Anzahl der Aufrufe: 3056 Das Dach Österreichs Österreich · Salzburger Land
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Tour erstellt am 23.04.2010
Informationen zur Tour
Auf der Felbertauernstraße und der Großglockner Hochalpenstraße durch die Hohen Tauern.
Wenn es um die höchsten Berge der Ostalpen geht, steht Österreich an der Spitze. Silvretta, Ötztaler und Stubaier Alpen, Tuxer und Zillertaler Alpen – hier reihen sich die Dreitausender nur so aneinander. Die absolute Spitze, das Dach Österreichs, liegt jedoch in den Hohen Tauern.
Wenn es um die höchsten Berge der Ostalpen geht, steht Österreich an der Spitze. Silvretta, Ötztaler und Stubaier Alpen, Tuxer und Zillertaler Alpen – hier reihen sich die Dreitausender nur so aneinander. Die absolute Spitze, das Dach Österreichs, liegt jedoch in den Hohen Tauern.
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Rot: Partnerhäuser in der NäheHier zwischen Zell am See im Norden und Lienz im Süden ragt mit dem 3.797 Meter hohen Großglockner der mächtigste Gipfel der Alpenrepublik in den Himmel. Eine Motorradtour durch die Hohen Tauern wird daher – man ahnt es schon – zur Hochgebirgsrunde der allerfeinsten Art. Die Großglockner Hochalpenstraße und die Felbertauernstraße versprechen Kurvenspaß bis in 2.500 Meter Höhe, während Städte wie Zell am See und Lienz mit milden Temperaturen locken.
Von Mittersill aus geht es die ersten Kilometer auf der Bundesstraße Nummer 168 in Richtung Zell am See. Breiter Asphalt führt in lang gezogenen Bögen am Grund eines Tales entlang, das den Namen Pinzgau trägt. Eine Etappe zum Entspannen. Die Augen gleiten von den links aufragenden Kitzbüheler Alpen hinüber zu den weiß blitzenden Gletschern der Großvenediger- und Großglockner-Gruppe. Bergdörfer und einzelne Almen kleben an den Talhängen und unterbrechen deren grüne Decke mit bunten Klecksen.
Hinter Piesendorf wartet der Abzweig nach Zell am See, und ein paar Minuten später rollen die Räder der Maschine an der Uferpromenade des Urlauberstädtchens entlang. Einmal rund um den Zeller See ist die Devise. Wegen des sehr schönen Panoramas auf das Wasser und die dahinter emporragenden Bergspitzen.
In Bruck ist dann bereits die Großglockner Hochalpenstraße ausgeschildert. Man überquert die Bundesstraße und merkt sofort: Hoppla, jetzt wirds ernst. Blitzartig verengt sich das Tal und zeigt weiter hinten schon einmal die ersten Gletscherfelder. Entspanntes Gleiten im milden Pinzgau ade, ab sofort ruft der Berg. Und zwar der hochalpine. Immer näher rücken die Talflanken zusammen. Eng, schmal und holperig folgt das Sträßchen der Fuscher Ache. Kurvengeschlängel – dieser oft überstrapazierte Ausdruck trifft hier voll ins Schwarze.
Wir passieren den Ort Fusch mit seinen zahlreichen Straßencafés. Letzte Gelegenheit für einen stärkenden Schluck. Ab Fusch nimmt sich die Hochalpenstraße nämlich den nördlichen Teil der Hohen Tauern vor, die so genannte Großglockner Gruppe. Das tut sie, indem sie eine Kurve an die andere reiht. Steil geht es den Berg hinauf, gerade Abschnitte haben aufgehört zu existieren. Die Fahrbahn ist übersichtlich und lässt Raum für Schräglagen. Der Belag – na ja. Geht so. Viele Teerflicken, die Federung hat ordentlich zu tun.
