Anzahl der Aufrufe: 3050 Im Kurven-Eldorado Deutschland · Pfalz


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Tief im dunklen Herz des Pfälzer Waldes warten mit dem Wellbachtal, dem Elmsteiner Tal und der Totenkopfstraße Kurvenstrecken vom Allerfeinsten. Sie lassen uns von Süd nach Nord und von West nach Ost durch den Naturpark zirkeln. Und geben uns gleichzeitig Ausblicke auf zerklüftete Felsenburgen, die Zeugen der mittelalterlichen Kleinstaaterei in Deutschland.

Die Anfahrt erfolgt über die A 65, Abfahrt Landau-Zentrum. Die zweitgrößte Weinbaugemeinde Deutschlands stellt heute das wirtschaftliche Zentrum der Südpfalz dar, ohne deswegen etwas von ihrer mediterran-heiteren Atmosphäre eingebüßt zu haben. Wegen der zentralen Lage, des milden Klimas und der fruchtbaren Böden war Landau in seiner Geschichte stets begehrt: Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt von durchziehenden Truppen nicht weniger als sieben Mal erobert!

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Innerhalb von Landau folgen wir der Ausschilderung Saarbrücken/Pirmasens. Erst am Ortsrand bringt uns die Straßenmarkierung Klingenmüns?ter auf unseren tatsächlichen Weg. Wie nicht anders zu erwarten, begleiten uns im Weinbaugebiet nicht enden wollende Reihen von Weinreben durch Wollmesheim und Ilbesheim nach Eschbach.

Bereits in der Ebene von Ilbesheim sieht man die größte Burgruine der Südpfalz: die Madenburg. Von dort oben hat man einen herrlichen Blick auf die südliche Rheinebene zur einen Seite und auf das tiefe, fast undurchdringbare Grün des Naturparks Pfälzer Wald zur anderen. Vor der Kür steht jedoch die Pflicht: Bevor wir von der Madenburg aus die herrliche Aussicht genießen können, liegt ein zehnminütiger Fußweg vor uns. An der Ruine sieht man sehr schön, dass die Burg teilweise direkt aus dem Sandstein des Felsens gehauen wurde. Die Gaststätte auf der Burg ist das ganze Jahr täglich außer montags geöffnet, die Besichtigung der Burg ist gratis (Öffnungszeiten: Zwischen April und Oktober von 10.00 bis 19.00 Uhr).

Wieder zurück in Eschbach, weisen uns die gelben Pfeile nach Klingenmünster, bzw. auf die B 48. Keine Vorurteile: Auch Bundesstraßen können kaum befahren sein. Die Stre??cke über Waldhambach und Wald?rohrbach in Richtung Rinnthal gehört zu der Sorte, die nicht nur die Lauffläche, sondern auch die Flanken des Reifenprofils auf Temperatur bringt.

Bevor wir uns nun endgültig in das Winkelwerk des Pfälzer Waldes fallen lassen, nehmen wir uns die sechs Kilometer lange, schön zu fahrende Anfahrt zur Burg Trifels vor (auf der B 48 beschildert). Auch hier trennt uns ein Wanderweg von der bedeutenden Burg des Mittelalters. Von den Saliern auf dem dreigeteilten Buntsandsteinfelsen (= Tri-fels) errichtet, galt sie als die sicherste des Reiches. Wegen ihres soliden Mauerwerks wurde die Reichsfeste auch als Kerker für hohe Staatsgefangene benutzt. Einer der prominentesten war der englische Kö?nig Richard Löwenherz. Held einer ganzen Generation von Buben, die nachts unter der Bettdecke in Comic-Heften von den Abenteuern dieses edlen Ritters lasen. Doch war er anscheinend nicht so edel. Hätte er sich im Heiligen Land nicht so viele Feinde gemacht, wäre er wohl kaum auf dem Trifels eingesessen (geöffnet 9.00 - 18.00 Uhr).

Weiter geht es auf der B 48 nach Rinnthal, an den Eingang des Well?bachtals. Vom Blattwerk der Deutschen Alleenstraße beschattet, bahnen wir uns den Weg mittels Gewichtsverlagerung bis hoch zum Johanniskreuz. Mittlerweile wieder an sieben Tagen der Woche!

