Anzahl der Aufrufe: 2584 Waldecker Land Deutschland · Hessisches Bergland


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 20.05.2010

Informationen zur Tour

Etwas Gold., sehr viel Wasser, romantisches Fachwerk und zirka 160 runde und sehr angenehm zu fahrende Motorradkilometer - das sind die Charakteristika der Tagestour durch das Waldecker Land. An der Landesgrenze zu Hessen gelegen, bildet das Waldecker Land quasi den Übergang vom Sauerland ins Hessische Bergland. Halb Westfalen, halb Hessen, haben sich die Menschen dieser Region über viele Jahrhunderte ihre Eigenarten bewahrt.

Was gibt es zu sehen im Waldecker Land? Da ist zunächst einmal der reizvolle Edersee mit seiner über 40 Kilometer langen Uferlinie. Dann warten die Fachwerkstädte Korbach und Frankenberg mit ihren hübschen Altstadtkernen. Ob man Gold unter die Augen bekommt, hängt sehr vom Glück ab. Unmöglich ist es jedoch nicht. Denn in Korbach befindet sich Deutschlands reichste Goldlagerstätte. Seit dem Mittelalter versuchen hier Goldgräber und Glücksritter der Erde ein wenig von dem Edelmetall abzutrotzen. Noch heute werden in der Region Probeschürfungen durchgeführt, da manche Experten meinen, die Vorkommen vor den Toren Korbachs seien noch lange nicht erschöpft. Wie auch immer - die Fahrt durch das Waldecker Land lohnt sich, auch wenn man kein Gold findet. Auf herrliche Landschaften und kurvenreiche Sträßchen stößt man in jedem Fall.

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Seine Einwohner rechnen die Kreisstadt Korbach zu den schönsten Städten Deutschlands. Und so ganz falsch liegen sie damit nicht. Auf Schritt und Tritt begegnet man den perfekt restaurierten, stummen Zeugen einer 1.000-jährigen Geschichte. Die alten Steinhäuser mit ihren Treppengiebeln aus dem 14. Jahrhundert, die Rolandfigur in einer Nische des Rathauses als Symbol für das Ansehen der alten Hansestadt, die ehemalige Waschkümpe, wo Korbachs Hausfrauen jahrhundertelang Wäsche wuschen - das alles sind lohnenswerte Ziele für einen Stadtbummel.

Wir verlassen Korbach auf der Bundesstraße 252 in südliche Richtung. Dass die 252er hier als Teil der Deutschen Fachwerkstraße fungiert, darf sich das Waldecker Land durchaus als Auszeichnung anrechnen. Wir folgen den Schildern in Richtung Marburg und Frankenberg. Die gut ausgebaute Bundesstraße mit ihren eleganten Bögen ist genau das Richtige zur Einstimmung. Mensch und Technik haben Zeit zum warm werden.

Der Streckenverlauf folgt den Windungen der Itter. Die Fahrt ist kurzweilig, und schon bald ist Herzhausen erreicht. Der Ort liegt am westlichen Ende des Edersees, den wir uns unbedingt genauer ansehen sollten. Der größte See Hessens gilt als Freizeitzentrum dieses Bundeslandes. Sein Wasser dient der Energiegewinnung und regelt den Pegel der Eder.

Abstecher Nummer eins führt nach Vöhl. Eine ca. sechs Kilometer lange Etappe mit Kurven allererster Sahne bringt uns zum Motorradtreff Werber-Eck. Der zweite Abstecher führt ans südliche Ufer des Edersees. Auf einer wunderschönen Uferstraße mit herrlichen Aussichten geht es nach Asel-Süd. Am Ende dieser Sackgasse laden eine Liegewiese zum Sonnenbaden und die Fluten der Talsperre zum kühlenden Bad ein.

Hinter Herzhausen überqueren wir die Ederbrücke und lenken das Motorrad nach rechts Richtung Lichtenfels/Buchenberg. Es geht nun mitten in die Hügel des Waldecker Landes hinein. Was ein Blick auf die Landkarte vermuten lässt, bestätigt sich in der Realität: Die nächsten Kilometer werden ein motorradfahrerisches Erlebnis. Einsam, schmal und zigfach gekrümmt kringelt sich das Sträßchen durch dichten Laubwald. Schräglagen am laufenden Band. In Buchenberg rechts ab Richtung Immighausen/Fürstenberg.
Jetzt überqueren wir eine Hochebene, die weite Panoramablicke über die Kuppen des Waldecker Landes bereithält. Getriebe und Bremsen haben eine kurze Pause. Doch schon hinter Fürstenberg geht der Tanz wieder los. Die zum Teil sehr engen Kehren der Straße nach Rhadern verlangen höchste Konzentration.

In Rhadern, einem Bauerndorf mit netten Fachwerkhäusern, peilen wir Dalwigksthal an. Das Wahrzeichen dieses Ortes, die oben auf einem Felsen thronende Burg Lichtenfels, ist schon aus der Ferne zu erkennen. Dann rollen wir in Dalwigksthal ein. Lust auf die erste Kaffeepause? Das Café/Restaurant Zur Waldeckschen Schweiz eignet sich dazu perfekt.

Zur Weiterfahrt überqueren wir die Orke und steuern die Maschine nach Sachsenberg. Dort Blinker rechts, und Teil zwei der Aktion Kurvenspaß im Waldecker Land folgt. Tolle Landschaftspanoramen paaren sich mit lang gezogenen Kurven, die aufgrund der gut ausgebauten Landstraße zügig durchfahren werden können. Der Verkehr hält sich in dieser Ecke in Grenzen, und wir können die Schräglagen unbeschwert genießen.

