Anzahl der Aufrufe: 2503 Rund um Aschaffenburg Deutschland · Spessart/Vogelsberg


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Der Main, die Grenze zwischen Spessart und Odenwald, bildet nicht nur eine natürliche Barriere, sondern auch eine kulturelle. Die römische Zivilisation endete hier, die Berge jenseits des Flusses sind keltisch geprägt. In der Karolingerzeit war dieses waldreiche Gebiet dem Adel als Jagdgrund vorbehalten, so dass der Spessart noch heute sehr dünn besiedelt ist. Auf unserer Tour kommen wir nur durch eine einzige größere Stadt – Naturliebhaber wissen das zu schätzen.

Freunde des lässigen Cruisens erfahren hier einen Hauch von weiter Wildnis, wie man sie sich vielleicht in den Rocky Mountains vorstellt. Endurofahrer können mit geübtem Auge legal befahrbare Waldwege erspähen. Kultur und Zivilisation kommen trotzdem nicht zu kurz, denn mit Schlössern und Burgen ist diese Natur-Tour geradezu gespickt.

Download der GPS-Daten

Kartenansicht

Rot: Partnerhäuser in der Nähe



Über die Autobahn A 3 anreisend, bieten sich zwei Startpunkte an: Entweder man nimmt das erzbischöfliche Aschaffenburg als Ausgangspunkt und Ziel oder fährt weiter zur Ausfahrt Weibersbrunn (Nr. 63), so dass die Stadt genau die Halbzeit der Tour markiert. Wir wählen die zweite Variante, nähern uns dem Odenwald also sozusagen von hinten.

Kaum haben wir die Autobahn verlassen, verschluckt uns tiefer Wald. Der Specht-Hard, der Wald der Spechte, wird seinem Namen selbst nach Jahrhunderten noch gerecht, seine Eichenwälder sind unter Naturfreunden weltbekannt. Wie damals der Hochadel, »jagen« wir Richtung Hessenthal und stoßen schon frühzeitig auf die Ausschilderung zum Schloss Mespelbrunn.

Es liegt in einem verschwiegenen Tal und überstand in diesem Versteck alle Kriege der vergangenen Jahrhunderte unbeschadet, so dass es im ursprünglichen Zustand zu besichtigen ist. Von März bis November darf die Öffentlichkeit über den großen Wassergraben in das Gemäuer spazieren, das sich nach wie vor in Privatbesitz befindet (Führungen alle 15 Minuten). Einen schönen Ausblick auf das Schloss hat man vom »Wirtshaus im Spessart« aus, das im Schlosspark in den früheren Stallungen eingerichtet ist. Als Drehort des gleichnamigen Spielfilms mit Liselotte Pulver und Carlos Thompson hat die gesamte Anlage in den 50er-Jahren ihre geheime Lage endgültig einem großen Publikum preisgegeben.

Weiter der Deutschen Ferienroute Alpen-Ostsee folgend, passieren wir das Schloss Oberaulenbach, das ebenfalls noch bewirtschaftet wird, und die Ruine Wildenstein, bevor wir westlich zum Main nach Elsenfeld schwenken. Ortsnamen wie Sommerau und Himmelthal geben dabei durchaus die Stimmungslage wieder, in der sich der motorisierte Zweiradwanderer angesichts der elegant geschwungenen und gut ausgebauten Straße befindet. Mit griffigem Asphalt versehen, schlängelt sie sich durch das Tal eines Flüsschens mit dem hübschen Namen Elsava.

Noch aber bleiben wir östlich des Mains. Klingenberg ist weithin bekannt für seine Rotweine. Unterhalb der staufischen Clingenburg gelegen, ist die Gemeinde vor allem für ihre Terrassenweinberge berühmt, deren älteste im 12. Jahrhundert angelegt wurden. Ihre Mauern aus dem typischen roten Sandstein stehen heute unter Denkmalschutz und prägen mit einer Gesamtlänge von über 180 Kilometern wesentlich das Landschaftsbild. Die Altstadt bestimmen romantische Gassen zwischen Fachwerkhäusern sowie das 1560 errichtete Stadtschloss mit anschließendem Rosengarten. Auf der Höhe bietet ein Aussichtsturm inmitten einer Ringwall-Anlage eine herrliche Fernsicht vom Spessart ins Maintal bis hinüber in den Odenwald, wohin es uns jetzt zieht.

