Anzahl der Aufrufe: 3538 Zwischen Kempten und Bodensee Deutschland · Bodensee/Oberschwaben
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Tour erstellt am 23.04.2010
Informationen zur Tour
Wenn der Allgäuer die Schönheit seines Landes verdeutlichen will, erzählt er gerne die Legende von Jesus und dem Teufel. Dieser wollte nämlich Jesus eines Tages das Paradies auf Erden vortäuschen und ihm zu diesem Zweck ein ganz besonders schönes Stück Land zeigen. Der Teufel führte Jesus daraufhin auf einen Berg im Allgäu. Jesus ließ sich selbstverständlich nicht austricksen. Doch allein die Tatsache, dass der Teufel für sein Vorhaben das Allgäu ausgewählt hatte, spricht für sich.
Und tatsächlich hält diese Voralpen-Region im Süden Deutschlands eine Vielzahl optischer Highlights bereit: Sanfte Hügel, hohe Berge, stille Täler, weite Wälder. Besonders romantisch zeigt sich das Allgäu in seinem westlichen Teil. Die Region zwischen Kempten und dem Bodensee ist geradezu gespickt mit hübschen Ortskernen und historischen Altstädten. Dazu kommen verschlungene, meist nur wenig befahrene Landstraßen. Wer also ganz gemütlich durch eine paradiesische Landschaft touren will, ist hier goldrichtig.
Und tatsächlich hält diese Voralpen-Region im Süden Deutschlands eine Vielzahl optischer Highlights bereit: Sanfte Hügel, hohe Berge, stille Täler, weite Wälder. Besonders romantisch zeigt sich das Allgäu in seinem westlichen Teil. Die Region zwischen Kempten und dem Bodensee ist geradezu gespickt mit hübschen Ortskernen und historischen Altstädten. Dazu kommen verschlungene, meist nur wenig befahrene Landstraßen. Wer also ganz gemütlich durch eine paradiesische Landschaft touren will, ist hier goldrichtig.
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Rot: Partnerhäuser in der NäheAls Ausgangspunkt empfiehlt sich die älteste Stadt Deutschlands: Kempten. Im Tal der Iller gelegen, ist Kempten nicht nur Hauptstadt des Allgäus, sondern gleichzeitig auch eine der reizvollsten Städte der Region. Von der Umgehungsstraße aus folgt man zunächst dem Schild historisches Zentrum und rollt anschließend auf Kopfsteinpflaster bis direkt zum Marktbrunnen. Die gesamte Altstadt Kemptens ist verkehrsberuhigte Zone und darf im Schritttempo jederzeit befahren werden. Hier am Brunnen heißt es nun, das Bike abstellen, den Blick über die verzierten Fassaden der Bürgerhäuser schweifen lassen und das prächtige Rathaus ein wenig genauer betrachten. Man kann sich dazu natürlich auch in eines der Straßencafés setzen. Wer noch nicht gefrühstückt hat – hier kann er es besonders malerisch nachholen.
Ist der Kaffee-Durst gestillt, geht es weiter in Richtung Buchenberg. Hierzu verlassen wir Kempten in westlicher Richtung und landen automatisch auf einer perfekt ausgebauten Landstraße, die in sauberen, runden Kurven schnell an Höhe gewinnt. Schräglagenspaß am Morgen – das passt. Hinter Buchenberg folgt die Strecke dem Flüsschen Argen und lässt uns ausgiebig Zeit, die Gegend zu betrachten. In Nellenbruck beginnt ein interessanter Schlenker nach Süden, der auf engem und kurvigem Asphalt über die Orte Silbratshofen, Elbratshofen, Grünenbach und Maierhöfen zum nächsten Zwischenstopp führt.
Und der heißt Isny. Das Städtchen mit seinem mittelalterlichen Kern bietet einen einzigartigen Anblick: Eine Insel aus roten Ziegeldächern inmitten eines Ozeans aus grünen Almwiesen. Dazwischen die fürs Allgäu typischen Zwiebelkirchtürme, am Horizont die Alpen. Da die komplette Altstadt nur für Fußgänger geöffnet ist, empfiehlt es sich, zunächst auf der Hauptstraße zu bleiben und dann in Höhe einer Sportanlage rechts abzubiegen. Diese Straße führt durch das nördliche Stadttor direkt zu einem Parkplatz, von dem aus das Zentrum mit wenigen Schritten erreicht ist.
