Anzahl der Aufrufe: 3515 Rothaargebirge Deutschland · Sauerland


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Das Rothaargebirge ist die höchste Region des Sauerlandes. Der Kahle Asten streckt seinen Gipfel 841 Meter hoch in den Himmel, und Winterberg ist mit 770 Metern die höchst gelegene Stadt im Sauerland. Da drängt sich die Vermutung auf, dass es in dieser gebirgigen Region eigentlich jede Menge motorradtauglicher Straßen geben müsste. Und das ist sehr richtig. Die Empfehlung kommt quasi aus den eigenen Reihen. Am Wochenende sind im Rothaargebirge nämlich immer verdächtig viele Motorräder mit Ruhrgebiets-Kennzeichen unterwegs. Und das, obwohl das Rothaargebirge ein gutes Stück von der heimatlichen Garage entfernt liegt. Würden diese Fahrer hierher kommen, wenn nicht tolle Strecken auf sie warten würden? Wohl kaum.

Also nichts wie los und ausprobiert, wo die attraktivsten Routen des Rothaargebirges liegen. Die Tour beginnt am Schnittpunkt der beiden Bundesstraßen B 511/B 236 in Gleidorf bei Schmallenberg. Den Ort erreichen wir über die Autobahn A 46 und die beiden Bundesstraßen B 55 und B 511.

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Rot: Partnerhäuser in der Nähe



In Gleidorf nehmen wir die B 236 Richtung Winterberg. Aber was heißt schon Bundesstraße. Schon nach kurzer Zeit krümmt sich der Asphalt in alle Richtungen. Links-Rechts-Kombinationen am laufenden Band bringen uns bergauf. Die Unebenheiten im Belag sind eine echte Herausforderung für das Fahrwerk. Von wegen eintönige Bundesstraße.

Nach zwölf Kilometern stoßen wir auf die B 480, wo wir links abbiegen. Grobe Richtung weiterhin Winterberg. Die B 480 verläuft nun schon etwas gesitteter und verwöhnt mit wunderschönen Ausblicken auf die Berge des Hochsauerlandes. In weiten Bögen stürmen wir dem bekanntesten Gipfel des Sauerlandes entgegen – dem Kahlen Asten.

Der ist gut ausgeschildert. Kurz vor Winterberg geht es nach links, und kurz darauf zweigt die Stichstraße zum Gipfel ab. Eine Handvoll Kehren, dann ziehen wir auf dem Parkplatz in 841 Meter Höhe den Zündschlüssel ab. Erste Erkenntnis: Der Kahle Asten ist gar nicht so kahl. Wer sich die Umgebung ansehen möchte, muss den Aussichtsturm erklimmen. Dann aber ist der Blick auf die ganz unter Naturschutz stehende Hochheide eine Wucht. Erkenntnis Nummer zwei: Der Kahle Asten ist kulinarisch perfekt erschlossen. Ob Restaurant, Imbiss-Bude oder Freiluft-Stehcafé – verhungern oder verdursten muss niemand. Ein kleiner Rundgang führt uns zur Wetterstation. Man sollte den Jungs für ihre Arbeit danken, denn gerade wir Motorradfahrer sind abhängig von genauen Vorhersagen.

Wieder zurück auf der Hauptstraße nehmen wir Kurs auf Altastenberg. Dort dominiert der Wintersport das Ortsbild. Schilder mit der Aufschrift Skilift oder Skiverleih zeigen deutlich, wo es hier im Winter langgeht. Wir kehren in Altastenberg dem Kahlen Asten erst einmal den Rücken zu und biegen rechts ab in Richtung Sorpetal. Ein letzter Blick auf die Skipisten, dann tauchen wir in den Wald hinein. Ein Abzweig kommt in Sicht. Wir bewundern den Schrein namens Hilligen Pösteken und biegen dann links nach Rehsiepen ab.

