Anzahl der Aufrufe: 17623 Deutsche Alpenstraße Deutschland · Oberbayern


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Sie ist rund 400 Kilometer lang und reicht von Lindau bis Berchtesgaden, vom Bodensee bis zur österreichischen Grenze bei Salzburg. 1927 wurde die Deutsche Alpenstraße geplant und in den Folgejahren fertiggestellt. Aber nur zum Teil. Denn heute fehlen immer noch einige Etappen wie zum Beispiel zwischen Füssen und Garmisch-Partenkirchen. Ob diese Stücke jemals eingesetzt werden? Wohl kaum. Denn anders als in den 20er-Jahren existiert mittlerweile sehr wohl eine durchgehende Straßenverbindung. Nur eben nicht immer unter dem offiziellen Logo der Alpenstraße.

Die Route wurde geplant, um der noch jungen Automobil-Generation die klassischen Panoramen der deutschen Alpen zu zeigen. Deshalb legte man die Strecke so, dass sie auch tatsächlich die schönsten und typischsten Ecken der teutonischen Berge streifte. Der heutige Alpenstraßenfahrer kann sich also sicher sein, dass er keines der Highlights verpasst. Ob Gipfelpanoramen, Schlösser oder Passstrecken - die Deutsche Alpenstraße vereinigt alles, was Rang und Namen hat.


Startort ist Lindau. Die hübsche Inselstadt am Bodensee hat auf den ersten Blick kaum etwas mit dem Begriff Alpen zu tun. Aber von wegen. Sobald man Lindau hinter sich gelassen hat, dauert es keine Viertelstunde, bis sich die Maschine in die ersten Serpentinen legt. Auf gut ausgebautem Asphalt geht es flott bergauf, bis das 400 Meter hoch über dem Bodensee gelegene Scheidegg erreicht ist. Das Panorama, das sich auf den nun folgenden Kilometern bietet, gehört zu den beeindruckendsten der gesamten Alpenstraße. Im Norden die sanften Hügel der Voralpenregion, im Süden die mächtigen Gipfel des Bregenzer Waldes. Bis Oberstaufen dauert diese Sightseeing-Fahrt. Drei Kilometer vorher ein Abstecher hinauf zu dem Aussichtsparkplatz Paradies, dann rollen die Räder durch den 800 Meter hoch liegenden Schroth-Kurort Oberstaufen.

Immer noch auf breitem, gepflegtem Asphalt geht es weiter in Richtung Immenstadt. Die Bögen sind rund und gleichmäßig, die Radien fallen groß aus. Viel Gelegenheit, sich umzuschauen. Immenstadt taucht auf. Die Stadt, die nach einem verheerenden Großbrand im Jahr 1844 völlig neu aufgebaut werden musste. Entsprechend wenig alte Bausubstanz ist heute zu sehen. Übrigens: Wenn ein Einheimischer vom Mittag spricht, meint er den 1.450 Meter hohen Hausberg Immenstadts.

Auch Sonthofen, etwas südlich von Immenstadt im Illertal gelegen, hat eine herbe Vergangenheit. Was allerdings daran liegt, dass das Städtchen schon immer mit Garnisonen belegt war. Im Zweiten Weltkrieg waren es die hier stationierten Gebirgsjäger, die die Aufmerksamkeit der Amerikaner auf sich zogen. Die US-Luftwaffe belegte daraufhin Sonthofen im Jahr 1945 mit einem alles vernichtenden Bombenhagel.

Nach Sonthofen folgen erst noch ein paar behäbige Straßenkilometer bis Hindelang. Dann aber geht es rund: Die Oberjochstraße wartet. Irgendjemand machte sich einmal die Mühe und bekam heraus, dass sich auf einer Strecke von sechs Kilometern über 100 Kehren, Kurven und Serpentinen drängen. Motorradspaß? Welche Frage. Einziger Haken an der Geschichte ist das für die gesamte Distanz geltende Überholverbot. Also genau schauen, wen man vor sich hat.

