Anzahl der Aufrufe: 5411 Die große Runde Italien · Südtirol/Dolomiten


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Kurven und Steigungen satt: Auf rund 95 Kilometern erklimmt die Sella-Ronda, die Runde um den Sella-Stock, sage und schreibe sechs Pässe.

Also mal ganz ehrlich: Sechs ausgewachsene Alpenpässe auf einer Strecke von nur 95 Kilometern - wo gibt es das sonst noch? Nirgends. Eben. Ein solch verdichtetes Fahrerlebnis bieten einfach nur die Dolomiten. Da kommt der Puls kaum zur Ruhe, da kommt man mit dem Kurvenzählen nicht mehr mit, da werden die Bremsscheiben heiß. Sechsmal den Pass rauf und runter, sechsmal ein Maximum an Spitzkehren, aber auch sechsmal phantastische Ausblicke. Glasklare Sache: Die Sella-Runde ist eines der Highlights, wenn nicht sogar der Hit einer Dolomiten-Tour überhaupt.

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Rot: Partnerhäuser in der Nähe



Start in Arabba auf 1.600 Meter Höhe. Knappe zehn Kilometer weiter wartet das Pordoijoch. 2.239 Meter hoch. Ein so enormer Höhenunterschied auf so kurzer Distanz kann nur eines bedeuten: Fun, fun, fun. Wer nach 33 Serpentinen den Pordoisattel erreicht, ahnt, weshalb dieser Pass für Motorradfahrer die Nummer eins in den Dolomiten ist. Fun-Faktor 100 Prozent. Alle Kehren sind rund zu fahren und fast immer schön übersichtlich. Der Belag ist eben und griffig. Nicht zu vergessen die Aussicht: Von der Passhöhe aus bieten sich exzellente Blicke auf den Marmolada-Gletscher und den Sella-Stock.

Auch die 27 Serpentinen hinab ins Fassatal können sich sehen lassen und brauchen sich in puncto Fahrspaß und Fahrbahnqualität nicht vor der Bergauf-Passage zu verstecken. Eine Kreuzung taucht auf, und wir biegen nach rechts zum Sellajoch ab. Im Gegensatz zur sportlichen Pordoi-Besteigung ist die Auffahrt zum 2.214 Meter hohen Sella-Sattel eine eher ruhige Angelegenheit. Sightseeing heißt das Motto. Nicht dass man dabei in der Nase bohren kann. Ganz im Gegenteil. Die vielen blinden Kehren haben es gehörig in sich. Aber so dicht kommt man an den senkrechten Wänden des Sella-Stocks einfach nie mehr vorüber. Also einen Gang runterschalten und diesen einzigartigen Blick steil nach oben genießen.

Droben tut sich ein herrliches Rundum-Panorama mit den Klötzen der Sella, den Zinnen des Langkofels und dem ewigen Eis der Marmolada auf. Einige locker zu fahrende Bögen bringen uns anschließend hinab in Richtung Grödner Tal. Doch bevor der Ort Wolkenstein erreicht ist, zweigt nach rechts der Aufstieg zum Grödner Joch ab. Die Überquerung dieses 2.121 Meter hohen Passes ist eine Härteprüfung für Mensch und Maschine. Ein Test für jedes Fahrwerk. Erstens, weil seine Spitzkehren verdammt spitz sind und zweitens, weil seine Fahrbahn verdammt schlecht ist. Rund ums Grödner Joch muss der Winter anscheinend besonders hart zuschlagen und der Straße jedes Jahr das Fell über die Ohren ziehen.

Wem jetzt übrigens nach einer Pause ist, der sollte sich dafür das Hotel-Restaurant Gérard einige Kehren nach dem Abzweig auf der linken Straßenseite aussuchen. Auf dessen Terrasse wartet das ultimative Cappuccino-Bergpanorama-Erlebnis. Den zum Greifen nahen Sella-Stock betrachten, die Sonne genießen und den Kollegen beim Tanz in den Spitzkehren zuschauen - einen schöneren Rastplatz fanden wir nirgends.

