Anzahl der Aufrufe: 2576 Oberallgäu-Rundfahrt Deutschland · Allgäu/Bay. Schwaben
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Tour erstellt am 23.04.2010
Informationen zur Tour
Von wegen Deutschland und keine richtigen Berge. Zwar können wir mit den 3.000ern der alpinen Nachbarländer nicht unbedingt mithalten. Doch zeigt ein Blick auf die Landkarte, dass im Oberallgäu durchaus der eine oder andere Alpengipfel auf die Besteigung wartet. 2.657 Meter ist beispielsweise der Große Krottenkopf hoch, 2.645 Meter die Mädelengabel und 2.594 Meter der Hochvogel. Und rund um diese Gipfel, auch Allgäuer Alpen genannt, lässt sich eine Tagestour zusammenstellen, die sich in Sachen Pässe und Serpentinen nicht zu verstecken braucht.
Um die Runde vollenden zu können, müssen wir uns jedoch bei unseren österreichischen Nachbarn einige Kilometer Straße ausleihen. Denn die Kette der Allgäuer Gipfel hat sich so verzwickt zwischen die Landesgrenzen geschoben, dass die meisten Täler wie zum Beispiel das Kleinwalsertal als Sackgasse enden. Deshalb geht es von Füssen aus zunächst einmal nach Reutte. Direkt hinter dem Grenzübergang muss man aufpassen, um den Abzweig nach Pinswang zu erwischen. Auf dieser netten Nebenstrecke lässt sich nämlich die chronisch überfüllte und langweilige Hauptroute Pfronten – Reutte umgehen. In Reutte folgen wir dem Wegweiser in Richtung Arlberg und Warth und haben schon kurz darauf die ersten Kilometer der Lechtal-Straße unter den Rädern.
Um die Runde vollenden zu können, müssen wir uns jedoch bei unseren österreichischen Nachbarn einige Kilometer Straße ausleihen. Denn die Kette der Allgäuer Gipfel hat sich so verzwickt zwischen die Landesgrenzen geschoben, dass die meisten Täler wie zum Beispiel das Kleinwalsertal als Sackgasse enden. Deshalb geht es von Füssen aus zunächst einmal nach Reutte. Direkt hinter dem Grenzübergang muss man aufpassen, um den Abzweig nach Pinswang zu erwischen. Auf dieser netten Nebenstrecke lässt sich nämlich die chronisch überfüllte und langweilige Hauptroute Pfronten – Reutte umgehen. In Reutte folgen wir dem Wegweiser in Richtung Arlberg und Warth und haben schon kurz darauf die ersten Kilometer der Lechtal-Straße unter den Rädern.
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Rot: Partnerhäuser in der NäheBestens gepflegt und gut ausgebaut folgt die Fahrbahn dem Lauf des Lechs. Die Bögen sind rund, die Radien fallen weit aus. Keine tückischen Kurven schmälern den Landschaftsgenuss. Denn der hat es in sich. Neben der Straße gurgelt der türkisfarbene Fluss, während links und rechts die Gipfel der Lechtaler und Allgäuer Alpen am Himmel kratzen. Hier stehen sie, die Berge, die das Image der bundesdeutschen Alpen-Szene aufpolieren dürfen. Hochvogel, Goßer Krottenkopf, Mädelengabel. Natürlich machen auch die österreichischen Bergspitzen auf der linken Seite ganz schön was her. Jedenfalls ergibt das alles zusammen eine Augenweide für jeden Liebhaber schöner Alpenpanoramen.
Die Breite der Fahrbahn wechselt ständig. Mal breit, mal schmal. Ebenso das Lechtal. Mal eng, mal weniger eng, manchmal auf einen Schlag riesig breit. Wie zum Beispiel in Forchach. Einzelne Heuschober stehen auf den Almwiesen und sehen aus wie Figuren auf einem großen Schachbrett. Vier Farben, waagerecht unterteilt wie die Schichten einer Sahnetorte, herrschen vor: Grün, Dunkelgrün, Grau und Blau. Grün sind die Wiesen, dunkelgrün der Wald, grau die Felsen, blau der Himmel. Wie gemalt.
Hübsche Dörfer mit bunt bemalten Häusern reihen sich hier aneinander. Lüftl-Malerei nennt sich das. Der Ort Holzgau grüßt den Besucher sogar mit einer sehenswerten Bank-Schild-Kombination, auf der man nicht nur ein tolles Foto, sondern auch eine gemütliche Pause machen kann. Stirbt der Motor, herrscht Stille. Nur das Zirpen der Grillen ist zu hören. In der Ferne tuckert ein Traktor vor sich hin. Hin und wieder ertönt ein leises Pfeifen, wenn einer der zahlreichen Gleitschirmflieger zur Landung ansetzt.
Je weiter südlich wir kommen, desto näher rücken die Berge zusammen. Man spürt förmlich, wie sich ein Pass nähert. Und tatsächlich: Hinter Steeg zielt ein Traum von einer Kurvenstrecke direkt auf den Sattel des Hochtannbergpasses. Die Fahrbahn ist griffig, alle Kurven sind gut einsehbar. Kurz vor Warth geht es noch durch eine Handvoll enger Kehren, dann heißt es in der Ortsmitte nach rechts in Richtung Bregenz abbiegen. Gleich um die Ecke steht mit dem Gasthof Warther Hof übrigens der Mittagspausentipp für diese Tour (wir empfehlen: Tiroler Grösti aus der Eisenpfanne).
