Anzahl der Aufrufe: 3077 Dicht am Wasser Deutschland · Eifel


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Er nennt sich Rur-Eifel. Der zwischen Nideggen und Monschau gelegene nördlichste Zipfel der Eifel. Als Taufpate fungiert ein romantisches Flüsschen namens Rur, das sich in unzähligen Schleifen durch die gesamte Region windet. Da es in der Nordeifel immer ordentlich regnet, führt die Rur das ganze Jahr über so viel Wasser, dass man sie zum Rur-Stausee staute, dem nach der im Sauerland gelegenen Dhünn-Talsperre zweitgrößten Stausee Deutschlands.

Der Rur-Speicher ist gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt dieser Tour. Denn immer wieder verlässt die Route die Eifel-Hochebenen und stürzt sich in tollen Serpentinen auf das Seeufer. Damit wird die Runde durch die Rur-Eifel zu einem der Highlights unter den Eifel-Touren: Kurven satt, gemischt mit herrlichen Fernsichten und reizenden Fachwerkstädtchen.

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Rot: Partnerhäuser in der Nähe



Den Startort Heimbach erreicht man am schnellsten auf der Bundesstraße 265 über Erftstadt und Zülpich. In Vlatten rechts ab, ein paar nette Kehren, dann rollt man den Berg hinab direkt nach Heimbach hinein. Der bunte Ort mit seiner von Fachwerkhäusern gesäumten Hauptstraße wird durch die Burg Hengebach beherrscht. Weithin sichtbar thront sie auf einem Hügel in der Ortsmitte. Sie beherbergt im Innenhof ein Café. Direkt an der Hauptstraße hingegen stehen die Stühle des Eifeler Hofs. Das rot gestrichene Fachwerkhaus ist nicht zu übersehen. Wer also vor dem Start noch Lust auf ein Käffchen verspürt, hat in Heimbach die Auswahl.

Am Kreisverkehr im Ort folgen wir der Beschilderung Rur-Stausee/Schmidt bis zum Ortsteil Hasenfeld. Bei Rolly’s Bikertreff führt ein Abstecher zum idyllisch gelegenen Wasserkraftwerk Hengebach hinab (Wegweiser RWE Industriemuseum). Die Anlage wurde seinerzeit im Jugendstil gebaut und gleicht eher einer goßen Villa als einem Kraftwerk. Wer es ganz genau wissen will: Die RWE als Eignerin bietet kostenlose Führungen durch das technisch und historisch interessante Werk an (Montag – Freitag 14.30 Uhr, Sa. u. So. 14.00 Uhr). Ansonsten lässt man sich einfach direkt am Wasser auf einer Bank nieder und genießt dieses ruhige Fleckchen Erde.

Wieder zurück auf der Hauptroute, geht es durch einige Kehren hoch zu einem Abzweig. Hier biegen wir nicht nach Schmidt ab, sondern folgen dem Schild Rur-Stausee. Eine kurze Rundfahrt folgt. Einmal um Heimbach herum. Wegen des schönen Panoramas auf den See, vor allem aber wegen der traumhaften Kurven. In Schwammenauel überquert die Straße das Wasser. Weit reicht der Blick nach rechts über den Stausee. Dann folgen zwei knackige Serpentinen den Berg hinauf. Zwar durch Tempo 50 und Überholverbot entschärft, aber dennoch mit viel Genuss und noch mehr Schräglage zu durchfahren. Oben geht es in vielen kleinen Bögen durch einen dichten Wald bis zum Abzweig nach Heimbach. Die imposante, weiß getünchte Abtei Mariawald zieht linker Hand vorbei. Die Mönche dort servieren übrigens eine erstklassige Erbsensuppe und verkaufen selbst gebrannten Kräuterschnaps. Dann folgen mehrere Kehren hinab nach Heimbach.

Wieder an der Kreuzung bei Hasenfeld angelangt, nehmen wir diesmal Kurs auf Schmidt. Und landen auf einem tiptop ausgebauten Sträßchen, das in zig Serpentinen die Höhen nördlich des Rur-Stausees erklimmt. Griffiger Asphalt, gute Übersicht – das macht Laune. In Schmidt geht es weiter in Richtung Nideggen. Wir rollen auf einem Kamm entlang und bekommen erstklassige Ausblicke nach links und rechts auf die Eifelhöhen serviert. Viel Wald, viele Kuppen und Täler, dazwischen Kuhweiden und Rapsfelder – ganz typisch Eifel. Deutlich sind die vielen tiefen Einschnitte zu erkennen. Sie geben diesem Mittelgebirge seinen zerklüfteten Charakter und uns Motorradfahrern eine Menge äußerst kurvenreicher Straßen.

