Anzahl der Aufrufe: 375 Vorarlberg Österreich · Vorarlberg


Diese Tour bewerten Tour erstellt am 23.04.2010

Informationen zur Tour

Geheimtipp Vorarlberg: Auf kurvenreichen Sträßchen durch abgelegene Berge und Täler.

Sie nennen ihr Bundesland liebevoll Ländle. Und mit dem verkleinernden „le“ liegen die Vorarlberger ziemlich dicht an der Wahrheit. Mit seinen 2.600 Quadratkilometern ist Vorarlberg nach der Bundeshauptstadt Wien das flächenmäßig kleinste Bundesland Österreichs. Auch seine Bevölkerungszahl von 355.000 Köpfen wird nur noch vom Burgenland unterboten.

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Rot: Partnerhäuser in der Nähe



Doch was sind schon nackte Ziffern? Was zählt, ist das was man sieht. Und genau das ist in der westlichsten Ecke Österreichs vom Feinsten. Eine Landschaft wie gemalt. Abwechslung pur. Der südliche Bregenzer Wald mit seinen hochalpinen Gipfeln, das Rheintal mit seinen Obstwiesen, der nördliche Bregenzer Wald mit seinen Hügeln und Tälern.

Zum unbeschwerten Motorradfahren ist dieses Ländle geradezu der ideale Tatort. Denn die großen Touristikrouten führen entweder schnurstracks durch Vorarlberg hindurch oder gleich daran vorbei. Es sind selbst in der Hochsaison nicht gerade viele Urlauber, die sich in so abgelegene Flecken wie das Laternser oder das Große Walsertal verirren. So bleibt also genügend jungfräulicher Asphalt für uns Biker übrig. Völlig stressfrei durch eine höchst abwechslungsreiche Bergwelt kurven – so lautet das Motto einer Vorarlberg-Tour.

Wer die Runde von Landeck aus startet, überquert zunächst den Arlberg. Am reizvollsten ist natürlich die Landstraßenvariante, die auf kurvigem Asphalt neben der vierspurigen Schnellstraße herführt. Der Fahrspaß macht den Zeit-Mehraufwand bei weitem wett. Der 1.793 Meter hohe Arlbergsattel ist schnell erreicht, und dann beginnt die Abfahrt hinab ins Klostertal. Eine Abfahrt, die es in sich hat. Fahrerisch und landschaftlich. Das Auge saugt sich an dem Anblick der hochalpinen Vegetation mit ihren grünen Matten und grauen Felsen fest. Schroff, steil, gewaltig. In der Ferne eisbedeckte Gletscher. So stellt sich unsereins die Alpen vor.

Unter uns kringelt sich die Paßssstraße als schwarze Schnur talwärts. Schon von oben ist zu erahnen, wieviel Fahrspaß diese runden und perfekt ausgebauten Kehren bringen. Die Gashand kribbelt bereits, und die linke Fußspitze schaltet sich per Trockenübung schon einmal warm. Dann folgt der Sprung in die Traum-Abfahrt. Von einer Schräglage zur anderen. Gasgeben, schalten, bremsen. Mit dem Mittelstrich auf du und du. Irgendwann verschwindet die letzte Kurve im Rückspiegel, und aus dem Schräglagensammeln wird ein beschauliches Dahingleiten. Klösterle, der Namenspatron des Tales, taucht auf. Jetzt nicht aus Versehen in die Schnellstraße einbiegen, sondern brav auf dem Landsträßchen bleiben, das in gemütlichen Kurven und Bögen dem Lauf des Flusses Alfenz folgt. Gemächliches links-rechts, entspanntes rauf-runter. Dalaas mit seiner markanten roten Kirchturmspitze taucht auf. Ein hübscher, ruhiger Ort. Bei Braz folgt ein kurzer Zwangsumstieg auf die Vierspurige, dann rollen wir nach Bludenz hinein.

Die 14.000 Einwohner zählende Bezirkshauptstadt liegt strategisch günstig am Schnittpunkt von fünf Vorarlberger Tälern und war deshalb schon in grauer Vorzeit ein beliebter Siedlungsplatz. Kelten, Römer, Habsburger – alle saßen schon hier und knöpften Reisenden und Händlern Wegzoll ab. Vorbei an zahlreichen Industrie- und Gewerbebauten geht es den Schildern Bregenz/Brand nach. Riecht es da nicht nach Schokolade? Es tut. In Bludenz steht nämlich eine Suchard-Fabrik. Also ihr Naschkatzen: auf zum nächsten Kiosk.