Das Ziel der Kurvenorgie, der Oberjochpass, ist 1.178 Meter hoch und bildet damit den höchsten Punkt der Deutschen Alpenstraße. Man fährt nun wieder zurück und zweigt im Ort Oberjoch nach rechts in Richtung Wertach ab. Die sehr schön ausgebaute Fahrbahn mit ihren lang gezogenen Kurven bringt nach dem Oberjoch-Abenteuer exakt die richtige Portion Erholung. Wertach, sein Hausberg Grünten und der idyllische Grüntensee kommen in Sicht. Gibt es in Wertach selbst nicht allzu viel zu sehen, macht der kleine Grüntensee ganz nett was her. Er entstand im Jahr 1960, als der Fluss Wertach zur Energiegewinnung aufgestaut wurde.

Über Reichenbach erreichen wir den hübschen Ort Nesselwang. Der klassische Nesselwang-Blick bietet sich oben, kurz vor den in den Ort hinabführenden Serpentinen. Dicht an dicht liegen die roten Ziegeldächer vor uns, während im Hintergrund die Allgäuer Alpen in den Himmel ragen.

Eine Landstraße mit leicht gekrümmter Streckenführung bringt uns zum Sommer- und Wintersportzentrum Pfronten. Dann geht es weiter nach Füssen, in die Stadt, die so unglaublich malerisch am Fuße der Ammergauer Alpen liegt. Allein schon wegen der hübschen Fußgängerzone, des Hohen Schlosses und der vielen topp restaurierten Barockfassaden ist ein Stopp in Füssen ein Muss. Wenige Kilometer außerhalb stehen die beiden nächsten Gründe für einen Füssen-Aufenthalt: Die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Bereits von der Straße aus bietet sich ein herrlicher Fotoblick auf Neuschwanstein. Wer Lust auf einen Besuch der Schlösser von König Ludwig II. hat, sollte sich morgens frühzeitig auf den Weg machen. Der Andrang ist enorm.

Hinter Füssen ist mit der offiziellen Alpenstraße zunächst Schluss. Geplant war einmal eine direkte Verbindung durch die Ammergauer Alpen nach Schloss Linderhof. Doch ließen finanzielle Probleme und Proteste von Umweltschützern das Projekt scheitern. So nimmt man am besten den Umweg nach Reutte, um von dort aus über den Ammersattel in das Tal des Flüsschens Lindergries zu gelangen. Dabei kommt man auf einer idyllischen Route am Plansee vorbei.

Im Griestal warten zwei optische Glanzlichter der Deutschen Alpenstraße: Schloss Linderhof und Kloster Ettal. Linderhof mit seinem herrlichen Park ist das einzige Schloss von Ludwig II., das jemals fertiggestellt und bewohnt wurde. Ein Stück weiter steht die prachtvolle Anlage des Klosters Ettal. Es wurde 1330 von Kaiser Ludwig dem Bayern nach glücklicher Rückkehr aus Italien gegründet. Für den neuzeitlichen Reisenden sind in erster Line wohl das von den Mönchen selbst gebraute Bier sowie ihr ausgezeichneter Kräuterlikör von Interesse.

Nach einer engen Schlucht öffnet sich die Landschaft, und es geht auf breitem Asphalt nach Garmisch-Partenkirchen hinein. Der 1935 vereinigte Doppelort war ein Jahr später Schauplatz der Olympischen Winterspiele und besitzt seither ein sehenswertes Sportstadion mit Skisprungschanzen. Der Garmischer Eyecatcher ist jedoch ganz klar der Blick auf Deutschlands höchsten Berg - die Zugspitze.

Nach einem kurzen Abstecher nach Mittenwald (wegen des Karwendel-Panoramas) erreichen wir den Höhenluftkurort Wallgau. Seinen Namen verdankt er den vielen Siedlern romanischer Abstammung, Welschen genannt, die sich hier niederließen. Hinter Wallgau wird aus der mächtigen Deutschen Alpenstraße ein klitzekleines und super enges Forststräßchen. 14 Kilometer lang zirkelt der holperige Asphalt durch einen Wald und lässt immer wieder tolle Blicke auf die linker Hand fließende Isar zu. In Vorderriss bekommt die Maschine wieder ordentlichen Asphalt unter die Räder und legt sich dankbar in die Kurven entlang des Sylvenstein-Stausees.