Klein, eng und gespickt mit Kurven ist der Weg hinab ins Sorpetal. Ein Dutzend Kehren auf einem Kilometer – was will man mehr? Mit der Übersicht ist es jedoch nicht zum Besten bestellt, weshalb ein aufmerksamer Blick nach vorn von Vorteil ist. Im Tal rollen wir nach Rehsiepen hinein und verfolgen dem Lauf der Sorpe. Dieser Bach hat übrigens nichts mit der Sorpe-Talsperre im Westen des Sauerlandes zu tun. Dennoch suchte hier schon so mancher Urlauber verzweifelt nach einem Stausee.

In fein säuberlicher Reihenfolge durchqueren wir anschließend die Orte Obersorpe und Mittelsorpe. In Niedersorpe ein Abzweig, wir biegen rechts zum Schiefermuseum nach Holthausen ab. Den asphaltierten Landwirtschaftsweg als Straße zu bezeichnen, wäre übertrieben. Kommt ein Auto entgegen, muss Verkehrsteilnehmer A oder B in die Botanik ausweichen. So eng geht er hier zu. Der Weg gabelt sich, wir halten uns links. Bei langsamer Gangart lassen sich schöne Aussichten auf das Ebbegebirge genießen.

In Holthausen hat die Maschine erst einmal Pause. In der ehemaligen Schule kann man alles erfahren, was mit Schiefer zu tun hat. Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag und Samstag von 15.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag von 10.00 bis 12.00 Uhr. Wer den Geist des Sauerlandes und seiner Bewohner richtig kennen lernen will, kommt um das Schiefermuseum nicht herum. Das Gestein hat die Region geprägt und ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig. In Holthausen hat heute noch jeder zehnte Einwohner beruflich mit Schiefer zu tun. Und wer zu Hause immer schon eine Schiefertafel haben wollte, kann sich im Museum die passende aussuchen.

Unser nächstes Ziel Bad Fredeburg ist ein bekanntes Kneippbad im Sauerland. 1945 wurde der Ort gänzlich zerstört und nach historischen Vorlagen wieder aufgebaut. In Bad Fredeburg streifen wir die Bundesstraße und nehmen die Orte Bestwig und Westernbödefeld ins Visier.

Jetzt kommt Stimmung auf. In unzähligen Windungen kurvt die Fahrbahn durch die Landschaft. Auf einem Teilstück der Hochsauerland-Höhenstraße schwingen wir Rimberg entgegen. Die gut ausgebaute Etappe mit ihren eleganten Bögen erlaubt einen zügigen Schnitt. Hinter Osterwald nimmt uns eine Art Achterbahn auf, und wir lassen es auf dem Wald- und Wiesensträßchen nach Bödefeld ordentlich fliegen. Rechts ab nach Siedlinghausen. Nach wie vor präsentiert uns die Hochsauerland-Höhenroute wunderschöne Aussichten auf die Gipfel rund um Winterberg.

In Siedlinghausen nehmen wir Kurs auf die höchst gelegene Stadt im Sauerland. Wohl deshalb geht es von nun an ständig bergauf. Kurz vor Winterberg trifft die Route auf die B 480. Wir befinden uns nun im Quellgebiet der Ruhr. Wer sehen will, wo der Fluss entspringt, muss links abbiegen und der Ausschilderung zur Quelle folgen. Kaum vorstellbar, dass dieser kleine Bach nach 218 Kilometern als einer der mächtigsten Flüsse Nordrhein-Westfalens bei Duisburg in den Rhein mündet.

Der Name Winterberg sagt schon alles: An 90 bis 100 Tagen liegt hier oben eine geschlossene Schneedecke, da die Hochflächen des Rothaargebirges den kalten Nordwest-Winden schutzlos ausgeliefert sind. Haupterwerbsquelle der Region ist seit eh und je der Tourismus. Vorher ging es der Bevölkerung alles andere als rosig. Viele durchstreiften als Wanderhändler Deutschland und Europa. Besonders erträglich war der Verkauf von Sensen. Dabei zog man wohl den einen oder anderen Kunden über den Tisch. Denn heute ist der »Hampelkniffer«, der betrügerische Sensenhändler, in der Region immer noch ein verbreitetes Schimpfwort.