An der folgenden Gabelung geht es nicht nach links, sondern rechts ab in Richtung Nüziders. Rechter Hand zieht eine steile Felswand vorbei, danach folgen wir der Landstraße Nr. 193 nach Thüringen/Ludesch. Nun beginnt das Große Walsertal. Ein Tal, in dem man den sanften Tourismus gar nicht erst erfinden musste. Schon immer gingen die Uhren hier anders als in den klassischen Urlauberregionen Österreichs. Dieses Tal ist die Heimat der einsamen Bergbauernhöfe, der kleinen Pensionen und der idyllischen Ortschaften. Was außer Ruhe soll man auch erwarten in einem Gebirgstal, in dem ein Ort Sonntag heißt?

Mit einer griffigen Asphaltdecke versehen, erklimmt die Straße die Flanken des Tales. Kurve an Kurve. Tolle Ausblicke, wenig Verkehr. Letzteres reizt zum Gasgeben. Doch sollte man wegen der vielen blinden Kehren immer auf der Hut sein. Ein paar Serpentinen, ein Blick auf die Rote Wand, den Hausberg des Großen Walsertales, dann zieht das Ortsschild von Fontanella vorüber. Steil klebt der „kleine Brunnen“ am Fels, sein Wahrzeichen, die grüne Kirchturmspitze, hat er dabei kühn in die Luft gereckt.

Ein halbes Dutzend Serpentinen folgen. Dann ein paar Kilometer gut asphaltiertes Geschlängel. Schließlich stehen wir auf dem 1.486 m hohen Sattel des Faschinajochs. Dessen Skilifte haben im Sommer natürlich Pause. Dafür sind die Pass-Restaurants offen und machen einen kurzen Stopp unumgänglich. Bräunen und Entspannen auf einmal. Einige Kehren führen hinab zum Skiort Damüls. Auch hier warten mehrere schöne Gasthöfe wie z. B. der „Adler“ auf Gäste mit Vorliebe für Aussichtsterrassen. Damüls gibt sich außerdem sehr motorradfreundlich und tischt uns eine mit Spitzkehren gespickte Durchgangsstraße auf. Guten Appetit.

Am Schild Furkajoch biegen wir nach links ab und klinken uns in eine astreine Kurvenstrecke der Marke schmal, griffig und übersichtlich ein. Zuerst folgt sie eine Weile den Konturen des Berges, um dann im Schlussspurt das 1.761 Meter hohe Furkajoch zu besteigen. Genauso phantastisch geht es auf der anderen Seite ins Laternser Tal hinab. Ein Kurventraum. Radien jeglicher Größe. Und kein Ende. Die Fahrbahn ist mal schmal, mal sehr schmal. Mal eben, mal holperig. Aber immer gewährt sie den Reifen perfekten Grip. Wie im Rausch schwingen wir durch dieses Hochtal, das uns wie eines der letzten Paradiese erscheint. Hier fühlt man sich mit der Natur im Einklang, hier dürfen sich Geist und Seele so richtig erholen.

Kurz vor Rankweil bringt uns der Blick nach unten ins Rheintal wieder in die Realität zurück. Die alte Festungsstadt Feldkirch mit ihren Mauern und Türmen wacht seit 850 Jahren über diesen Verkehrsknotenpunkt am Zusammenfluss von Ill und Rhein. Apropos Knoten: Unten in Rankweil heißt es erst einmal, sich dehnen und strecken und die Muskeln lockern. Denn das waren fast 25 Kilometer Abfahrt.

Zeit für die Mittagspause. Da kommt eine Dorfgaststätte wie der „Adler“ am Ortsausgang von Sulz-Röthis genau richtig. Parkplatz vor dem Haus, drinnen sitzt der Dorfadel beim Bier. Mutter und Tochter bringen täglich ein spezielles Mittagsmenü auf den Tisch. Es besteht aus Suppe, Hauptspeise und Salat. Alles ist knackfrisch und schmeckt vorzüglich.

