Anzahl der Aufrufe: 3356 Tecklenburger Land Deutschland · Teutoburger Wald


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Die Überschrift zur dieser Tour könnte lauten: »Die Technik machts«. Aber welche Technik? Und was macht sie? Die zweite Frage lässt sich schnell beantworten: Die Technik macht diese Tagestour interessant. Sie ist das Salz in der Suppe. Mit rund 150 Kilometer Länge gehört die Runde eher zu den kürzeren. Dafür haben es diese 150 Kilometer in sich.

Sie bieten eine große Portion Fahrspaß und ein grandioses Naturerlebnis. Verlangen aber auch – und damit sind wir bei Frage eins angelangt – eine ausgereifte Fahrtechnik. Der Hauptteil der Tour spielt sich auf den Mittelgebirgssträßchen des Teutoburger Waldes ab. Schmal, kurvenreich und holperig, weisen sie die ganze Palette an Eigenschaften auf, die das Motorradfahren interessant machen. Dazu sollte man fest im Sattel sitzen und sein Bike in allen Situationen wie im Schlaf beherrschen.

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Neben der Fahrtechnik begegnet uns auf dieser Tour noch eine andere Art von Technik: die zum Anfassen. Zum Beispiel in Form des Motorradmuseums in Ibbenbüren. Oder der Eisen verarbeitenden Industrie. Oder des Dortmund-Ems-Kanals. Anhalten, schauen und staunen. Technik, die begeistert.

Selbstverständlich kommen auch Natur und Kultur nicht zu kurz. Die bewaldeten Höhen des Teutoburger Waldes muss man ja kaum mehr extra erwähnen. Das Städtchen Tecklenburg mit seiner reizenden Altstadt vielleicht schon eher. Und ganz bestimmt das unbekannte, aber äußerst hübsche Bad Iburg. Sie sehen: Es gibt viel zu Entdecken auf einer Fahrt durch das Tecklenburger Land. Packen wir es an.

Wir starten am südlichsten Punkt der Runde, in dem Ort Glandorf. Eine breite, vernünftig ausgebaute Straße trägt uns durch ihre lang gezogenen Bögen in Richtung Bad Laer. Endlose Reihen von Eichen am Fahrbahnrand sorgen für die naturnahe Optik. Noch ist hier alles sehr münsterländisch. Das typische, von Büschen und Bäumen durchzogene Ackerland. Doch bald wird sich die Landschaft komplett verändern. Wird sich in ein hügeliges und stark bewaldetes Mittelgebirge verwandeln.

In Bad Laer folgen wir der Ausschilderung Hilter. Der Asphalt wird mit einem Mal schmaler und schlechter. Es kann also nicht mehr weit sein bis zum Teutoburger Wald. Und tatsächlich: Am Ortsrand von Hilter sind schon die ersten dunkelgrünen Höhenzüge zu erkennen. In Hilter Blinker links und den Tafeln Richtung Autobahn und Osnabrück folgen. Schwungvoll geht es den Berg hinauf, bis nach ca. fünf Kilometern der Abzweig nach Borgloh auftaucht. Wir biegen rechts ab und bekommen gleich einen wunderschönen Ausblick auf den sich vor uns ausbreitenden Teutoburger Wald serviert.

Einzelne Gehöfte liegen am Straßenrand. Geschmeidig wuselt die Fahrbahn zwischen ihnen hindurch. Öffnet runde und übersichtliche Kurven, vermeidet so gut wie jeglichen Gegenverkehr und setzt uns einen griffigen Belag unter die Räder. Die sporadisch auftauchenden Tempo-70-Schilder schmälern das Vergnügen minimal. In Borgloh weisen Schilder mit der Aufschrift Osnabrück und Kloster Oesede den weiteren Weg. Neues Ziel, derselbe Fahrspaß. Lässiges und lockeres Kurvenschwingen.

Unter der Autobahn hindurch rollen wir nach Kloster Oesede hinein. Der Ort heißt nicht nur Kloster, sondern hat auch ein Kloster. Es steht links der Hauptstraße. Man erreicht es quasi von hinten, indem man nach der Rechts-Links-Kurve im Ort links abbiegt. Das braune Sandsteinbauwerk strahlt viel Ruhe aus. Seine Nebengebäude beherbergen heute eine Schule, sein Hof lädt zum Pausieren ein. Sitzen, schauen, an nichts denken.