1959 angelegt, dient der See der Stromerzeugung und soll gleichzeitig die Hochwassergefahr entlang der Isar bannen. Randvoll gefüllt, ist der See über 40 Meter tief. Keine Chance, den Ort Fall zu sehen, der bei Flutung des Speichers für immer verschwand. Der Jäger von der Fall? Diese Romanfigur Ludwig Ganghofers tauchte seither ebenfalls nicht mehr auf.

Entlang des Achenbaches, des Grenzbaches zwischen Deutschland und Österreich, geht es nun vorbei an der alten Zollstation Kaiserwacht hinauf zum Achenpass. Der liegt eher unspektakulär mitten im Wald, und so setzen wir die Fahrt fort und landen schließlich am Ufer des Tegernsees. Die Alpenstraße umkurvt den See rechts herum. Und das ist richtig. Denn diese Seite ist bei weitem die schönere. In den Ortschaften Rottach-Egern, Tegernsee und Gmund reiht sich ein Café ans andere, die Ausblicke von den Terrassen und Biergärten sind einmalig: Vorn das grünblaue Wasser, dahinter die Gipfel des Mangfallgebirges. Auch die Straße, die ein Stück vor Gmund nach rechts in Richtung Schliersee abbiegt, zeigt so manche wunderschöne Aussicht. Bauernsee heißt der Schliersee im Volksmund, während der Tegernsee gerne als Herrensee bezeichnet wird. Der Grund: Am Schliersee geht es viel ruhiger und gelassener zu als am Tegernsee. Es gibt nicht wenige Liebhaber des bayerischen Alpenvorlandes, für die der Schliersee der eigentliche Tophit ist. Als Abstecher empfiehlt sich die Fahrt zum sechs Kilometer entfernten Spitzingsee. An seinem Ufer lässt sich eine romantische Pause einlegen.

Bis Bayrischzell folgen weite Radien auf sehr gutem Asphalt. Entspannt im Sattel sitzend, kann man so in vollen Zügen den Blick auf den 1.838 Meter hohen Wendelstein genießen. Dann heißt es: Knie an den Tank, Lenker fest in die Hand. Die Kehren hinauf zum Sudelfeld warten. Das Skigebiet liegt in 1.097 Metern Höhe und hält weite Aussichten auf die Schlierseer Berge und die Alpenstraße bereit.

Auf kurviger Landstraße geht es nun weiter durch relativ flaches Land, bis in Frasdorf die Autobahn erreicht ist. Die offizielle Alpenstraße klinkt sich hier für eine kurze Etappe in die A 8 ein. Langweilig? Allerdings. Deshalb sollte man besser die Landstraße nach Aschau nehmen, um in Bernau wieder auf die Originalroute zu treffen. Der kleine Ort blickt auf eine lange Ferientradition zurück. Schon die Römer hatten hier eine Erholungsanlage gebaut. Über Grassau erreichen wir auf einer nun wieder kurviger werdenden Strecke den Fremdenverkehrsort Reit im Winkl. Bekannt geworden durch seine Mitbürgerin und Olympiasiegerin Rosi Mittermaier, hat sich Reit im Winkl in den letzten 20 Jahren zu einer Hochburg des oberbayerischen Tourismus entwickelt. Kein Wunder, liegt der Ort doch in einem reizenden, von Bergen eingerahmten Talkessel.

Als griffige, kurvenreiche und nicht allzu breite Strecke durchquert die Bundesstraße 305 nun das Naturschutzgebiet der Chiemgauer Berge. Malerische Seen liegen links und rechts im Wald, hier lässt sich Natur pur inhalieren. Kurz vor Ruhpolding zweigt die Alpenstraße nach rechts weg, erreicht Inzell und erklimmt in lang gezogenen Kehren den 868 Meter hohen Schwarzbachwacht-Sattel. Ab hier präsentiert sich dem Alpenstraßen-Fahrer ein letzter optischer Leckerbissen: Das Berchtesgaden-Panorama. Umgeben von berühmten Gipfeln wie dem Watzmann, dem Jenner und dem Kehlstein, präsentiert sich die alte Salz-Stadt inmitten eines idyllischen Tales von ihrer schönsten Seite. Egal wo man fährt - ständig begleitet einen dieser Blick. Ein passendes Ende der Alpenstraße.

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