Ein Dutzend runder und schön ausgebauter Kurven führen nach Götzis. Dort geht es am Kreisverkehr weiter in Richtung Dornbirn. Die ruhige Streckenführung läßt viel Zeit, um den Blick nach links zum Rheintal und nach rechts zu den Ausläufern des Bregenzer Waldes schweifen zu lassen. Dann kommt Dornbirn in Sicht. Mit seinen 42.000 Einwohnern ist es die größte Stadt Vorarlbergs und gleichzeitig dessen wirtschaftliches Rückgrat. Dornbirn entwickelte sich nämlich im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Zentrum der Textilindustrie. Auch heute noch beherrschen Industriebauten das Stadtbild. Deswegen ist Dornbirn noch lange nicht hässlich. Im Gegenteil. Die altmodischen Unternehmervillen, Arbeitersiedlungen und Fabriken aus der Gründerzeit geben Dornbirn ein ganz besonderes Flair.

Am Stadtausgang folgen wir dem Schild Bregenzer Wald/ Bödele und gelangen auf eine Panoramastrecke der Kategorie Extraklasse. Steil und kurvig erklimmt sie die ersten Höhenzüge des Bregenzer Waldes und verwöhnt mit einmaligen Blicken runter nach Dornbirn und hinüber zur silbernen Scheibe des Bodensees. Erst im hoch gelegenen Ort Bödele ist das kombinierte Fahr-/Schauvergnügen zu Ende. Hier stehen ein paar sehr nette Cafés, die den kurzen Stopp geradezu herausfordern. Danach folgt die Route wie ein Stück schwarze gekringelte Schnur den Konturen des Berges. Sie umkurvt pralle grüne Almwiesen und klinkt sich schließlich hinter Schwarzenberg in die zum Hochtannbergpass führende Hauptstrecke ein.

Hier wird nun deutlich sichtbar, wie sich der Bregenzer Wald vom braven Mittelgebirge in eine hochalpine Alpenlandschaft verwandelt. Die Berge links und rechts werden immer höher, bis schließlich in der Ferne die ersten Gipfel mit weißen Kappen zu erkennen sind. Auf breitem Asphalt schwingen wir gemächlich in Richtung Hochtannbergpass. Weite, lang gezogene Bögen. Kleine, idyllische Fremdenverkehrsorte wie Bezau, Mellau und Schoppernau ziehen vorüber. Aber was heißt im Bregenzer Wald schon Fremdenverkehr? Hier existierte immer schon eine unaufdringliche Art des Tourismus. Bauernhäuser, Dorfgasthöfe und Familienhotels prägen die Landschaft, Bettenburgen? Fehlanzeige. Es gibt sie nirgends. Im Bregenzer Wald weiß der Gast immer ganz genau, wo morgens sein Frühstücksei herkommt.

Die Auffahrt zum 1.679 Meter hohen Hochtannbergpass ist ein Leckerbissen. Die ersten Kilometer nach Schoppernau laufen noch zügig durch. Breite Fahrbahn, flotte Wechselkurven. Dann aber geht es zur Sache. Eine Serpentine jagt die nächste. Kehre an Kehre schwänzelt die nun immer schmaler werdende Passstraße dem Himmel entgegen. Das letzte Stück wird beinahe zum Kurvengewitter, dann rollt die Maschine über den Sattel des Passes. Die Flanke des Widdersteins glänzt im Abendlicht und sieht aus wie ein in Falten geworfener, großer grüner Vorhang. Eine kurze Bergabpassage mit zwei Galerien folgt, dann sehen wir unten im Tal den Wintersportort Warth liegen.

Rechts ab in Richtung Lech. Wieder Vorhangfalten. Kurvenspaß ohne Ende. Oder besser gesagt: bis Lech. In der Mitte des herrlich gelegenen Skidorfes warten einige gemütliche Cafés auf pausebedürftige Biker. Helm ab, Sonennbrille auf und Blick hinüber zu den ringsum aufragenden Berggipfeln. Anschließend geht es unspektakulär, aber landschaftlich reizvoll hoch zum Flexenpass (1.773 Meter). Danach folgt eine Passage wie eine Geisterbahn. Durch die zum Teil stockdunklen Lawinen-Galerien der Flexenstraße geht es kurvenreich hinab zum Ausgangspunkt der Tour.

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