Anzahl der Aufrufe: 3518 Von der Müritz nach Schwerin Deutschland · Mecklenburg Vorpommern
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Tour erstellt am 23.04.2010
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Dass die Mecklenburger Seenplatte heute eines der besterhaltenen deutschen Naturschutzgebiete ist, verdankt sie kurioserweise den Parteibonzen der DDR. Die Herren vom Politbüro hatten nämlich an den Ufern der Müritz ihre Ferienhäuser und legten ein großes Interesse an den Tag, diese herrliche Landschaft nicht mit den Errungenschaften des real existierenden Sozialismus zu verschandeln.
Deshalb ist an den Mecklenburger Seen die Welt der Natur noch in Ordnung. Die Region ist von Landwirtschaft geprägt, Industrie gibt es kaum. Das Wasser in einigen Seen hat Trinkqualität. Über 1.000 Käfer-, 800 Schmetterlings- und 240 Vogelarten sind hier zu finden.
Deshalb ist an den Mecklenburger Seen die Welt der Natur noch in Ordnung. Die Region ist von Landwirtschaft geprägt, Industrie gibt es kaum. Das Wasser in einigen Seen hat Trinkqualität. Über 1.000 Käfer-, 800 Schmetterlings- und 240 Vogelarten sind hier zu finden.
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Rot: Partnerhäuser in der NähePlau, das 6.000-Einwohner-Städtchen am Ufer des Plauer Sees, ist wegen seiner ruhigen und idyllischen Lage der perfekte Ausgangspunkt zu einer Runde um die Seenplatte. Ein Stück nach Norden, in Karow rechts ab, einige Ausblicke auf den Plauer See, dann kommt Malchow in Sicht. Perle der Mecklenburger Seenplatte nennen die Malchower ihr Städtchen und übertreiben damit ganz und gar nicht. Malchow ist fast vollständig vom Wasser umgeben, der Malchower See schlängelt sich mitten durch die Altstadt. Über eine Drehbrücke gelangt man in den Stadtkern hinein, wo eine gepflasterte Ringstraße für ordentlich Unruhe im Fahrwerk sorgt. Hier wartet auch gleich der erste Pausentipp: Das Café Seeblick (rechts an der Straße), an dessen Terrasse die Boote anlegen.
Nördlich des Fleesen- und Kölpinsees rollen wir in Richtung Waren. Sandboden und Kiefernwälder lassen Gedanken an das Mittelmeer aufkommen. Träumen kann jedoch gefährlich werden. Denn immer wieder fordern unerwartete Kurven und gut getarnte Bahnübergänge die Bremsanlage heraus. Waren ist sozusagen die Hauptstadt der Mecklenburger Seenplatte. Wunderschön am Ufer der Müritz gelegen, hat es sich zu einem schmucken Fremdenverkehrsort herausgeputzt. Schon im 19. Jahrhundert reisten Adel und Bürgertum nach Waren, um hier standesgemäße Ferien zu verbringen. Und noch heute liegt eine Atmosphäre der Entspannung und Erholung über Waren. Der Tipp heißt deshalb: Sonnenuntergang. Man setzt sich einfach am Segelhafen auf eine Bank und genießt den Blick auf Boote und Abendrot. Zwischendurch holt man sich am Räucherkahn eine Portion Fisch - erstklassig und preiswert.
Von Waren nach Alt Schönau führt eine kleine, aber bestens präparierte Landstraße. Viel Ruhe, wenig Verkehr. In Alt Schönau zweigen wir links ab und zacken querfeldein über Schwinkendorf und Lupendorf nach Moltzow. Dort wartet ein Stück unberührte und faszinierende Natur: Die Kastanien-Allee, die vom alten Schloss zum Friedhof führt. Sie ist allerdings nicht leicht zu finden. Eine weitere, allerdings stärker befahrene Allee bringt uns nach Malchin. Von hier stammt ein gewisser Siegfried Marcus. Ihm sollten wir Motorradfahrer dankbar sein, denn Siegfried Marcus baute 1875 den ersten mit Benzin gespeisten Viertaktmotor. Apropos Verbrennung: Auf urige Weise lassen sich in der Gaststätte Moorbauer einige Kalorien verbrennen. Man biegt hinter Malchin Richtung Salem ab und folgt danach den Hinweisschildern zur Gaststätte. Dann wird man mit dem Kahn über den Fluss gebracht.