Die Bundesstraße 12, die nun weiter in Richtung Wangen führt, ist nur dem Namen nach eine schnöde Schnellstraße. In Wirklichkeit entpuppt sie sich als kurvenreiche Strecke mitten durch ein idyllisches Bauernland. Gehöfte, Ortschaften und Kirchtürme ziehen vorüber. Dunkelbraune Kühe stehen auf prallen grünen Weiden. Es riecht nach Gras, Heu und frisch geschlagenem Holz. Kurz vor Wangen dann zweigt ein schmales Sträßchen nach rechts ab und bringt uns über Staudach und Schwarzenberg direkt an die Stadtmauer der ehemals freien Reichsstadt.
Wangen hat nicht umsonst den Ruf, eine überaus freundliche Stadt mit fast mediterranem Flair zu sein. Wer zu Fuß oder im Motorradsattel durch die Gassen der Altstadt bummelt, lässt sich schnell von der friedlichen und entspannten Atmosphäre einfangen. Man folgt am besten dem Schild Zentrum/historische Altstadt und erreicht den Beginn der Fußgängerzone, wo einige Straßencafés und genügend Parkplätze wie gerufen kommen. Denn der Blick über die Kaffeetasse auf die vielen wunderschönen Häuser Wangens hat schon was. „An Wangen bleibst Du hangen“, sagt ein Allgäuer Sprichwort. Stimmt.
Durch das Stadttor verlassen wir Wangen und nehmen Kurs auf Tettnang. Ein kurzes Stück breite Bundesstraße folgt. Falsch? Nein, richtig. Denn kurz darauf zweigt eine ruhige Nebenstrecke von der Hauptroute ab. In sanften Kehren umzirkelt der griffige Asphalt die Allgäuer Hügel. Entspannung für Gas, Geist und Seele. Niederwangen, Primisweiler und Neukirch heißen die Stationen.
Allmählich geht nun das bayerische ins schwäbische Allgäu über. Aus Hügelland wird Ackerland, aus Almwiesen werden Obstplantagen. Kaum ein Quadratmeter, der nicht in irgendeiner Weise landwirtschaftlich genutzt wird. Tja, die Schwaben eben. Doch die können nicht nur schaffen, sondern auch trinken. Und zwar Bier. Der Beweis: Die unzähligen Hopfenfelder rund um die Stadt Tettnang. Kilometerlang fährt man an diesen hohen grünen Mauern entlang. Wie Stadtmauern, nur friedlicher. Tettnang selbst ist mit seinem Schloss und seinem historischen Kern immer einen Zwischenstopp wert. Die Zufahrt zur City zweigt nach rechts ab, und auf demselben Weg geht es wieder zurück.
Auf einer Landstraße der Marke schmal, einsam und idyllisch fahren wir in Richtung Langenargen weiter. Wichtig: Nicht die Hauptroute nach Friedrichshafen nehmen. Kurz vor Langenargen kommt der Bodensee in Sicht. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt: Eilige nehmen die B 31 als Direktverbindung nach Lindau. Wer Zeit hat und etwas vom Bodensee sehen will, sollte hingegen die Uferstraße über Nonnenhorn und Wasserburg benutzen.
Lindau ist der ultimative Tipp für die Mittagspause auf dieser Tour. Denn so hübsch am Wasser wie auf Lindaus Uferpromenade sitzt man wohl nirgendwo. Mit welchen Superlativen wurde Lindau nicht schon bedacht. Insel im Schwäbischen Meer nennt man es, auch Kulturstadt im Grünen. Und das Beste ist: Alle Schwärmereien stimmen. Wer Lindau sagt, meint eigentlich die auf einer Bodensee-Insel liegende Altstadt. 4.000 der 25.000 Einwohner leben hier. Als Besucher auf zwei Rädern fährt man über den Damm hinüber zur Insel, lässt sich von diversen Parkplatzschildern nicht beirren und folgt in einem weiten Bogen der Hauptstraße bis an deren Ende. Hier steht Lindaus Bahnhof, und hier beginnt die Seepromenade. Die Maschine parkt entweder auf einem regulären Parkplatz oder vorn an der Verkehrsinsel, wo sich eine Art geduldeter Motorradparkplatz etabliert hat. Achtung: Die Parkuhren gehen nur 30 Minuten lang. Dann kann man am Bodensee-Ufer entlang spazieren, die Hafeneinfahrt mit Löwe und Leuchtturm bewundern und sich in eines der vielen Cafés setzen. Unser Tipp: Das Hotel Reutemann mit seiner herrlichen Terrasse. Man hat die Auswahl zwischen knackigen Salaten, schwäbischen Spezialitäten und Leckereien wie Milchreis. Der Blick geht direkt auf die Hafeneinfahrt, an der vor allem im Sommer ein Betrieb wie am Mittelmeer herrscht.