In runden, blitzsauberen Kehren geht es nach Nideggen hinab. Die Burg, das Wahrzeichen der alten Herzogstadt, thront weithin sichtbar auf einem Buntsandsteinfelsen. Im Mittelalter residierten hier die Herzöge von Jülich. Die waren so expansionsfreudig, dass sie sich mit dem Kölner Bischof anlegten und sogar Aachen angriffen. Kaiser Karl IV. machte diesem Drängen schließlich ein Ende, indem er Truppen schickte und Nideggen samt Burg in ein rauchendes Trümmerfeld verwandelte. Immer wieder war Nideggen auch später Schauplatz erbitterter Kämpfe. Zuletzt während des Zweiten Weltkrieges. Heute besitzen die Nidegger jedoch wieder eine vorzeigenswerte Altstadt. In die sich auf alle Fälle ein Abstecher lohnt. Dazu folgen wir am Kreisverkehr im Ortsteil Brück dem Schild Nideggen, nehmen eine Handvoll Serpentinen unter die Räder und rollen schließlich unter einem roten Sandsteintor hindurch in das historische Zentrum hinein.

Zurück am Kreisverkehr, halten wir uns Richtung Hürtgenwald und verlassen auf vielfach gekrümmter Fahrbahn das Rurtal. Einige gepflegte Schräglagen bergauf, dann liegt der Hürtgenwald vor uns. Dieses weite, bis nach Aachen reichende Waldgebiet erlangte gegen Ende des Krieges traurige Berühmtheit. Über 70.000 Soldaten beider Seiten starben bei dem Versuch der Amerikaner, den deutschen Armeen den Rest zu geben. Zwei Soldatenfriedhöfe bilden heute ein Mahnmal gegen diesen Wahnsinn.

In Kleinhau klinken wir uns nach links ein kurzes Stück auf die B 399 ein, bevor am Ortseingang von Vossenack ein Sträßchen links in Richtung Schmidt abzweigt. Eine regelrechte Achterbahn, die da auf griffigem Asphalt den Berg hinabzirkelt. Das Schild mit dem Tempo-50-Limit hat nur theoretischen Wert, da man ohnehin kaum schneller fahren kann. Einige Kreuzungen folgen. Wichtig: Immer dem Schild Monschau nachfahren.

In Strauch am Motorradtreff Biker Ranch rechts ab in Richtung Aachen und Düren, gleich darauf in Rollesbroich wieder scharf rechts dem Schild Hürtgenwald folgen. Auf einer Bergkuppe geht es nun durch weites Weideland. Bis zum Horizont nur Wiesen, Zäune und Kühe. Und Hecken. Als natürliche Barrieren gegen Wind und ausbüchsende Rindviecher säumen sie die Straße wie grüne Leitplanken. Jetzt aber die Augen wieder auf die Fahrbahn: Ein paar wie mit dem Zirkel gezogene Bögen werfen sich steil ins Tal hinab. Und am Talboden mitten in einer Rechtskurve steht ein unscheinbarer Wegweiser: Simonskall. Weiße Tafel, schwarze Schrift. Was folgt ist ein Traum von einer Naturstrecke. Schmale, raue Fahrbahn. Dichter Wald, ein gurgelnder Bach. Die knapp aufeinanderfolgenden Kurven sollte man gelassen angehen, da sie so gut wie nicht einzusehen sind. Das Motto lautet: Sich einfach Zeit lassen und die Umgebung genießen. Obwohl es gewaltig in der Gashand juckt. In Simonskall lädt das Waldhotel Im Wiesengrund zum Pausenstopp ein, bevor uns eine Handvoll Kehren wieder den Berg hinauf zur Bundesstraße bringt.

Wir folgen ihr nach links in Richtung Monschau. Eine ruhige Etappe. Sanfte Bögen, breite Fahrbahn. Der vierte und fünfte Gang melden sich zurück. Fahrer und Beifahrer dürfen entspannt das Panorama über die dunkel- und hellgrün gemusterten Eifelhügel bewundern. Die belgische Grenze ist nicht mehr weit. Hautes Fagnes, zu Deutsch: Hohes Venn, nennen die Belgier diesen Teil der Eifel. Sein Kennzeichen: Die weiten Hochmoore, die man links und rechts der Straße gut erkennen kann. Sie entstanden im Laufe der Jahrhunderte durch die hohe Niederschlagsmenge in dieser Region, die bis zu 1.200 Millimeter pro Jahr betragen kann. Heute ist der Großteil der Moore Naturschutzgebiet und darf nur auf Wanderwegen betreten werden.