Über Neukirchen und Braunshausen erreicht die Route Rengershausen. Weiter Richtung Frankenberg. Ein Sträßchen zackt verwegen durch den Wald und fordert zu zügiger Gangart auf. Eine Zeit lang geht das gut. Doch auf einmal verwandelt sich die ebene Fahrbahndecke in einen von Schlaglöchern übersäten Flickenteppich. Sofort in die Eisen. Und mit entsprechend reduzierter Schlagzahl nähern wir uns Frankenberg.

Das romantische Städtchen Frankenberg gehört auf einer Rundfahrt durch das Waldecker Land zum absoluten Muss. Ein Stadtbummel ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter. Die Liebfrauenkirche als Wahrzeichen Frankenbergs thront hoch oben über der Stadt. Eine architektonische Besonderheit stellt das Rathaus aus dem Jahr 1509 dar. Es wird von zehn Türmen geschmückt und zählt zu den schönsten Rathäusern Deutschlands. Rund um den Marktplatz stehen jede Menge Restaurants und Cafés. Da fällt die Entscheidung, noch eine Weile zu bleiben, nicht schwer.

Wir verlassen das gastfreundliche Frankenberg und folgen hinter der Stadtgrenze den Wegweisern in Richtung Winterberg/Hallenberg. Blitzartig wird die Gegend ländlich. Schöne Ausblicke auf die weitläufige Region begleiten uns auf dieser gut ausgebauten Etappe mit ihren lang gezogenen Kurven. In Somplar überqueren wir das Flüsschen Nuhne und halten auf Hallenberg zu.

Die kleine Stadt an der Südseite des Rothaargebirges wurde im 12. Jahrhundert als kurkölnische Grenzfestung gegen Waldeck, Wittgenstein und Hessen errichtet. Obwohl Hallenberg mehrfach zerstört wurde und einigen Feuersbrünsten zum Opfer fiel, blieb der historische Ortskern mit seinen sehenswerten Fachwerkhäusern erhalten.

Die Route peilt nun Richtung Süden. Sie klinkt sich auf die B 236 nach Bromskirchen ein und steuert auf Allendorf/Battenberg zu. In Allendorf verlässt sie die B 236 und biegt rechts ab nach Battenberg. Der hoch über der Eder liegende Ort hat seinen Namen bis ins englische Königshaus getragen und den Lords of Mountbatten ihren Titel gegeben.

Die Eder weicht nun auf den folgenden Kilometern keine Handbreit von der Fahrbahn. Wir durchqueren den Luftkurort Dodenau und folgen dem Straßenverlauf Richtung Reddighausen und Holzhausen. Ständig geht es dicht am Wasser entlang. Bis Hatzfeld schlängelt sich die Etappe durch dunklen, tiefen Wald.

In Elsoff wird es richtig eng. Dicht gedrängt stehen die Fachwerkhäuser an der ohnehin schon engen Dorfstraße und machen die Ortsdurchfahrt zur Gefühlssache.

Auf dem grob geflickten Asphalt eines Bauernsträßchens visieren wir Hallenberg an. Immer wieder sorgen Bodenwellen für Unruhe im Fahrwerk. Lange Federwege und ein gutmütiges Fahrverhalten sind für diese Strecke die besten Voraussetzungen. Wegen des geringen Verkehrs und der guten Voraussicht kommt unter dem Strich trotz miserabler Fahrbahn ein flotter Schnitt heraus.

Wir passieren Diedenshausen mit seinem wunderschönen Fachwerk-Ensemble und werfen lange Blicke auf den Hallenberger Wald und den Naturpark Rothaargebirge.

Das Städtchen Hallenberg ist weit über die Grenzen des Sauerlandes bekannt. Nicht etwa wegen baulicher oder landschaftlicher Besonderheiten. Es ist die Hallenberger Freilichtbühne mit ihrer über 80 Meter breiten Spielfläche, die für Furore sorgt. Ganz gleich ob Märchen, Schwank oder Matthäuspassion - fast alle Vorstellungen sind ausverkauft.

Eine kurze Bundesstraßenetappe folgt, dann biegen wir rechts ab nach Medebach/Liesen. Zwischen Liesen und Hesborn schraubt sich die Fahrbahn in vielen knackigen Kurven den 757 Meter hohen Bollerberg hinauf. Oben schweift der Blick weit über die Medebacher Bucht. Nach einigen Kilometern treffen wir auf die Orke und begleiten sie eine Zeit lang. Dann kommt Medebach in Sicht. Die 800 Jahre alte Stadt war einst Mitgliede der Hanse und lebt heute noch ganz gut von dieser Zeit.

Korbach, der Schlusspunkt der Tour, naht schon, doch zuvor drängt sich ein Abstecher nach Goldhausen auf. Der Ort trägt diesen Namen zu Recht, den der Eisenberg in seiner Nähe weist Deutschlands reichste Goldlagerstätte auf. Aber der Berg hält seinen Schatz fest und gibt ihn nur Krümelweise ab. Es sind ganz winzige Goldstückchen, die in den dünnen Gesteinsschichten gefunden werden. Seit über 500 Jahren graben sich die Goldsucher in den Berg hinein.

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