Einige Kilometer weiter taucht die Mautstation auf. Nicht gerade ein Taschengeld. Aber jeder Euro ist es wert, dass man ihn bezahlt. Diese unglaubliche Dichte von Natur- und Fahrerlebnis findet man nirgendwo anders als auf der Großglocknerstraße. 1924 gab es einen ersten Versuch, an dieser Stelle die Alpen zu überqueren. Er scheiterte jedoch am Geld. 1929 war es schließlich soweit: Die Bundesregierung gab grünes Licht für den Bau des ehrgeizigen Projektes. Einer der Gedanken war, während der damals wütenden Wirtschaftskrise Arbeitsplätze zu schaffen. Die Baukosten wurden von Land und Bund vorgestreckt und sollten durch die Maut wieder hereinfließen. Eine damals neue Art der Finanzierung, die sich jedoch bestens bewährte.
Wer ein Wohnmobil oder eine bummelnde Familienkutsche vor sich hat, sollte den ersten Kilometer nach der Maustelle zum Überholen nutzen. Weiter oben wird das nämlich immer schwieriger. Kurve reiht sich an Kurve, und die Fahrbahn ist so schmal wie ein Handtuch. Außerdem herrscht am Großglockner während der Ferienzeit praktisch Dauerverkehr. Idealerweise sucht man sich für die Tour einen ruhigen Tag während der Woche aus.
Insgesamt 14 durchnumerierte Kehren verbinden das Fuscher Tal mit dem Großglockner-Sattel. Alle haben einen Landschaftsnamen, und zwischen ihnen liegen jede Menge Biegungen. Mal weit, mal eng. Die Folge: Wenn vorn alles frei ist, gehört die Großglockner-Nordrampe zum Feinsten, was der Motorradfahrer in Österreich unter die Räder bekommen kann.
Die erste Aussichtsplattform heißt Piffkar, und man sollte nicht einfach daran vorbeirauschen. Auch am Hochmais-Parkplatz nicht. Denn von beiden Punkten aus zeigt sich ein ausgezeichneter Blick auf den mächtigen Gletscher des Großen Wiesbachhorns. Die verschiedenen Vegetationsstufen laufen durch, und irgendwann zeigt sich nur noch der kahle Fels. Auf 2.405 Höhenmetern hat der Aufstieg am Fuscher Törl erst mal ein Ende. Die gemütliche Jausenstation dort kann man für die erste Pause wärmstens empfehlen. Sehr gut schmecken z. B. die Leberknödelsuppe und die Süßspeisen.
Am Fuscher Törl startet ein Abstecher zur Edelweißspitze, des mit 2.577 Metern höchsten Punktes der Großglocknerstraße. Dieser Aufstieg ist etwas für Spezialisten. Kurz, aber heftig. Eine Handvoll Serpentinen, spitzer als spitz. Einige überhängend. Zur Krönung findet das Ganze auch noch auf Kopfsteinpflaster statt. Doch der Lohn der Angst ist ein gigantischer Ausblick auf sämtliche Riesen der Hohen Tauern.
Ab dem Fuscher Törl tut sich in Sachen Höhenmeter nicht viel. Das Sträßchen tastet die Konturen des Berges ab. Macht ab und zu einen gewagten Schlenker und seilt sich schließlich zum Hochtor hinauf. Ein Tunnel bringt uns hier unter dem Hochtor-Sattel hindurch. Dann folgt ein kehrenreiches Bergabstück, bis an einer Kreuzung die Stichstraße zur Franz-Josefs-Höhe abzweigt.
Wer hier weiterfährt, ist selbst schuld. Denn dieser Umweg lohnt sich nicht nur wegen der rund fünf Kilometer langen Kurvenstrecke. Oder wegen der Serpentinen am Schluss. In erster Linie ist es der Anblick der Pasterze, der einen diese Stippvisite so schnell nicht vergessen läßt. Dieser mächtige Gletscher breitet sich direkt vor dem Aussichtsparkplatz aus und ist begehbar. Wie kleine Käfer sehen die auf den schmutziggrauen Eisfeldern herumkrabbelnden Wanderer aus. Also hier unbedingt eine Weile anhalten und den Blick auf die Eiszeit genießen. Für uns Motorradfahrer wartet übrigens am oberen Ende des großen Parkplatzes eine reservierte Fläche.
