Anzahl der Aufrufe: 2974 Die Perle des Tessins Schweiz · Tessin


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Die Genießer-Tour rund um den wunderschönen Luganer See ist das optische Glanzlicht eines Tessin-Aufenthaltes.

Eigentlich ist es eine ziemlich blöde Frage. Die Frage nach dem schönsten der drei Oberitalienischen Seen. Denn die drei Lagos sind allesamt eine einzige Augenweide. Und doch gibt es Unterschiede. Der Lago Maggiore zum Beispiel gewinnt ganz klar den Exoten-Preis. So prall, bunt und mediterran geht es nirgends zu wie an seinen Ufern. Der Comer See hingegen ist eher etwas für Naturliebhaber und zieht den Gast vor allem mit seiner zurückhaltenden Eleganz in den Bann. Dann wäre da noch der Luganer See. Und der kleinste der Lagos entscheidet mit seiner traumhaften Lage, seiner Überschaubarkeit und seiner gemütlichen Atmosphäre die Schönheitskonkurrenz für sich. Natürlich ist diese Wertung sehr subjektiv. Doch wer an einem sonnigen Sommertag den Luganer See umrundet, wird uns Recht geben. Sie glauben das nicht? Na dann auf zur Lago-di-Lugano-Tour.

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Rot: Partnerhäuser in der Nähe



Als Startort dient Lugano, die heimliche Hauptstadt des Tessins. Sie verbindet die Annehmlichkeiten einer Finanzmetropole mit der einzigartigen Lage direkt am Luganer See. Kein Wunder also, dass die Stadt ständig wächst und so manches Verkehrsproblem aufwirft. Lugano ist die Mutter der Einbahnstraßen. Man kommt sich vor wie in der Gegenstromanlage vom Hallenbad. So einfach durchqueren läßt sich Lugano nicht. Es ist ein ständiges Hin und Her, ein Links und Rechts, das schließlich doch noch den gewünschten Erfolg bringt. Vorausgesetzt, man folgt immer brav den Schildern.

Um die See-Umrundung einzuleiten, hält man sich an der Uferpromenade zunächst rechts Richtung Autobahn/Figino und biegt nach ca. einem Kilometer links nach Carona ab. Und schon öffnet sich der erste von vielen Traumblicken hinab auf den See. Auf perfektem Asphalt geht es bergauf. Sauber angelegte Kurven und Serpentinen garnieren die Strecke. Gepflegte Häuser mit duftenden Gärten fliegen vorüber. Spätestens jetzt hat uns die Wohlfühl-Atmosphäre des Luganer Sees eingefangen. Irgendwie fühlt man sich hier auf Anhieb wie zu Hause.

Oben auf dem Sattel tauchen linker Hand bunt bemalte Häuser auf. Ihre rostroten und ockergelben Fassaden glänzen im Morgenlicht. Ganz vorn steht ein Ristorante, dessen Biergarten gerade für den neuen Tag hergerichtet wird. Grotto heißen im Tessin diese urigen Gasthäuser. Früher war ein Grotto ein Felsenkeller, in dem die Weinbauern eigenen Wein und Würste verkaufen durften. Im Laufe der Zeit verwandelten sich die einfachen Keller in rustikale Restaurants. Sie sind im Familienbesitz und haben meist nur im Sommer geöffnet. Wer eine zünftige Pause machen will, ist im Grotto goldrichtig.

Ein Torbogen führt in den hübschen Ort Carona hinein. Die Reifen surren über die gepflasterte Dorfdurchfahrt, gemütliche Straßencafés laden zum ersten Stopp ein. Es ist ein leiser, angenehmer Tourismus, der hier oben praktiziert wird. Welcher Kontrast zum hektischen, betriebsamen Lugano.

Eine Weile geht es auf gleichbleibender Höhe am Fels entlang. Richtung Süden, weiter in die Halbinsel Ceresio hinein. Tolle Ausblicke über den See. Dann zirkelt eine kehrenreiche Abfahrt ans Wasser hinab. Die Serpentinen sind zum Teil gewagt in den Hang gehauen und verlangen eine gute Fahrzeugbeherrschung. Bummelfahrt am See entlang. Exakt folgt die Fahrbahn der Uferlinie. Wechselkurven, aus denen elegante Schräglagen resultieren. Wenig Verkehr, prima Asphalt, prächtige Blicke zum nahen Ostufer hinüber. Würzige Luft zieht durchs offene Visier. Es riecht nach Süden. Stimmungsvoller kann eine morgendliche Motorradfahrt kaum sein.

Gemütlich rollen wir an der Häuserfront von Morcote entlang. Nicht zu Unrecht gilt dieses Fassaden-Ensemble mit seinen Loggien und Arkaden als eines der reizvollsten Stadtbilder des Tessins. Ganz eng drängen sich die Häuser aneinander. Viel Platz ist nicht zwischen dem Berghang des Monte Arbostoro und dem Wasser. Für gemütliche Straßencafés ist jedoch immer Raum, und so ist Morcote der Tipp für den nächsten Pausenstopp.