Hinter der Grenze liegt der österreichische Ort Lochau. Dort biegen wir links ab in Richtung Eichenberg und landen auf einer traumhaften Bergstrecke. Die führt in einem halben Dutzend Serpentinen hinauf zu dem Ort Eichenberg. Ein kurzer Stopp hier oben ist obligatorisch – wegen der einmaligen Aussicht auf den Bodensee. Am Ortseingang steht übrigens ein Restaurant mit Panorama-Terrasse. Wem in Lindau zu viel los ist, der findet hier seine Ruhe. Eine Etappe durch Wald und Wiesen folgt. Kurve an Kurve, rauf und runter. Als ob die Straße sich durch die Hügel fräsen würde. Kurz hinter Scheidegg klinkt sie sich auf deutschem Boden wieder in die Hauptverbindung Lindau – Sonthofen ein.
Das nächste Stück bis Oberstaufen entpuppt sich als Panorama-Etappe der feinsten Sorte. Auf der rechten Seite liegt das gewaltige Panorama der Allgäuer und Österreichischen Alpen, links das Meer der grünen Almwiesen. Eine echte Postkarte. Der Asphalt würdigt diese Ausblicke, indem er sich nur leicht gewunden und bestens präpariert gegen Osten zieht. Ein toller Pausen-Tipp ist der Rastplatz Paradies kurz vor Oberstaufen, von wo man einen sehr schönen Rundblick hat.
Der 7.000-Seelen-Ort Oberstaufen wurde durch eine ganz spezielle Heilmethode weltberühmt: die Schrothkur. Sie greift auf das Prinzip der feuchten Wärme zurück. Dazu wird der Patient in kalte Tücher gewickelt, die sich am Körper erwärmen. Erfunden hat die Schrothkur der schlesische Arzt Johann Schroth im Jahre 1820. Hinter Oberstaufen erklimmt die Bundesstraße einige Höhenmeter und führt dann mitten durch ein Hochtal. Schöne Ausblicke nach links auf die Salmaser Höhe und nach rechts auf den Hochgrat folgen. Wie ein dunkelblauer Tintenfleck taucht dann plötzlich der Alpsee auf. Schilf wogt bedächtig an seinem Ufer, das klare Wasser lädt zum Baden ein. Wie? Einfach rechts ranfahren, das Bike abstellen und zehn Meter zu Fuß zum See gehen.
Mit Immenstadt wartet kurz nach dem Alpsee eine der ältesten Tuchmacher-Städte Deutschlands. Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert war Immenstadt berühmt für seine aufwendig gewebte Leinwand. Doch dann kippten billige Importe aus den Kolonien den gesamten Allgäuer Stoffmarkt. In der Stadtmitte folgt man der Ausschilderung Blaichach, biegt jedoch kurz vor diesem Ort in Richtung Rettenberg ab. An der nächsten Kreuzung links ab nach Sulzberg, und schon sind wir wieder mitten drin in der Allgäuer Almenlandschaft. Kuh-Land. Schmale, griffige, von Weidezäunen flankierte Sträßchen, Kurven im Überfluss, Hügel, Senken – das macht Laune. Die Kehren sind gut einsehbar, vollführen keine unerwarteten Richtungsänderungen und erlauben zusammen mit dem geringen Verkehrsaufkommen einen flotten Strich.
Vorbei am Sulzberger See erreichen wir schließlich wieder Kempten, den Ausgangspunkt dieser malerischen und idyllischen Tour. Fazit: Mag Jesus hier dem Teufel widerstanden haben – als Motorradfahrer verfällt man nur allzu leicht diesem paradiesischen Stück Erde.
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