Am anderen Ufer verdeutlicht Wörth die Kulturgrenze. Denn statt mit Ringwällen wie die Kelten, befestigten die Römer ihre Seite zur Zeit des Kaisers Domitian mit einem Kastell. Dessen Grundmauern hat man zwar unter der Erde entdeckt, bislang aber noch nicht freigelegt. Dafür bietet die Altstadt mit Stadtbefestigung und Türmen viel Sehenswertes. Bevor Wörth im 13. Jahrhundert befestigt wurde, war es im 6. Jahrhundert Ausgangspunkt der christlichen Missionierung des Odenwaldes, was die St. Martinskapelle auf dem Friedhof bezeugt. Der Name Wörth bedeutet »erhöhtes Uferland« oder »wasserfreies Land«. Als wichtiger Handelshafen war die Stadt Heimat bedeutender Schiffbauer, und in der inzwischen auf der anderen Mainseite liegenden Werft entstehen noch heute große Transportschiffe für europäische Wasserstraßen. Das Schifffahrts- und Schiffbaumuseum in der Rathausstraße informiert über diesen Teil der Geschichte (Samstag und Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr).

Auf der Deutschen Fachwerkstraße geht es jetzt nach Breuberg, genauer gesagt in den Ortsteil Neustadt. Auf Anweisung der Burgherren wurde im frühen Mittelalter diese neue Stadt unter dem Südhang der Burg Breuberg angelegt und entwickelte sich zu einem befestigten Marktort, der von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte bekam. In der Ortsmitte steht noch heute ein in Deutschland einmaliges Holzkreuz mit den Symbolen des Marktfriedens und der Marktgerichtsbarkeit.

Die Feste Breuberg selbst sicherte ab dem 12. Jahrhundert klösterliche Besitzungen im nördlichen Odenwald und beeindruckt heute als eine der am besten erhaltenen Burganlagen Deutschlands. Zu ihr führt ein beschilderter Weg bis zum Parkplatz unmittelbar an der Burgmauer. Heute dient sie als Jugendherberge und internationale Begegnungsstätte. Nach einer Führung (März bis Oktober täglich von 9.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 17.00 Uhr) mit Besuch des Rittersaals und des Handwerksmuseums genießen wir die Gastfreundlichkeit und das breite Angebot des Burgrestaurants im Innenhof.

Gestärkt fahren wir weiter nach Norden und biegen im folgenden Hainstadt links nach Wald-Amorbach ab. Bereits zur Römerzeit führte ein Weg über den Breuberg-Sattel. Für uns krümmt sich ein frisch angelegtes Asphaltband über die hügelige Landschaft Richtung Groß-Umstadt. Griffiger Belag, gute Übersicht, mächtig Fahrspaß. Rechts ab nach Klein-Umstadt, dann an der folgenden T-Kreuzung nach Radheim.

Der Ursprung des Ortsnamens Pflaum??heim, das althochdeutsche Wort »pluomo«, hat noch immer Gültigkeit für den fruchtbaren Plumgau rund um Großostheim. Duftende Rapsfelder und grüne Wäldchen bedrängen die nach wie vor perfekt ausgebaute Landstraße, die der Romantik der Ortsdurchfahrten durch Pflasterbelag Rechnung trägt. Zwiebeltürme machen uns darauf aufmerksam, dass wir uns jetzt auf bayerischem Boden befinden. Denn nachdem über 500 Jahre lang die Mainzer Erzbischöfe die Geschicke der Region bestimmt hatten, fiel sie nach der Besetzung durch österreichische Truppen 1814 an das Königreich Bayern.

Den Glanz des ehemaligen Fürstentums Aschaffenburg erkennt der Reisende sofort, wenn er über die Willigis-Brücke in die Stadt rollt. Die Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz hatten dieses sächsische Königsgut zu ihrer Zweitresidenz erhoben und hinterließen mit Schloss Johannisburg einen Prachtbau der Spätrenaissance. Ein beeindruckendes Zeugnis des Beginns dieser Epoche ist die auf das 10. Jahrhundert zurückgehende Stiftskirche auf dem höchsten Punkt der Altstadt. Ihre romanischen Pfeilerarkaden umsäumen den Kreuzgang, den Ostchor und die Portale, während der Turm mit seinem oktogonalen Oberbau erst im 16. Jahrhundert fertiggestellt wurde.