Zügig geht es von Agno nach Ponte Tresa. Landschaftlich und fahrerisch wenig aufregend. Interessant für Naschkatzen ist die Schokoladenfabrik Alprose in Caslano. In Ponte Tresa zweigt die Route nach Porto Ceresio ab, und dann hat uns endlich die Uferstraße wieder. Und was für eine. Kurve auf Kurve folgt. Keine Zeit zum Atemholen. Der schmale Asphalt gehört uns fast alleine, ausländische Kennzeichen sieht man in dieser Ecke des Luganer Sees selten. Der nächste Pausentipp kommt in Sicht. Super idyllisch liegt das Restaurant „Terminus“ links am Seeufer. Man sitzt unter alten Kastanienbäumen und hat das gesamte Panorama mit See und Bergen vor sich. Bis 14.00 Uhr gibt es im „Terminus“ auch warme Küche, ansonsten heißt es: Gelato, per favore.

Bis nach Bissone folgt das Sträßchen dem Lago. Und bleibt die ganze Zeit über ein Traum von einer Motorradstrecke. Nichts zum Heizen. Vielmehr etwas fürs genüssliche Dahinrollen. Ganz gut in diese ruhige Stimmung passt der Abstecher nach Campione. Die italienische Enklave besteht aus einem großen Spielcasino plus mehreren sehr netten Straßencafés. Man passiert das blumengeschmückte Eingangstor und fährt einmal im Kreis durch den Ort. Mag es am Abend in Campione noch so heiß hergehen - tagsüber liegt über den Häusern und Gassen eine schläfrige Stille.

Von Bissone geht es ein Stück zurück nach Maroggia, wo nach links ein Sträßchen in Richtung Arogno/Lanzo abzweigt. Holperig und voller Schlaglöcher führt diese Fahrwerks-Teststrecke nach Norden in die Berge hinein. Sie wird immer schmaler und quetscht sich durch Arogno hindurch. Ist das überhaupt der richtige Weg? Er ist es. Man glaubt es nur manchmal kaum. Ein unscheinbarer Abzweig bringt uns weiter in Richtung Lanzo. Ein paar Kilometer zum Relaxen folgen. Dann der Knackpunkt dieser Tour: Sechs messerscharfe Serpentinen, die teils überhängend steil nach oben führen. Wer hier gut durchkommt, braucht sich in der Heimat vor keiner Kehre mehr zu fürchten. Die restliche Strecke bis Lanzo macht keine Probleme, und wir können uns gut erholt die Besteigung der Sighignola vornehmen.

Dieser 1.302 Meter hohe Aussichtsberg wird von den Tessinern gerne als Balkon der Schweiz bezeichnet. Weshalb? Wer auf der Aussichtsplattform steht und über den Luganer See bis hinüber zu den Schweizer Alpen blickt, weiß die Antwort. Über 1.000 Meter Höhenunterschied im beinahe senkrechten Fall - das beeindruckt. Die Straße hoch zur Sighignola ist übrigens eine angenehm zu fahrende, kurvige Waldstrecke. Und was würde sich besser zur Mittagspause eignen als das Ristorante auf dem Gipfel?

Von Lanzo geht es auf gut ausgebautem Asphalt leicht bergab nach San Fedele. Dann der Abstieg zum See: Serpentinengruppen vermischt mit Geraden. Alle Radien sind wie mit dem Zirkel gezogen, übersichtlich und in gepflegtem Zustand. Doch plötzlich kommt die Farbe Rot ins Spiel. Und zwar in Form von vier gepflasterten Kehren, die so überhaupt nicht zur bisherigen Fahrbahnbeschaffenheit passen. Dass es ein solches Relikt aus vergangenen Tagen überhaupt noch gibt? Man sollte sich darüber freuen und die Romantik genießen, die das Gehoppel über die Pflastersteine verbreitet.

Bis das Ufer erreicht ist, jagt ein Traumblick den anderen. Der Luganer See ist schmaler als seine beiden Mitbewerber. Und das macht ihn so reizvoll. Immer scheint das andere Ufer zum Greifen nahe. Die Bergspitzen, die grünen Hügel, die kleinen Dörfer auf ihren Kuppen, die Zypressenreihen - alles ist dicht beisammen und mit dem bloßen Augen gut zu erkennen. Die „Schweizer Toskana“ wird das südliche Tessin auch genannt. Gewiss keine Übertreibung.

Von Claino aus peilt die Uferstraße Porlezza an. Der sympathische Ort besitzt eine hübsche, von Platanen gesäumte Uferpromenade. Dort stehen Caféstühle im Überfluss, sodass einem kühlen Getränk zum Abschluss der Tour nichts entgegensteht. Außerdem geht in Porlezza die Sonne höchst malerisch genau über dem See unter. Die Rückfahrt führt über die verwinkelte Küstenstraße der nördlichen Seeseite. Und hier sorgt wiederum die Abendsonne mit ihrem warmen Licht für eine traumhafte Stimmung. Er ist eben doch der schönste, der Luganer See.

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