Winterberg besitzt alle gastronomischen Einrichtungen eines modernen Fremdenverkehrsortes, und die sonnigen Straßencafés wirken äußerst verlockend. So kann es durchaus eine Weile dauern, bis wir weiterfahren und uns auf der B 236 Richtung Hallenberg halten. Kurvenreich geht es auf der gut ausgebauten Bundesstraße talwärts.

In Züschen zweigt die Tour rechts Richtung Bad Berleburg ab. Was nun folgt, lässt sich am besten mit den Worten Fahren und Genießen beschreiben. Rund 25 Kilometer lang geht es durch die für das Hochsauerland so typische Wald- und Wiesenlandschaft. Landschaftsgenuss mit integriertem Fahrvergnügen. Vor unserem Vorderrad spielen sich wahre Kurvenorgien ab. Wir durchqueren Mollseifen und kurz darauf Girkhausen. Erst auf der B 480 geht es wieder einmal für ein längeres Stück geradeaus. Schnell erreichen wir Bad Berleburg, wo wir uns mit einem Fußmarsch hinauf zur Residenz der Familie Sayn-Wittgenstein die Füße vertreten können.

Ein Stück hinter Bad Berleburg verlassen wir die B 480 und nehmen den Ort Berghausen ins Visier. Danach erreichen wir Raumland Bahnhof, wo wir uns nach rechts Richtung Kirchhundem orientieren. Wieder nimmt uns die Berglandschaft des Rothaargebirges auf. Eng schmiegt sich die Eder an die Straße. Kurve an Kurve. Langsam rollen wir durch das lang gestreckte Straßendorf Aue. Die Fahrbahn wird nun holperiger und nimmt sich die Hohe Hessel vor. Dieser Bergrücken teilt das Wasser des Rothaargebirges in zwei Hälften. Westlich fließen alle Bäche in den Rhein, östlich münden sie in die Weser. Der Rhein-Weser-Turm markiert schon von weitem sichtbar diesen Punkt. Die Aussichtsplattform und das Café sind ein idealer Ort, um ein paar Liter frische Luft zu tanken und sich mental auf die kommenden Kehren vorzubereiten.

Denn nun stürzt sich diese Straße in anspruchsvollen Haarnadelkurven ins Tal. Dabei schießt sie ein Dauerfeuer der Schräglagen auf uns ab. Die fünf Kilometer hinab nach Oberhundem sind eine Strecke, auf der man sich schwindelig fahren kann. Unten angelangt, fahren wir an den hübschen Fachwerkhäusern des Ortes vorbei, halten uns links und passieren das aus dem Jahr 1677 stammende Wasserschloss Adolfsburg. Nächstes Ziel ist Kirchhundem. Das Städtchen, dessen Erscheinungsbild von gepflegten Fachwerkhäusern bestimmt wird, ist Hauptort einer aus 30 Ortschaften bestehenden Großgemeinde.

Wir biegen rechts ab auf die B 517. Die letzten Kilometer dieser Tour liegen nun vor uns. Wir folgen der Bundesstraße ein Stück in Richtung Lennestadt, bis uns die Schilder den Weg nach Schmallenberg und Winterberg weisen. Die B 236 folgt dem Lauf des Flüsschens Lenne in sanften Bögen. Die Maschine schneidet durch die gut einsehbaren Kurven wie das Messer durch die Butter.

Schmallenberg kommt in Sicht. Ein weiteres Prachtexemplar aus dem fast unerschöpflichen sauerländer Vorrat an Fachwerkstädtchen. Keines der Häuser Schmallenbergs ist älter als 180 Jahre, denn im Jahr 1822 brannte der Ort vollkommen ab. Seinen Namen hat Schmallenberg von der alten Schmalenburg, die leider schon im 13. Jahrhundert zerstört wurde.Das Stadtbild wird von zwei parallelen Hauptstraßen aus dem 19. Jahrhundert geprägt. Ganz in der Nähe stehen zwei Einrichtungen, in denen Kindheitserinnerungen wach werden können: Das Puppenmuseum in der Oststraße und das Spielzeugmuseum in der Weststraße. Öffnungszeiten jeweils mittwochs, freitags und sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr und samstags von 11.00 bis 17.00 Uhr.

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