Mit dem Park Schönbusch im Südwesten und seinem darin liegenden Schloss besitzt die Stadt einen der ältesten Landschaftsgärten Deutschlands, der mit künstlichen Bergen, Tempeln, Dörfern und mehreren Brücken ein anschauliches Beispiel für den feudalistischen Lebensstil liefert.

Einen weiteren noblen Superlativ hält die »Rosso Bianco Collection«, die größte Renn- und Sportwagensammlung der Welt, bereit. In der Obernauer Straße parken auf rund 12.000 Quadratmetern ständig über 200 Automobile von Abarth bis Zagato und noch einmal fast genauso viele Motorräder (April bis Oktober, Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 18.00 Uhr, www.rosso-bianco.de).

So viele herrlich verpackte Pferdestärken regen natürlich die Lust an, selbst am Gasgriff zu drehen. Wir verlassen deshalb die Residenzstadt über die B 8 nach Hanau, um dann Richtung Hörstein und Mömbris in den Spessart einzubiegen. Zügig erklimmen wir den Hahnenkamm und zaubern perfekte Schräglagen auf den Belag. Kurve an Kurve, fast wie am Fließband. Das Verkehrsaufkommen hält sich in Grenzen, und wir können die Kurverei in vollen Zügen genießen.

Die Römer taten sich am Hahnenkamm viel schwerer. Wie ein keltischer Ringwall westlich von Hemsbach belegt, bissen sich ihre Legionen hier die Zähne aus. Schon 4000 Jahre vor Christus war der westliche Spessart besiedelt. Im Wald oberhalb Schimborns finden sich Hügelgräber aus der Bronzezeit, die 20 Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung angelegt wurden. Es war eine raue Gegend, dieses riesige Waldgebiet, das erst mit der Christianisierung und der Errichtung von Klöstern allmählich erschlossen wurde. Karl der Große versorgte die Kirchengüter mit großen Forstgebieten, in denen sich später der Landadel ansiedelte. Dieser musste seine Schlösser und Jagdsitze mit Wassergräben gegen Räuberbanden schützen. Was heute an den Schlössern Mespelbrunn oder Oberaulenbach so märchenhaft wirkt, war damals bittere Notwendigkeit.

Außerdem konnten sich die Herrschaften teilweise untereinander nicht leiden und befehdeten sich gegenseitig. König Rupprecht hatte 1405 die Nase voll und ließ die Burgen Hauenstein, Hüttelngesäß und Womburg bei Mömbris als »Raubritternester« niederbrennen. Heute sind die Ruinenreste vom Wald überwuchert.

Die flotten Schräglagenspiele bringen uns in Richtung Schöllkrippen. Dort heißt es, in der Konditorei Denk, noch einmal den Blutzuckerspiegel auf Normalniveau zu bringen. Denn jetzt wird es richtig sportlich.

Hinter dem Abzweig nach Kleinkahl lassen wir quasi die Zivilisation hinter uns und konzentrieren uns nur auf das Sträßchen, das zigfach gekrümmt der Beschilderung nach Wiesen folgt. Die Bäume lassen ihre Äste bis dicht an die Fahrbahn heranragen und malen hübsche Schattenspiele auf den Asphalt. Der Gegenverkehr besteht in der Regel aus Motorrädern mit langen Federwegen, die für den welligen Asphalt und die verwinkelten Ecken dieses Teilstücks wie geschaffen sind.

Vor Wiesen weist die Ausschilderung Richtung Autobahn und Aschaffenburg den Weg zur Spessart-Höhenstraße. Auf ihren lang gestreckten Bögen bekommen Bremsen und Getriebe eine kurze Erholungspause. Der fünfte Gang meldet sich zurück, und wir stoßen am Ende einer langen Geraden links hinunter nach Jakobsthal. In lockeren Wechselkurven geht es am Lohrbach entlang an Heigenbrücken vorbei zurück Richtung Autobahn, zum Ausgangspunkt unserer Räuber-Runde. Wir kreuzen die B 26, lassen hohe Sandsteinfelsen links liegen und sind bald am Ende einer Tour angelangt, die auf perfekte Weise Fahrspaß mit Naturgenuss verbindet.

Die Kommentare zu dieser Tour

Als Mitglied der Biker Betten-Community können Sie hierzu einen Kommentar abgeben. Jetzt mitmachen!

Tour kommentieren

Bislang keine Einträge

Partner werden Partnerhouse-Login © 2012 TVV Touristik-Verlag GmbH Über uns Links Kontakt Impressum AGB Datenschutz by B2
Alpentops.de - TOP Alpen-Sites