Eine fast kerzengerade Etappe auf der B 104 bringt uns nach Teterow. Bei diesem Namen schnalzen Rennsportfans schon lustvoll mit der Zunge. Ein Stück außerhalb von Teterow in Richtung Dalkendorf steht nämlich Europas schönste Grasrennbahn: der knapp zwei Kilometer lange Bergring. Berg, weil wir uns hier in der sogenannten Mecklenburgischen Schweiz befinden, deren Heidehügel sich bis zu einer Höhe von immerhin 100 Metern emporschwingen. Seit 1930 findet auf dem Teterower Bergring jedes Jahr das legendäre Pfingst-Rennen statt. Dabei erreichen die Fahrer Geschwindigkeiten von über 140 km/h und springen bis zu 30 Meter weit.
Wieder zurück in Teterow kann man entweder im romantisch auf der Burgwallinsel gelegenen Gasthaus Wendenkrug ein Päuschen einlegen oder direkt auf einer fahrerisch sehr attraktiven Landstraße Krakow und den Krakower See ansteuern. Auf ordentlichem, griffigem Asphalt windet sie sich zwischen den Hügeln der Mecklenburgischen Schweiz hindurch. Hinter Kuchelmiß lockt ein Naturweg zu einer 700 Jahre alten Wassermühle. Dort startet ein Naturlehrpfad durch das verwunschene Nebeltal, auf dem man sich sehr stimmungsvoll ein wenig die Beine vertreten kann.
Der Abstecher nach Krakow ist Pflicht. Denn der malerische Ort liegt direkt am See und ist von sechs Naturschutzgebieten umgeben. Alleine im Obersee brüten zehn Prozent aller deutschen Seeadler.
Am nördlichen Ortsausgang von Krakow zweigen wir links ab und fahren eine Weile quer über Land. Marienhof, Bellin und Zehna heißen die Stationen dieser abwechslungsreichen Wald- und Wiesenpartie auf schmalem Asphalt. Hinter Zehna nimmt uns wieder eine breite, gut ausgebaute Fahrbahn auf, und wir fahren am Inselsee durch die Hintertür nach Güstrow hinein. Güstrow hatte Glück. Die heutige Kreisstadt mit 40.000 Einwohnern blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen weitgehend verschont und wurde 1945 kampflos der Roten Armee übergeben. Prunkstück Güstrows ist sein Renaissance-Schloss. In dem imposanten Bau wohnte während des 30-jährigen Krieges der berühmte Feldherr Wallenstein. Zwischen 1963 und 1972 umfassend renoviert, dient das Schloss heute als Museum und Kulturzentrum. Außerdem sehenswert: Der Marktplatz und die Kirche, von deren Turm man einen tollen Ausblick hat. Ein paar hundert Meter weiter steht der Güstrower Dom. Der wird vor allem wegen Ernst Barlachs Plastik Der schwebende Engel oft besucht. Barlachs Werke galten bei den Nazis als entartet. Sie ließen viele von ihnen einschmelzen, um daraus Munition herzustellen.
Der rauhe Belag eines kleinen Nebensträßchens zieht unter der Maschine durch. Während wir über Lüssow, Bützow und Warnow das Städtchen Sternberg anvisieren, sind wir fast alleine unterwegs. Verkehr? Fehlanzeige. In Groß Raden lohnt sich ein Blick in eine perfekt restaurierte slawische Siedlung aus dem 9. Jahrhundert. Dann kommt Sternberg, die Stadt der Seen und Wälder in Sicht. Dieser Name ist keine Übertreibung, da Sternberg äußerst reizvoll mitten in einem waldreichen Seengebiet liegt.
Ein kurzes Stück B 104 folgt. Dann geht es ab Weitendorf wieder über kaum befahrenen, mit Kopfsteinpflaster durchsetzten Asphalt. Vor Langen Brütz überqueren wir die Warnow und rollen nach Schwerin hinein. Die Landeshauptstadt mit ihrem auf einer Insel im See gelegenen Schloss ist ein optischer Leckerbissen. Am Alten Garten die Maschine auf den Seitenständer stellen, sich auf eine Parkbank setzen und das Schloss im Sonnenuntergang betrachten - das ist ein würdiger Abschluss für diese Tour.
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