In Lammersdorf folgen wir ein kurzes Stück der Ausschilderung Aachen, um an der nächsten Kreuzung den Abzweig nach Monschau zu nehmen. Wir passieren einen Ort mit dem sehr rheinischen Namen Imgenbroich und kurven schließlich hinab zum wohl schönsten Städtchen der Eifel: Monschau. Monschau hat zwei Einfahrten. Man nimmt am besten gleich die erste am Kreisverkehr und ist schon nach ein paar hundert Metern mittendrin in der malerischen Altstadt. Das Anlieger-frei-Schild wird üblicherweise großzügig ausgelegt. Solange man im Schritttempo durch die Gassen bummelt, hat niemand etwas dagegen. Außerdem sind Café-Besucher tatsächlich Anlieger. Und ein Päuschen mit Kaffee und Printen ist in Monschau ein absolutes Muss. Die Einbahnstraßen geben die Richtung vor, und mitten im Ort tut sich nach der Rurbrücke ein herrlicher Platz, der Markt, auf. Für das Motorrad findet sich immer ein Plätzchen. Dann heißt es Helm ab, Jacke über den Caféstuhl und in vollen Zügen die lebkuchenartigen Printen und die Fachwerkfassaden Monschaus genießen.

Am Kreisverkehr der zweiten Monschau-Einfahrt halten wir uns Richtung Koblenz/Trier. In weiten Kehren verlässt die Route den Ort, um in Höfen wieder die raue Eifelhöhe zu erreichen. Hier oben an der belgischen Grenze pfeift meist ein kalter, während der übrigen Zeit ein saukalter Wind. Und diesem haben wir einen optischen Leckerbissen der besonderen Art zu verdanken: die Windschutzhecken. Mehrere Meter hoch, schützen die dichten Rotbuchenhecken viele Gehöfte vor Sturm. Sie werden sorgsam gepflegt und sind stets akkurat geschnitten. Gerade in Höfen stehen einige der pachtvollsten Exemplare, die man sich unbedingt bei gedrosseltem Tempo genauer anschauen sollte.

Hinter Höfen verlassen wir die B 258 und biegen nach Rohren ab. Zuerst hält sich die Fahrbahn eine Weile auf dem Grat einer Bergkuppe auf. Dann taucht sie in herrlichen Kurven verschiedenen Durchmessers ins Rurtal hinab. Die Reifen beißen fest in den Asphalt, die Federung hat mit den wenigen Unebenheiten keine Probleme. Gleich hinter Widdau scharf rechts, und die Maschine legt sich in die sanften Bögen einer perfekt ausgebauten Straße. Zeit zum Durchatmen. Immer wieder überquert die Fahrbahn die Rur. Auf der einen Seite das schäumende Flüsschen, auf der anderen steile Wände aus dunklem Eifelschiefer. Das Tal verengt sich für kurze Zeit zur Schlucht, um danach einer breiten Flussaue Raum zu geben. Wir passieren Hammer. Der entspannte Streckenverlauf und die ruhige Stimmung wirken sich positiv auf den Pulsschlag aus. Lediglich um Dedenborn herum unterbrechen einige Kehren und Bögen das gelassene Dahingleiten.

An der Kreuzung mit der B 266 halten wir uns links und folgen den Schildern Aachen/Simmerath. Ein paar Kehren bergauf bringen zackige Schräglagen ins Spiel. In Kesternich verlässt unsere Route die Hauptstraße und peilt den Rur-Stausee und den direkt am Wasser liegenden Ort Rurberg an. Phantastische Kehren, griffiger Belag. Leider durch Überholverbot und Tempo 70 verteidigt. Zu dumm. Rurberg lassen wir links liegen, fahren am Abzweig nach Gemünd vorbei zum Obersee und stellen an der rotweißen Schranke die Maschine ab. Wegen des Blicks über den See und wegen der Stimmung.

Nach dem letzten Stopp des Tages rollen wir zurück zum Abzweig nach Gemünd. In einer lockeren Folge von Kurven schwingt die Route nach Einruhr, um sich danach als perfekte Kehren- und Serpentinenstrecke wieder auf die Eifelhöhen davonzumachen. In dem Kneipp-Kurort Gemünd taucht sie kurz ab, gewinnt dann aber in einer Gruppe leckerer Bögen rasch an Höhe. Die letzten Kilometer bis Heimbach sind ein einziges Kurvengewitter. Wie gesagt – die Tour ist ein Eifel-Highlight.

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