Nächster Ort ist Georgsmarienhütte. Was für ein Name. Fast so lang wie die Ortsdurchfahrt. Das Wort Hütte weist darauf hin, dass hier früher Eisen verarbeitet wurde. Die Hütten schmolzen das aus dem Boden geförderte Eisenerz, veredelten das Eisen zu Stahl und belieferten damit Fabriken, die den Stahl walzten, pressten, schnitten und hämmerten. Heute ist die schmutzige der sauberen Industrie gewichen. Weiß gestrichene Gewerbebauten säumen die Straße. Nur noch die Namen der Industrieparks deuten auf die frühere Nutzung hin.

Georgsmarienhütte zieht sich. Wir folgen einfach stur der Hauptstraße und gelangen so nach Hagen. Dort am Kreisverkehr weiter nach Bad Iburg. Die Gedanken sollten nun wieder von der Eisen verarbeitenden zur Motorrad fahrenden Technik wandern. Denn die Waldstrecke nach Bad Iburg schießt ein wahres Feuerwerk von Bögen, Kurven und Kehren ab. Berg rauf, Berg runter. Die Sonne zaubert pittoreske Flecken auf den dunkelgrauen Asphalt. Der weist einige böse Löcher und Flicken auf und bevorzugt Motorräder mit weichem Fahrwerk.

Bad Iburg verdient es durchaus, mittels einer Ehrenrunde gewürdigt zu werden. Eine freundliche Altstadt mit Pflastergassen, Cafés und Restaurants empfängt uns. Genau der richtige Platz für eine erste Kaffeepause. Wer möchte darf zur Burg hochfahren, in der sich das Bildungswerk der Polizei einquartiert hat. Führungen finden nur nach Anmeldung statt. Der Burghof jedoch ist für alle offen. Außer vielleicht für Maschinen mit nicht ganz TÜV-konformem Zubehör.

Folgender Abzweig Holperdorp. Nomen est omen? Gott sei dank nein. Es ist ein gepflegtes, gut asphaltiertes Sträßchen, das zunächst ein Wiesengelände durcheilt, um dann in beeindruckenden Kehren und Serpentinen den Ort Lienen anzuvisieren. Spitzkehren so weit oben im Norden? Wer hätte das gedacht. In einer der Kurven weist ein Schild den Weg zum Waldgasthof Malebartus. Hört sich nicht nur gut an, ist es auch. Nach einer kurzen Fahrt auf einem asphaltierten Waldweg gelangt man zu einer Lichtung, auf der sich der Gasthof und sein Biergarten befinden. Die Aussicht hinab ins flache Münsterland ist phantastisch. Wer unter der Woche kommt, hat seine Ruhe und kann das Panorama für sich alleine genießen. Kleiner Wermutstropfen: Die überzogenen Preise. Offenbar ist man sich der Traumlage bewusst.

Von Lienen nach Lengerich geht es endlich wieder einmal ein Stück geradeaus. Wir folgen dem Hinweis zum Zentrum von Lengerich und rollen eine Weile entlang der Bahngleise. Sie werden sowohl von der Bundesbahn als auch von der TWE, der Teutoburger-Wald-Eisenbahn, benutzt. Die private TWE schaukelt mit ihren preußischen Dampfloks aus dem Jahr 1915 im Sommerhalbjahr Anwohner und Urlauber von einem Bahnhof zum nächsten.

Nach der Bahnunterführung kommt rechts der Abzweig nach Lotte. Dem folgen wir. Er führt zu einem Waldsträßchen, das in der für diese Tour typischen Art und Weise zuerst den Rücken des Teutoburger Waldes erklimmt, um danach wieder das Flachland anzupeilen. Das nördlichste aller großen deutschen Mittelgebirge erstreckt sich ja bekanntlich recht schmal von Nordwesten nach Südosten. Man durchquert es also am besten der Länge nach und schwingt dabei ständig wie ein Skifahrer beim Parallelschwung von links nach rechts.

In Leeden ist zwar mit Tecklenburg bereits das nächste Zwischenziel ausgeschildert, wir fahren jedoch geradeaus weiter nach Norden. So lange, bis an einer Kreuzung nochmals Tecklenburg beschildert ist. Diesmal stimmt die Richtung. Blinker links und hinein in einen Traum von einer Motorradstrecke. Zügig zu fahren, mit wenig Verkehr und viel Übersicht versehen, schneidet die Fahrbahn durch die Landschaft wie das Messer durch die Butter. Wechselkurven werfen das Bike von einer Schräglage in die nächste. Das ist Motorrad fahren vom Feinsten. Perfekt, wäre da nicht der wellige Untergrund, der die ungestüme Fahrt das eine oder andere Mal einbremst. Macht nichts. Dem Spaß tut das keinen Abbruch.

