Anzahl der Aufrufe: 3752 Tegernseer Berge Deutschland · Oberbayern


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Wenn mich ein japanischer oder amerikanischer Tourist nach einem sehr typischen Stück Bayern fragen würde, wäre die Antwort klar: Ich würde ihn ins bayerische Oberland, in die Region rund um den Tegernsee schicken. Weshalb? Weil hier Bayern einfach am bayerischsten ist. Weil man hier ganz selbstverständlich Lodenmantel und Trachtenjanker trägt, weil sich hier die unglaublichsten Geschichten um schlaue Wilderer, stramme Burschen und fesche Madeln ranken. Und auch weil man im Umkreis der Tegernseer Berge phantastische Alpenpanoramen findet.



Natürlich polarisiert die Tegernsee-Region die Leute. Lago di Prozzo sagen die einen, Alpenjuwel die anderen. Natürlich ist der Verkehr rund um den See am Wochenende eine Katastrophe, und natürlich versauen die Münchener Reichen die Immobilienpreise. Aber gleicht diese einzigartige Landschaft mit ihren Seen, Hügeln und Bergen das nicht alles aus?

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Eine Motorradtour durch die Tegernseer Berge ist in zweifacher Hinsicht etwas Besonderes. Zunächst wegen der Panoramen, die sich uns unentwegt auftun. Achensee, Inntal, Wendelstein, Sudelfeld - da zuckt das Auge schon zusammen. Der andere Grund sind diese hervorragend ausgebauten Straßen, auf denen man herrliche Schräglagen und einen zügigen Schnitt vorlegen kann. Bei dieser Tour geht es nicht klein-klein durch einsame Landstriche, sondern auf großzügigen Strecken zu den Highlights Oberbayerns.

Startort Tegernsee. Das Städtchen, das denselben Namen trägt wie der See, ist seit der Zeit von König Max von Bayern die Nummer eins der Region. Max erwarb nämlich das aufgelöste Tegernseer Kloster und ließ es zum Schloss umbauen. Mit den blaublütigen Gästen kamen die Sommerfrischler aus München, und der kleine Ort wurde für die bessere Gesellschaft bald zum Inbegriff standesgemäßer Ferien.

Statt gleich nach Süden zu fahren, drehen wir lieber erst mal eine Runde um den See. Früh morgens herrscht noch wenig Verkehr, und man kann genüsslich der Uferlinie entlang bummeln. Frische feuchte Luft strömt durch die Lungen. Wie Watte hängt Morgennebel über dem Wasser, dahinter schälen sich schemenhaft die Berggipfel aus dem Frühdunst. Das Linienboot sammelt an den Haltestellen die ersten Frühaufsteher ein, während die Fischer schon auf dem Rückweg sind.

Nach der Seerundfahrt nehmen wir in Rottach-Egern den Abzweig zum Achenpass. Auf breitem, gepflegtem Asphalt geht es durch ein schattiges Tal langsam bergauf. Immer noch ist die Luft angenehm kühl. An den Hängen links und rechts stehen friedlich grasende Rindviecher. Es herrscht wenig Verkehr, und wir können die lang gezogenen Kehren in vollen Zügen genießen.

Kreuth taucht auf. In dem kleinen Kurort herrscht weit weniger Betrieb als drunten am See. Schmucke Häuser mit bunten Fassaden zieren seinen Kern. Nach zwei Kilometern kommen auf der linken Seite die Gebäude des ehemaligen Kurbades in Sicht. Wildbad Kreuth wurde 1826 errichtet, in den 70er-Jahren stellte man den Badebetrieb jedoch ein. Seither dient die wuchtige Anlage der CSU als Tagungsstätte.

Auf einmal werden die Kehren enger, und zack, zieht das Schild des 941 Meter hohen Achenpasses vorbei. Eher ein Sattel als ein Pass, gibt dieser Übergang optisch nicht allzu viel her, und man kann eigentlich gleich weiterfahren in Richtung Grenze. Einige Kilometer welligen Asphalts folgen. Dann rollen wir nach Achenkirch hinein. An der Tankstelle am Ortseingang rechts ran und den Fotoapparat raus. Denn der Blick über die Dächer des Ortes auf die Spitzen des Karwendel-Gebirges hat was. Im Vordergrund steht die Dorfkirche, ein Stück weiter hinten auf einem Hügel eine kleine Kapelle.

Ein kurzes Stück weiter blitzt plötzlich die Farbe Blau durch die Bäume - der Achensee. Das blaue Auge Tirols oder Tiroler Fjord wird er gerne genannt. Nun hat ja das österreichische Bundesland Tirol nicht gar zu viele Seen, und seine Bewohner mögen deshalb zur Übertreibung neigen. Im Falle des Achensees treffen die Komplimente jedoch zu. Wunderschön zeigt er sich rechts unterhalb der Straße. Ein blauer Fleck, eingebettet in grüne Wälder.

Langsam verliert nun die Straße an Höhe, vollführt einige überraschende Spitzkehren und stürzt sich hinab ins Inntal. Nicht ohne vorher mit der so genannten Kanzelkehre für erhöhten Puls zu sorgen. Diese Haarnadelkurve fällt nämlich in Sachen Belag völlig aus der Rolle. Von einem Meter auf den anderen wechselt topfebener Asphalt in holperiges Kopfsteinpflaster. LKWs und Busse haben die Fahrbahn ausgehöhlt und regelrechte Kanäle hinterlassen. Nach dem Kurvenausgang ist der Spuk vorbei, und wir schwingen von sehr schönen Ausblicken begleitet hinab ins Tal des Inns.