Der Abstieg hinab nach Heiligenblut (1.201 Meter) fällt fahrerisch nicht mehr ganz so spektakulär aus wie die Auffahrt, da nun wesentlich weniger Höhenmeter zu überwinden sind. Dennoch sorgt auch dieses Teilstück mit seinem ordentlichen Belag und seinen vielen Kehren für zufriedene Gesichter unter dem Motorradhelm. Zwei Dinge machen Heiligenblut interessant: Der Blick von oben auf den Ort und ein in der St. Vinzenz-Kirche aufbewahrtes Fläschchen mit einer geheimnisvollen Flüssigkeit. Der Legende nach soll es sich dabei um das Blut Christi handeln. Ob etwas dran ist oder nicht – letztendlich verhalf es dem Dorf zu seinem Namen.
Mit Heiligenblut ist das Mölltal erreicht. Eine gut ausgebaute Straße durchzieht es in sanften Bögen und gewährt Gas- und Kupplungshand nach der anstrengenden Großglocknerüberquerung etwas Ruhe. Wir rollen durch nette Bergdörfer und erreichen schließlich Winklern. Der Abzweig am Ortseingang setzt uns auf eine Berg- und Talbahn, die uns nach Lienz bringen soll. Erst ein paar Serpentinen nach oben, dann über den Iselsberg rüber und schließlich in einigen satten Spitzkehren hinab nach Lienz.
Über der Bezirkshauptstadt Osttirols mit ihren 13.000 Bürgern weht ein mediterraner Wind. Das Herz der Stadt, der von Cafés gesäumte Hauptplatz, könnte ebenso gut irgendwo in Italien stehen. Kein Wunder - Südtirol ist nur ein Katzensprung entfernt. Auch das milde Klima dieser Region trägt seinen Teil zum leichten Lienzer Leben bei: Lienz gehört zu den österreichischen Orten mit den meisten Sonnenstunden.
In Lienz beginnt die Felbertauernstraße. 1967 fertiggestellt, verbindet sie auf einer Länge von 65 Kilometern das Drau- mit dem Salzachtal. Davor konnte der Felbertauern nur mit großer Mühe überwunden werden. Lasttiere mussten auf gefährlichen Pfaden das Salz von Norden nach Süden und Wein sowie Gewürze in umgekehrter Richtung transportieren. Am oberen Ende der Täler standen Herbergen, Tauernhäuser genannt. Einige von ihnen wie das Matreier Haus existieren heute noch.
Die Felbertauernstraße ist in Lienz ausgeschildert und leicht zu finden. Breit und mit einem perfekten Belag versehen, macht sie das Motorradfahren zum Genuss. Lässig legt sich das Bike in die lang gezogenen Kurven. Die Besatzung kann derweil in aller Ruhe die Panoramen der Schober-Gruppe auf der rechten Seite und des Defereggengebirges auf der linken Seite anschauen. Unterhalb der Straße gluckst das Flüsschen Isel – alles in allem ein richtiges Paradies.
Wie eine Säge frisst sich die Felbertauernstraße in das Gebirge hinein. Immer enger wird das Tal, immer steiler seine Flanken. Tunnels und Galerien schützen die Fahrbahn vor Steinschlag und Lawinen. Matrei, das 4.000-Seelen-Dorf am Eingang zum Virgental, kommt für eine kurze Rast gerade recht. Man trinkt hier seine Cola übrigens auf geschichtsträchtigem Boden. Schon die Römer siedelten hier, später kamen die Slawen, dann die Bayern.
Hinter Matrei zwängt sich die Route durch die Proseggklamm, ein Stück weiter tauchen die Mautstelle und der Felbertauern-Tunnel auf. In 1.650 Meter Höhe gelegen, durchstößt er den Berg wie mit dem Lineal gezogen. Er ist fünf Kilometer lang und wird von vier gewaltigen Gebläsen beatmet. Die verrichten ihre Arbeit sehr gut, denn die Luft im Tunnel ist viel besser als in den meisten anderen Alpenröhren.
Die nördliche Trasse der Felbertauernstraße verläuft ähnlich geschmeidig wie die südliche. Weite Kurven, erstklassiger Belag, genüßliche Schräglagen. Schon bald sehen wir unten im Tal die Salzach fließen, und kurz darauf schließt sich in Mittersill der Kreis dieser Tour.
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