In Tecklenburg bleibt man so lange auf der Umgehungsstraße, bis in einer Linkskurve bergab auf der rechten Seite das Gebäude der Kreisverwaltung zu sehen ist. Unter dessen Dach wartet ein geschützter Parkplatz auf die Maschine. Die Besatzung macht sich währenddessen zu Fuß auf, um die gleich nebenan beginnende Altstadt Tecklenburgs zu erkunden. Ein Spaziergang, der sich lohnt. Tecklenburg mit seiner von Fachwerk gesäumten Fußgängerzone ist ein echtes Kleinod. Denkmalgeschützte Bürgerhäuser gruppieren sich um den Marktplatz mit seinem Brunnen. Man kann herrlich in Kleinkunstläden und Töpfereien stöbern, nach vorn zur Burg gehen und dort die Aussicht bewundern oder – und das ist ein Muss – im Café Rabbel ein Stück Kuchen vernaschen. Feines Backwerk, gelbe Sonnenschirme, eine mittelalterliche Kulisse rundum – was für ein süßes Paradies.

Tecklenburg, von seinen Einwohnern nicht ganz ernst gemeint »nördlichste Gebirgsstadt Deutschlands« genannt, ist eine Leinenweberstadt. Im 17. und 18. Jahrhundert wanderten Tuchhändler im ganzen Land umher und boten das von ihren Familien gewobene Leinen an. Die Landwirtschaft gab zu wenig her, und so mussten sich die Tecklenburger andere Einnahmequellen suchen. Das blau gestrichene »Schiefe Haus«, an dem man automatisch vorbeikommt, ist so ein Leinenweberhaus und stammt aus dem Jahr 1693. In seinen Räumen erfährt der Besucher alles über die Geheimnisse des Leinenwebens.

In Richtung Ibbenbüren verlassen wir Tecklenburg. Auf der linken Seite bietet der Parkplatz Münsterlandblick interessante Aussichten auf Gegend und Technik: Sonntags versammeln sich hier die Kollegen von der Zweiradfraktion. Mit einem Abschwung lässt die Route das Gebirge hinter sich und nähert sich zügig Ibbenbüren. Ein kurzes Stück vor der 50.000-Einwohner-Stadt kommt das Schild Motorradmuseum in Sicht. Und nach wenigen Minuten stellen wir die Maschine auf dem Parkplatz der alten Ibbenbürener Schule ab. Dort stellen Vater und Sohn Stockmann in fünf Räumen insgesamt 170 zwei- und dreirädrige Motorräder aus. Ob Wankel-Bike, DDR-Relikt oder Münch-Mammut – die komplette deutsche und europäische Motorradgeschichte steht hier beieinander. Jüngster Erwerb ist ein französisches Monotrace aus den 20er-Jahren: ein grüner Blechkasten mit zwei großen und zwei kleinen Rädern. Blickfang unter den Gespannen ist das Zündapp KS 750 Wehrmachtsgespann. Wie sämtliche Ausstellungsstücke glänzt auch dies in perfektem Erhaltungszustand und sieht aus, als hätte es erst gestern die Fabrik verlassen. Das Museum ist samstags von 14.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Infos gibt es unter 05451/6454.

Auf der B 219 geht es nach Saerbeck. Nach der Teutoburger Kurverei eine Erholung für Mensch und Mechanik. Im Zentrum von Saerbeck zweigt die Straße nach Lengerich ab. Eine kilometerlange Allee, die genau am Dortmund-Ems-Kanal endet. Gleich hinter der Brücke führt ein Fahrweg zum Wasser hinab. Das ideale Fleckchen, um sich in aller Ruhe den Kanal und seinen Schiffsverkehr zu betrachten. 1899 wurde die 280 Kilometer lange Wasserstraße gebaut, um die Kohlehalden des Ruhrgebietes mit der Nordsee zu verbinden. Ihr Bett ist ca. 30 Meter breit und nimmt Schiffe von einer Tragkraft bis 600 Tonnen auf. Die müssen auf dem Weg von Dortmund nach Emden insgesamt 18 Schleusen überwinden.

Über die Imkerstadt Ladbergen geht es zurück nach Glandorf. Schneller Asphalt mit flüssigen Kurven. Und auch hier gilt: die Technik machts.

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