Neben reichlich Bäumen zur Linken und Rechten steht ein ausgedehnter Schilderwald. Mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h und Überholverbot versucht die Polizei, die Zweiradfahrer zur Mäßigung zu erziehen. Rigoroser und gefährlicher sind die Maßnahmen des Straßenbauamtes: Fahrbahnschäden werden mit den allseits bekannten Bitumenstreifen »repariert« - der Belag gleicht einem Schnittmuster. So kann es passieren, dass sich die Straße sogar in Kurven um ein paar Zentimeter nach oben wölbt. Vorsicht ist also vor allem bei Nässe angebracht.

Fahrspaß bringt die Fahrt durchs Wellbachtal in die Tiefen des Naturparks Pfälzer Wald aber allemal. Und wenn man mit einem breiten Grinsen am Johanniskreuz steht, wünscht man sich, die knapp 13 Kilometer lange Strecke würde gleich wieder von vorn anfangen.

Schon für Kelten und Römer war das Johanniskreuz als Straßenknoten von Bedeutung, und auch die deutschen Könige zogen auf ih?rem Weg von Kaiserslautern zum Trifels hier vorbei. Geschichtsschwanger ist auch das Forsthaus: Dort wurde 1843 von einer Forstkommission den wilden Wäldern rundherum der Name »Pfälzer Wald« gegeben.

Bei schönem Wetter und an Wochenenden haben die Motorradfahrer das Johanniskreuz fest im Griff. Auf dem großen Parkplatz steht ein Bike neben dem anderen, und die dicht besetzten Biertische vor dem Restaurant bringen motorisierte Zweiradfahrer aller Couleur auf Leder- und Gore-Tex-Fühlung.

Weiter geht es auf einem schmalen Sträßchen ohne Mittelstreifen durch bewaldetes Gebiet von Heltersberg über Schmalenberg bis nach Schopp. Auf die B 270 biegen wir nach rechts Richtung Kaiserslautern ab, um uns nach etwa drei Kilometern wieder in die Wälder nach Trippstadt zu schlagen. Bis zum Gehöft Unterhammer lassen die Straßenschäden nur noch langsame Fahrweise zu. Tempo 30 ist angeschrieben. Aber das sumpfige Tal entlang des Flüsschens Moosalbe entschädigt für entgangenen Fahrtwind.

Bei Unterhammer können wir sowieso den Fuß auf den Bremshebel stellen. In der idyllischen Klugschen Mühle mit Biergarten kann man sich »Krumbeerpannekuche mit Abbelbrei« (Kartoffelpfannkuchen mit Apfelkompott) oder Forelle gönnen. Die einsam gelegene Mühle gehört eher zur gehobenen Preisklasse, hat dafür aber viel Ambiente und ist eine schöne Alternative zum Johanniskreuz.

Hinter der Mühle wird der Stra?ßenbelag besser, und in Trippstadt lockt auch schon wieder das nahe Johanniskreuz. Wir aber folgen der abknickenden Vorfahrtsstraße in den Ortskern und besuchen das schöne Barockschloss mit seinem prächtigen Schlossgarten. Heute beherbergt die Anlage die Forstwirtschaftliche Versuchsanstalt von Rheinland-Pfalz.

Wer am ersten Septemberwochenende in Trippstadt sein sollte, darf auf keinen Fall das beliebte Kohlenbrennerfest verpassen. Dann qualmt ein Kohlemeiler wie vor Hunderten von Jahren und erinnert daran, dass bis ins 19. Jahrhundert die Köhlerei ein bedeutender Wirtschaftszweig im Pfälzer Wald war. Die gewonnene Holzkohle brachte die Meileröfen in Karls?tal, die der Eisenschmelze dienten, zur Hochglut. Wie Holz- und Eisenindustrie voneinander abhingen, kann man im Trippstädter Eisenmuseum »Schmiede Huber« sehen. Dort zeigt in einer Werkstatt der Kunstschmied Heinz Denig, wie Schmiede vor 2.000 Jahren arbeiteten.

Vom Schloss fahren wir Richtung Kaiserslautern und biegen an der T-Kreuzung zum Johanniskreuz ab, dessen Namensgeber der Ritter Johann von Wilenstein gewesen sein soll. Angeblich schlug er im 13. Jahrhundert sein Wappen in ein Steinkreuz.

