Anzahl der Aufrufe: 285 Oder-Spree-Seengebiet Deutschland · Brandenburg
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Tour erstellt am 23.04.2010
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Kein Wunder, dass der Typ von hier weg wollte. Der Gedanke kommt wohl jedem, der auf diesen typischen märkischen Waldwegen von Ahrensdorf über Kossenblatt und Briescht nach Trebatsch fährt. Der Typ, das ist Ludwig Leichhardt. Jemand, der einer Straße in Berlin-Dahlem seinen Namen gab und über den australische Wissenschaftler sogar Doktorarbeiten schreiben. Leichhardt durchquerte nämlich 1844/45 als erster Weißer den Nordosten des Roten Kontinents, spürte Bodenschätze auf und notierte alles, was ihm auffiel. Noch heute profitieren die Australier von seinen präzisen Beobachtungen.
Leichhardt wurde in Trebatsch geboren, dem Ziel dieser Wald- und Wiesen-Etappe. Von Ahrensburg in der direkten Falllinie nach Süden. Auf kleinen und kleinsten Sträßchen. Meist frisch asphaltiert. Zwischen Briescht und Trebatsch hat man jedoch die Wahl zwischen Asphalt und Sand. Wobei der - noch für den öffentlichen Verkehr freigegebene - Sandweg so festgefahren ist, dass man auch im Sattel einer Straßenmaschine gut auf ihm zurecht kommt.
Leichhardt wurde in Trebatsch geboren, dem Ziel dieser Wald- und Wiesen-Etappe. Von Ahrensburg in der direkten Falllinie nach Süden. Auf kleinen und kleinsten Sträßchen. Meist frisch asphaltiert. Zwischen Briescht und Trebatsch hat man jedoch die Wahl zwischen Asphalt und Sand. Wobei der - noch für den öffentlichen Verkehr freigegebene - Sandweg so festgefahren ist, dass man auch im Sattel einer Straßenmaschine gut auf ihm zurecht kommt.
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Rot: Partnerhäuser in der NäheEin weiteres Stück Naturbelag führt von Trebatsch nach Ressen. Danach auf normalem Asphalt um den Schwielochsee herum. An Hoffnungsbay vorbei. Der kleine Ort heißt wirklich so. Hat wirklich einen amerikanischen Namen. Wie viele Dörfer in der Mark Brandenburg. Philadelphia, Neu-Boston - alles Relikte der Siedlungspolitik Friedrichs des Großen. Als schlimme Kriege im 16. und 17. Jahrhundert ganze Dörfer ausrotteten, lockte Friedrich Menschen aus Süddeutschland hierher. Und für viele, die eigentlich in die Neue Welt auswandern wollten, endete der Traum von Amerika östlich von Berlin.
Am Ostufer des Schwielochsees entlang geht es über Pieskow und Niewitsch nach Friedland. Immer wieder blitzt das Blau des Wassers zwischen den Bäumen hindurch. In Friedland Richtung Osten. Unendlich lange Alleen saugen uns in ihren Schlund und lassen uns mit dem Gasgriff spielen. Treppeln und Bahro wetteifern mit hart abknickenden Vorfahrtsstraßen. In Weichendorf verlangt ein Haken mitten auf einem Bahnübergang die volle Aufmerksamkeit. Je mehr man sich der Oder und der polnischen Grenze nähert, desto intakter ist die Natur. Man hat sie hier offensichtlich in Ruhe gelassen. Es gibt ganze Dörfer mit baumbestandenen Hauptstraßen. Herrliche Alleen, die von den Kettensägen übereifriger Beamter verschont blieben. Irgendwo hängt ein von Efeu überwuchertes Emaille-Schild mit der sozialistischen Aufschrift: »Anerkannter Bereich vorbildlicher Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit und Disziplin.«
Ein weiteres leicht zu übersehendes Schild weist in Neuzelle den Weg zur Klosterkirche. Das als Barockwunder bekannte Bauwerk übertrifft die kühnsten Erwartungen. Wer es zum ersten Mal betritt, ist vom Prunk überwältigt: 600 religiöse Figuren, Marmor, goldbemalte Holzschnitzereien, Deckengemälde, Stuckarbeiten, ein Dutzend Altäre - beinahe unglaublich. Trotz aller biblischen Träume blieben die Mönche vor 400 Jahren jedoch weltlichen Genüssen nicht abgeneigt und begannen mit dem Brauen von Bier. Und noch heute wird das dunkle Neuzeller Kloster-Bräu nach den alten Rezepturen hergestellt. Wer Lust hat, kann an einer Brauereiführung teilnehmen. Oder ganz einfach in der Klosterklause ein kühles Bier zischen.
