, braucht gut funktionierende Federelemente.

Vier Kilometer hinter Mellenbach rechts ab nach Großbreitenbach und weiter nach Neustadt am Rennsteig. Die Fahrbahn wird schmaler, ihr Belag aber kaum besser. Neustadt mit seiner hübschen Schieferkirche ist einer der zahlreichen Einstiege in den berühmtesten Wanderweg Ostdeutschlands. 168 Kilometer lang führt der Rennsteig in 700 bis 900 Metern Höhe über den Kamm des Thüringer Waldes. Seinen Namen hat er von dem Wort Rain, was soviel wie Grenze heißt und die zwischen Thüringen und Franken meint.

Zwischen Schmiedefeld und Stützerbach kreuzen wir die B 4. In Schmücke biegen wir rechts ab und gelangen über Gehlberg hinauf zum 780 Meter hoch gelegenen Wintersportort Oberhof. Kurven im Überfluss, schmale Fahrbahn, ein nicht mehr enden wollender Motorradspaß. Auf der Passhöhe existierte übrigens schon im 15. Jahrhundert ein Hospiz des Johanniterordens. Bevor man nun Oberhof in Richtung Ohrdruf verlässt, sollte man unbedingt einen Blick auf den Sprungschanzen-Komplex werfen.

Ab Ohrdruf rollen die Räder auf dem gepflegten Asphalt der B 88. Entspannen ist angesagt. Sich in aller Ruhe das prächtige Panorama der linker Hand aufragenden Höhen des Thüringer Waldes ansehen. In Ohrdruf ging Johann Sebastian Bach zur Schule. Die Attraktion des Städtchens jedoch ist zweifellos der mit großem Aufwand rekonstuierte Tobiashammer. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1482. Bei Führungen werden sämtliche Maschinen und Geräte in Betrieb gesetzt, sogar die 12.000 PS starke Dampfmaschine.

Hinter Tabarz biegen wir rechts ab und fahren auf einem kleinen Umweg nach Eisenach. Ein Umweg, der sich lohnt. Denn in Mechterstädt wartet mit dem Landgasthaus Zum Stern der ultimative Pausentipp dieser Etappe. Das Haus wurde 1886 als Gasthof und Fleischerei gegründet. Und noch heute versteht die Familie Otto ihr Handwerk. Der Chef schlachtet selbst, die Chefin bringt leckere Spezialitäten wie Klöße oder Rostbrätl auf den Tisch.

Durch Eisenach zu fahren, ohne auf der Wartburg gewesen zu sein, wäre Frevel. Also klinken wir uns in den Strom der Besucher ein und erklimmen zu Fuß die Burg, auf der Luther zwischen 1521 und 1522 in nur zehn Monaten das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Die Wartburg selbst ist hervorragend restauriert, die Aussicht von den Mauern wunderschön, das Essen auf der Südterrasse gut und überraschend preiswert.

Eisenachs Highlight Nummer zwei ist das Automuseum. Es hat umziehen müssen und residiert nun auf engstem Raum im Sparkassengebäude beim ehemaligen Werksgelände. Es zeigt am Beispiel ausgewählter Serienfahrzeuge die Geschichte der 90-jährigen Eisenacher Autoproduktion. Ob Dixi, BMW, Wartburg oder EMW – alles ist da. Dabei ruhen noch weitere 50 Oldtimer im Fundus des Museums. Aus Platzmangel können sie leider nicht ausgestellt werden.

Durch die malerische Drachenschlucht geht es auf der B 19 nach Etterwinden und von dort auf einem klitzekleinen Bergsträßchen hinauf nach Ruhla. Motorradspaß vom Feinsten. Schmale Fahrbahn, rauer Belag, zackige Kehren. Die Strecke führt durch dichten Wald, Lichtreflexe tanzen auf der Straße. In Ruhla stören hässliche Fabrikgebäude das Thüringer Wald-Idyll. Hier arbeiteten einmal 3.000 Menschen und stellten Uhren her. Heute sind es noch 75. Die haben mit der Fertigung von Spezial-Chronometern ihre Marktlücke gefunden.

Auf holperigem Asphalt kurven wir nach Süden, passieren den Rennsteig und kommen nach Brotterode. Jetzt keinesfalls geradeaus weiter nach Kleinschmalkalden, sondern Blinker links, und ab geht die Post hinunter nach Tabarz. Ein Kurventanz der Extraklasse. In Tabarz Blinker rechts, hinüber nach Friedrichroda und dort wieder rechts ab hinauf nach Kleinschmalkalden. Außer Atem? Kein Wunder – bei den vielen Kehren.

Die folgende Etappe bis Schmalkalden verläuft ruhiger. Doch dann geht es gleich wieder zur Sache: Wir zweigen nach Steinbach-Hallenberg ab, halten uns ein Stück Richtung Oberhof, überqueren dann den Ruppberg und fallen schließlich nach Zella-Mehlis ein. Sieben Kilometer weiter liegt Suhl. Klarer Fall: Hier lockt das Motorradmuseum des Simson-Werks. Rund 120 Motorräder, Roller, Fahrräder und Autos stehen hier. Die komplette Simson-Palette ist ebenso dabei wie die Ur-Awo von 1949, nie produzierte Prototypen sowie die Sportbikes der Welt- und Europameister.

Wir legen die Maschine in eine Serie traumhafter Kehren und Serpentinen und rauschen hinauf zum Rennsteigort Schmiedefeld. Dort verabschiedet sich die Route für die nächsten paar Stunden vom breiten Asphalt der Durchgangsstraßen und nimmt sich quasi die Innereien des Thüringer Waldes vor. Neustadt, Gießübel, Massethal, Goldisthal und Scheibe-Alsbach heißen die Stationen. Dazwischen liegen ungezählte Kurven, herrliche Schräglagen und phantastische Landschafts-Panoramen. Denn bei allem Fahrspaß sollte man nie die optischen Reize des Thüringer Waldes aus den Augen verlieren. Deshalb: Ruhig ab und zu die Nase vom Lenker nehmen.

Auf der B 89 lassen wir es ausrollen und steuern Sonneberg an. Der nette Ort ist seit dem 16. Jahrhundert berühmt für seine Spielzeugherstellung. Markenzeichen: das Sonneberger Reiterlein. Ein absolutes Muss ist deshalb der Abstecher ins Spielzeugmuseum. Mit wehmütigen Augen wandert man zwischen den Ausstellungsstücken umher und bestaunt die unglaublich breite Palette von Spielzeugen.

Ab Sonneberg schlängelt sich die Route an der Steinach entlang nach Lauscha. Eine ruhige Etappe. Wer sich für Glasbläserei interessiert, sollte zwischen den schieferverkleideten Häusern von Lauscha den Zündschlüssel abziehen. In der dortigen Farbglashütte darf man den Bläsern über die Schulter sehen. Hinter Lauscha wird es dann nochmal richtig interessant: Kurvig und aussichtsreich windet sich die Strecke über Ernstthal und Spechtsbrunn hinüber nach Gräfenthal. Dort trifft sie auf die nach Probstzella führende Hauptstraße.

Ein Stück B 85 folgt. An der nächsten Kreuzung rechts ab nach Leutenberg. Denn dort wartet der gastronomische Höhepunkt der Tour: der Sormitzblick. Inhaber Reiner König verwandelte das ehemalige FDGB-Ferienheim in eine gemütliche Biker-Herberge. Auf der Speisekarte stehen Bremsklötze und Beschleuniger, das Bier fließt aus einem Boxermotor.

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