Das relativ einsam gelegene Grödner Joch ist zügig erreicht. Eine erste Serpentinengruppe, ein Stück geradeaus an der Felswand entlang, schließlich eine zweite Serpentinengruppe, und das Passschild ist da. Aussicht? Logisch. Zehn Kilometer lang ist dann der Abstieg hinunter nach Corvara. Zehn Kilometer, die in Arme und Beine gehen. Was sich da an Serpentinen, Kehren und Kurven versammelt hat, ist schon beeindruckend. Die Haarnadelkurven machen ihrem Namen alle Ehre, sind zum Teil überlagernd. Die Fahrbahn sieht aus wie ein Streuselkuchen und hat manchmal Wellen vom Format einer Skisprungschanze. Oder so ähnlich. Nach vielen Schräglagen und wenigen Blicken auf den Sella-Block tauchen die Dächer von Colfosco und Corvara auf. Beide Orte liegen mit ihren hübschen Häusern wie rote Inseln in einem Meer aus grünen Almwiesen und gelben Blumen.

In Corvara Blinker rechts und hinein in eine Gruppe von sehr engen und anspruchsvollen Serpentinen. Steil gewinnt das schmale Sträßchen an Höhe und legt mindestens alle 20 Meter einen Zacken ein. Dritter Gang? Kann man abhaken. Dieses Stück ist ein Paradies für leichte Maschinen mit kleinen Hubräumen. Und solchen mit langen Federwegen. Denn dieser Megamix aus frischen Teerflicken und alten Winterschäden staucht das Fahrwerk gehörig zusammen. Wer nach der letzten Kehre anhält und zurücksieht, wird mit einem wunderschönen Blick auf das in seinem Talkessel liegende Corvara belohnt. Sein Hausberg, der 2.665 Meter hohe Sassongher, ragt als weithin sichtbares Erkennungszeichen majestätisch in den Himmel.

In lang gezogenen Bögen geht es nun auf wieder ordentlichem Asphalt zum 1.875 Meter hohen Sattel des Campolongo-Passes hinauf. Die einsame Passhöhe ist weitaus weniger frequentiert als die anderen Pässe der Sella-Runde, hält jedoch einen der besten Blicke auf den Marmolada-Gletscher bereit. Außerdem: Die Terrasse des Hotels Boé eignet sich bestens zum Pausen-Stopp. Harmonisch und gleichmäßig verläuft die Abfahrt nach Arabba. Runde Kurven und Kehren, vernünftige Fahrbahndecke, wenig Verkehr. In Arabba folgen wir nach links dem Schild Falzarego und fahren etwa zehn Kilometer hoch oben auf der linken Seite eines prächtigen Tales entlang. Winzige Dörfer stehen am gegenüberliegenden Hang scheinbar mitten im Nichts. Und noch winzigere Wege führen dort hin. Der Kirchturm von Andraz fliegt in Kinnhöhe vorbei, und gleich darauf beginnt die etwa neun Kilometer lange Auffahrt zum 2.105 Meter hohen Falzaregopass. Neun Kilometer Fahrspaß pur. Eine perfekt ausgebaute Fahrbahn, 17 runde Kehren und eine übersichtliche Streckenführung sorgen für ein Pässe-Erlebnis der Extraklasse. Nicht umsonst halten viele Dolomiten-Kenner den Falzarego für den besten Motorrad-Pass der Region. Auf die nicht minder interessante Abfahrt nach Cortina d'Ampezzo muss der Sella-Umrunder leider verzichten. Denn er fährt weiter ein Stück bergan, überquert die Felsenwüste des Valparolapasses und stürzt sich anschließend in den kurzen, aber knackigen Abstieg ins Valle di San Cassiano. Dort folgt er der rechts aufragenden, rötlich schimmernden Kreuzkofelgruppe und biegt bei Stern nach links in Richtung Corvara ab. Nach der Überquerung des Campolongo ist in Arabba Finito. Der Sella-Kreis hat sich geschlossen.

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