Über Möbiskruge kurven wir nach Eisenhüttenstadt. Dort steht die einzige nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründete deutsche Stadt. Sie wurde 1951 zusammen mit einem gigantischen Eisenhütten-Kombinat aus dem märkischen Sandboden gestampft. Quasi das Wolfsburg der DDR. Wer nur einfach durchfährt, wird kaum mehr sehen, als die aus anderen Städten bekannten sozialistischen Plattenbauten. Dabei lässt sich die Geschichte der DDR nirgendwo so komprimiert verfolgen wie in Eisenhüttenstadt. Zum Beispiel in den Wohnkomplexen der 50er- und 60er-Jahre. Schon damals errichtete man zwischen den Häusern parkähnliche Grünräume, Innenhöfe, Kolonnaden und Torbögen. Mehr als 90 Skulpturen, Plastiken und Wandbilder lockern das Stadtbild auf.
Seit der Wende wurde hier viel renoviert und verändert. Die anfangs belächelte Sammlung von Alltagsgegenständen aus der DDR-Zeit ist mittlerweile auf 40.000 Objekte angewachsen. Zu schnell wurde alles weggeworfen und durch West-Produkte ersetzt. Doch das Dokumentationszentrum sicherte sich rechtzeitig Bussy-Lippenstifte, Stella-Fernseher, Praktiker-Hefte und Präsent-20-Anzüge.
Eine kurze Etappe auf der B 112 folgt, dann geht es wieder ans Eingemachte. Über Politz nach Rießen, um die Rießener Berge herum und weiter nach Müllrose. Schmale Sträßchen mit griffigem Belag und wenig Verkehr. Unbeschwertes Motorradfahren durch eine bildhübsche Waldlandschaft. Auf den lichten Flächen grasen Heidschnucken. Die meisten von ihnen gehören dem Schäfer Klaus Stolz. 2.000 Tiere besitzt er, auf mehrere Herden verteilt. Wer mehr über die Arbeit der Schäfer erfahren will, sollte den Schäferhof von Klaus Stolz in Pohlitz besuchen. Dort wartet das größte deutsche Schäfermuseum.
Ziegelroter Backstein prägt das Städtchen Beeskow. Uralte Häuser klammern sich an rauhes Kopfsteinpflaster. Auch Fontane fand an Beeskow Gefallen. Auf seine Art. 1862 schrieb er in sein Reisetagebuch: »Beeskow ist nicht so schlimm wie es klingt.« Typisch Fontane.
Kerzengerade zielt die B 246 nach Westen. Motorradfahrerisch keine Offenbarung. Dafür lässt sie uns viel Zeit, die vorüberziehende märkische Landschaft zu betrachten. Die hat das nämlich mehr als verdient. In Glienicke rechts ab zur Umrundung des Scharmützelsees. Traumhafte Blicke nach links übers Wasser. Eine Allee aus Obstbäumen führt mitten nach Bad Saarow-Pieskow hinein. Auf der gegenüberliegenden Seeseite warten nicht nur schöne Aussichten, sondern unten an der B 246 im Bikertreff Wendisch Rietz ein Pausensnack in Form von Bockwurst und Kartoffelsalat.
Von Storkow aus starten wir die Rundfahrt um den Wolziger See. Wegen der reizenden Waldsträßchen und wegen der Dörfer mit den amerikanischen Namen. Gleich hinter Storkow taucht Neu-Boston auf. Weiter geht es um den See herum. In Groß Schauen weist ein Schild den Weg nach Philadelphia. Ob von seinen Gründern jemals einer ins richtige Philadelphia gekommen ist? Wahrscheinlich nicht.
Wir fahren auf der B 246 zweieinhalb Kilometer zurück und biegen dann rechts nach Bugk und Kehrig ab. Wieder surrt der rauhe, griffige Asphalt eines kleinen Waldsträßchens unter uns hindurch. Die Bäume stehen dicht an dicht und lassen kaum einen Sonnenstrahl passieren. Kleinere und größere Seen flitzen vorüber. Über Limsdorf erreichen wir wieder Ahrensdorf. Wen jedoch die Sucht nach Natur gepackt hat, der lenkt sein Bike an der letzten Kreuzung nach Süden, wo eine Bootsfahrt im Spreewald lockt.
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