Nach diesem kurzen Schlenker erwartet uns ein weiteres Highlight des Pfälzer Kurvenlabyrinths: Das Elmsteiner Tal, das in Richtung Neustadt führt. Die enge Schlucht hat fast alpinen Charakter. Zur einen Seite begrenzen steile Hänge die Fahrbahn, auf der anderen Seite fließt tief unten in einer Schlucht der Speyerbach. Das Elmsteiner Tal ist nach wie vor von der Stre?cken?sper?rung für Motorradfahrer an Wochenenden und an Feiertagen betroffen. Wer die Tour dennoch am Wochenende fahren möchte, muss ab hier die Alternativroute über Hochspeyer und das Weidenthal wählen. Die ist zwar etwas länger, bezüglich Streckenführung und Landschaft aber ebenfalls sehr abwechslungsreich.

Eine Kurve reiht sich an die nächs?te, und die beschwingte Fahrt wird nur durch die engen Ortsdurchfahrten unterbrochen. In Elmstein verlassen wir das Tal und biegen in die Totenkopfstraße in Richtung Maikammer/St. Martin ab. Die enge Straße ohne Mittellinie und Leitplanken vermittelt Naturerlebnis pur. Der dichte Wald schlägt wie ein Höhlendach über uns zusammen, und die mys?tisch-dunkle Stimmung lässt vermuten, dass wir hinter der nächsten Kurve einen Waldschrat treffen.

Der ebene Untergrund verleitet dazu, es etwas schneller angehen zu lassen. Der Wechsel von Rechts- und Linkskurven gipfelt zum Bergrücken hin in serpentinenartigen Spitzkehren und einer Straßenbreite, die gerade mal Platz für einen Kleinlaster lässt. Dass die Totenkopfstraße ihren Namen von zwei frontal aufeinander geprallten Kurvenräubern haben soll, stimmt zwar nicht. Die Möglichkeit dieser Namensfindung sollte jedoch gerade auf dieser Traumstraße niemand vergessen.

Auf der Passhöhe angekommen, fordert eine nette Kneipe mit Biergarten zur Rast auf. Gesprächsstoff gibt es angesichts der zurückliegenden Stre?cke jede Menge.

Fast am Ende der Totenkopfstraße biegen wir ab in das historische Weindorf St. Martin mit seinen malerischen Gassen und Fachwerkhäusern, dessen Ortskern vollständig unter Denkmalschutz steht. Von hier aus haben wir bereits einen Blick auf die berühmte Silhouette von Edenkoben: Die protestantische Barockkirche, die 1739 an einen Turm aus dem 15. Jahrhundert angebaut wurde und die neugotische katholische Pfarrkirche.

Edenkoben war einst Lieblingsstadt des Bayernkönigs Ludwig I. Wegen einer Affäre mit der Tänzerin Lola Montez wurde er frühzeitig zum Abdanken genötigt und ließ sich als königlicher Privatier in Edenkoben seine Sommerresidenz, die Villa Ludwigshöhe, bauen. In deren oberem Stockwerk sind die Bilder des pfälzer Impressionisten Max Slevogt ausgestellt.

Keine schlechte Wahl, bezeichnen doch die Edenkobener ihre Heimat selbst als das Paradies der Pfalz, eben den Garten Eden, der dem Ort auch seinen Namen gegeben haben soll. Ganz nach dem Motto »Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr«, kann sich die weinfrohe Stadt neben dem größten Holzfass-Weinkeller im Gut Kloster Heilsbruck auch mit dem ältesten Weinberg Deutschlands schmücken.

Begleitet von Gütern und Strau?ß?wirtschaften holpern wir auf einem Sträßchen nach Ludwigshöhe und durchfahren das Edenkobener Tal bis zum Schänzelturm am Kesselberg. Hinter der Passhöhe biegen wir noch einmal an der T-Kreuzung links ab in Richtung Weyher. Das einsame Tal führt uns durch den dichten Mischwald des Naturparks Pfälzer Wald und lässt das baldige Abschiednehmen schwer fallen.

Ein Stück vor Weyher bringt uns eine schmale Straße den Berg hoch nach Ramberg und Dernbach. Ab der Passhöhe rütteln uns die in den Belag gefrästen Querrillen mächtig durch. Hier sind die Ortsdurchfahrten geradezu italienisch eng - der Stadtbus nötigt selbst uns Motorradfahrer zu Ausweichmanövern in eine Seitenstraße. Hinter Dernbach biegen wir links Richtung Albersweiler ab, um von dort auf der B 10 zügig nach Landau zu gelangen.

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