Mal dicht, mal weniger dicht verfolgt die Bundesstraße 171 nun den Fluss. Ihre ruhige Streckenführung erstickt Kurvenabenteuer schon im Keim. Muss ja auch nicht sein. Angesichts der tollen Sicht nach links und rechts auf Rofangebirge und Kitzbüheler Alpen.

Kaffeepause mit Kuchen gefällig? Dann auf nach Rattenberg. Das Städtchen liegt ein paar Kilometer flussabwärts am felsigen Südufer des Inns. Bereits im Mittelalter hatte ein bayerisches Herrschergeschlecht an dieser strategisch günstigen Stelle eine Burg errichtet, die in den folgenden Jahrhunderten als Zollstelle zur wahren Goldgrube wurde. Mit der Aufhebung der Zölle nahm die Bedeutung Rattenbergs wieder ab. Für Handwerk und Industrie war der Stadtkern zu eng, und die Unternehmer gingen ins Umland. Zum Glück. Denn so blieben die hübschen Gebäude Rattenbergs nahezu unversehrt erhalten.

Über Wörgl erreichen wir Kufstein, das uns gleich mit seinem typischen Festungs-Blick empfängt. In weinseliger Runde gerne besungen, leidet Kufstein ein wenig unter dem Klischee des Alpen-Vorzeigestädtchens. Was völliger Blödsinn ist. Denn Kufstein erweist sich beim Durchfahren als angenehme und sehenswerte Stadt mit gemütlichen Straßencafés (Richtung Festung, Altstadt weiterfahren).

Unter der Autobahn hindurch geht es der Ausschilderung Thiersee nach. In Sachen Asphalt das totale Kontrastprogramm zum gemächlichen Inntal. Eng, bergig und kurvenreich zirkelt ein Landsträßchen zuerst durch eine Schlucht ein Stück bergauf, um dann ins Thierseer Tal einzufallen. Ein Bilderbuchtal. Gehöfte, Kapellen, Sägemühlen und Kuhweiden säumen den Weg. Alles ist tiptop gepflegt. Nicht nur als Wanderparadies ist das Thierseer Tal weit über seine Grenzen hinaus bekannt. In der Kirche des Ortes Thiersee finden alle vier Jahre die neben Oberammergau wichtigsten Passionsspiele in den Alpen statt.

Das Sträßchen überquert zuerst die Grenze nach Deutschland, dann den 849 Meter hohen Ursprungpass und schlängelt sich schließlich durch das Ursprungtal bergab der Stadt Bayrischzell entgegen. Schon von weitem sichtbar ist der nicht unbedingt höchste, aber doch imposanteste Berggipfel Oberbayerns: der Wendelstein. Wenn das Wort majestätisch zutrifft, dann hier. Fast senkrecht ragt die helle Felswand des Wendelsteins über Bayrischzell in den Himmel. Oben auf der 1.838 Meter hohen Spitze die charakteristische Funkantenne. War der Wendelstein vor 250 Millionen Jahren noch ein Korallenriff in einem subtropischen Ozean, so dient er heute vor allem der Wissenschaft. Eine Sendestation, eine Sonnen- und Windenergie-Anlage sowie eine Wetterwarte sind auf dem Gipfel angesiedelt. Die Aussicht von dort ist hoch genial, und so bietet sich die Fahrt mit der Gondel zur Bergspitze geradezu an. In Bayrischzell biegt man dazu nach links ab und erreicht nach wenigen Kilometern die Talstation der Wendelsteinbahn.

Der ideale Platz für die Mittagspause ist Bayrischzell mit seinem netten Ortskern und seiner Lage am Fuße des Wendelsteins. Im Zentrum links liegt der Gasthof Zur Post. Ein herrlicher Biergarten mit alten Kastanienbäumen scheint auf hungrige und durstige Biker geradezu gewartet zu haben. Die Maschine parkt am Zaun, während die Besatzung sich das ausgezeichnete Essen schmecken lässt.

Ab Bayrischzell heißt die Straße Tatzelwurmstraße. Sie führt hinauf zum Skigebiet Sudelfeld und anschließend weiter zum Tatzelwurm, einem Berg, an dem einst ein Drache den Reisenden den Weg versperrt haben soll. Heute besorgen das die Behörden. Mit wechselndem Erfolg sperren sie an Wochenenden die 13 Kilometer lange Bergstraße zum 1.100 Meter hoch gelegenen Sudelfeld.

Gleich nach dem Sattel zweigt übrigens rechts ein Bergsträßchen ab. Es endet nach unzähligen Serpentinen auf einem Hochplateau mit mehreren Restaurants und bietet unterwegs wunderschöne Ausblicke ins Inntal und auf den Wendelstein.

Am Tatzelwurm biegen wir nach links auf ein mautpflichtiges Sträßchen ein und nehmen Kurs auf Brannenburg. Eng und holperig geht es im kleinen Gang an einem Bach entlang durch einen romantischen Wald. Ein Felsdurchbruch, und dann kommt auch schon das Ortsschild von Brannenburg in Sicht.

Der Rest der Tour führt dann auf den typischen windungsreichen Bauernstraßen des Voralpenlandes in einem großen Bogen über Bad Feilnbach, Hundham, Fischbachau, Hausham und Schliersee an den Tegernsee zurück. Die Ausschilderung ist nicht immer eindeutig, und man sollte immer wieder mal die Karte zu Rate ziehen. In Hilgenrain darf man nicht in Richtung Miesbach abbiegen, sondern muss den Abzweig nach Parsberg nehmen. An der nächsten T-Kreuzung geht es weiter nach Hundham und Fischbachau. Dann folgen Schliersee und Hausham. In Gmund ist das Ufer des Tegernsees erreicht, und damit hat sich die Rundtour geschlossen.

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