Die unbeschwerte Kurverei auf gepflegtem Asphalt setzt sich auch nach Passieren des Hochtannbergpasses (1.679 Meter) fort. In vielen Kehren schraubt sich die Straße hinab ins Tal der Bregenzer Ache. Dort folgt sie in nun weiter werdenden Bögen dem Lauf des Flusses. Dieses Tal besitzt eine lange Tourismus-Tradition. Ortschaften wie Schoppernau, Au, Mellau oder Bezau hatten sich schon Ende des 19. Jahrhunderts auf den Fremdenverkehr eingestellt. Damit ließ sich der Lebensunterhalt leichter verdienen als mit der schweren Arbeit im Wald oder auf dem Feld. Bezau kam einmal sogar zu politischer Bedeutung: Bis ins Jahr 1807 stand hier das Rathaus der Bauernrepublik Bregenzerwald.
Kurz vor Schwarzenberg weist ein Schild nach rechts in Richtung Deutschland. Über Hittisau und seinen insgesamt 116 Bergbauernhöfen nähern wir uns der Grenze (Ausschilderung Balderschwang). Enge Sträßchen sind angesagt. Begleitet von den obligatorischen Weidezäunen durchstreifen sie diese Hügellandschaft in einem traumhaften Gewirr aus Höhen, Senken und Linksrechts-Kombinationen. Wenig Verkehr, viel Übersicht – was will man mehr? Vielleicht etwas Aussicht. Auch die gibt es. Gehöfte, Dörfer, Kirchen und Kapellen liegen malerisch verstreut zwischen Bergkuppen und Tälern. Zufrieden dreinblickende Kühe glotzen dem vorbeihuschenden Motorrad nach. Wenn die Welt noch irgendwo in Ordnung ist, dann hier.
Hinter Balderschwang beginnt die Riedberg-Passstraße. Noch nie etwas davon gehört? Na dann wird es aber Zeit. Die Riedberg-Straße ist nämlich eine überaus kurvige und verzwickte Angelegenheit. Sie windet sich, oder besser gesagt: sie zackt sich hoch bis auf 1.420 Meter Höhe. Sehr schmal, sehr steil und insgesamt in eher rauem Zustand. Geraden sind Mangelware, dafür warten Bodenwellen ohne Ende. Also ehrlich: Diese Passstraße ist eine super Sache und fast ein Geheimtipp. Da es vom Sattel aus nicht viel zu sehen gibt, nimmt man sich am besten gleich den Abstieg vor. Und der ist von der gleichen 1a-Qualität wie die Auffahrt. Vielleicht sogar noch eine Spur interessanter. Weil der Belag mit Flicken übersät ist und die ganze Konzentration fordert.
Vor Obermaiselstein biegen wir nach Tiefenbach ab, um in einem kleinen Bogen Oberstdorf zu erreichen. Das Dorf ist mit seinen 12.000 Einwohnern eigentlich schon eine Kleinstadt und liegt zwischen den Gipfeln von Fellhorn, Nebelhorn und Söllereck mitten in einem phantastischen Alpenpanorama. Die Qualitäten Oberstdorfs entdeckte natürlich auch der Fremdenverkehr, und so stehen auf der Statistik der Touristik-Information jährlich 2,5 Millionen Übernachtungen. Dennoch vermisst man in dem Ort jenen Alpen-Kitsch anderer Urlauberzentren. Ob aus Vernunft oder wegen Bauvorschriften – Oberstdorf hat es letztendlich geschafft, seinen ursprünglichen Charakter zu bewahren.
Wer Lust auf einen Abstecher hat oder sein Schwarzgeld unterbringen will, dem sei das Kleinwalsertal empfohlen. Seit 1891 ist diese 16 Kilometer lange Sackgasse so genanntes Zollanschlussgebiet. Das heißt, deutsches Wirtschafts- auf österreichischem Staatsgebiet. Die Anzahl der Banken pro Kopf der Bevölkerung erreicht Luxemburger Verhältnisse. Der Grund ist einfach: Die Österreichischen Geldinstitute wahren eisern das Bankgeheimnis und locken damit jede Menge deutscher Kunden ins Tal.
Die Räder rollen nun auf der breiten B 19 nach Sonthofen. Dort rechts ab Richtung Hindelang. Immer noch gemächlich geradeaus. Doch das ändert sich schnell. Denn eine etwa fünf Kilometer lange Achterbahn bringt uns von Hindelang hinauf ins 1.136 Meter hoch gelegene Oberjoch. Eine feine Sache. Das Wort geradeaus existiert nicht mehr, das Motorrad steht nur noch sehr selten in der Senkrechten. Einziger Wermutstropfen: Das für die ganze Strecke geltende Überholverbot. So sollte man auf freie Fahrt warten, um nicht hinter irgendeiner Familienkutsche oder einem Wohnmobil hergurken zu müssen.
Ein großes Schild mit der Aufschrift “Grüß Gott im Tannheimer Tal” begrüßt uns gleich hinter Oberjoch. Vielen Dank, liebe Tannheimer. Aber auch so wären wir gerne gekommen. Dieses Hochtal ist nämlich ein echtes optisches Highlight. Seine Hänge sind fast bis hinauf zu den Felsspitzen mit Almwiesen bewachsen und verwandeln das Tal in einen grünen Schlauch. Als Alternative zur Hauptstraße bieten sich die links davon verlaufenden asphaltierten Landwirtschaftswege an. Von Gehöft zu Gehöft lässt es sich auf ihnen genüsslich das Tal entlang bummeln. Die letzten Serpentinen dieser Tour finden wir schließlich auf der Abfahrt vom Gaichtpass nach Weißenbach. Toller Belag, schöne Aussicht. Von wegen keine richtigen Berge...
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