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    Deutschland / Thüringen-Thüringer Wald
    Man nennt ihn auch gerne das grüne Herz Deutschlands, denn der Thüringer Wald liegt zentral in der Mitte der Republik. Schmale kurvenreiche Sträßchen verbinden kleine gemütliche Ortschaften und machen die Region zu einem echten Motorradparadies. Die Schleife startet in Saalfeld, der Stadt der Felsgrotten. 1914 dem Publikum zugänglich gemacht, halten sie ein farbenfrohes Tropfsteinerlebnis bereit. Ein Schlenker über die Saalfelder Höhe bringt uns nach Bad Blankenburg zum Einstieg ins Schwarzatal. Und das hat es in sich: 20 Kilometer lang Kurve an Kurve. Radien aller Art, Schräglagen wie am Fließband. Der bucklige Belag fordert das Fahrwerk heraus. Vier Kilometer hinter Mellenbach rechts ab nach Großbreitenbach und weiter nach Neustadt am Rennsteig. Die Fahrbahn wird schmaler, ihr Belag kaum besser. Neustadt mit seiner hübschen Schieferkirche ist einer der zahlreichen Einstiege in den berühmtesten Wanderweg Ostdeutschlands. 168 Kilometer lang führt der Rennsteig in 700 bis 900 Metern Höhe über den Kamm des Thüringer Waldes. Seinen Namen hat er von dem Wort Rain, was soviel wie Grenze heißt und die zwischen Thüringen und Franken meint. In Schmücke biegen wir rechts ab und gelangen über Gehlberg hinauf zum 780 Meter hoch gelegenen Wintersportort Oberhof. Kurven im Überfluss, schmale Fahrbahn, ein nicht mehr enden wollender Motorradspaß. Ab Ohrdruf rollen die Räder auf dem gepflegten Asphalt der B 88. Die Attraktion Ohrdrufs ist zweifellos der mit großem Aufwand rekonstruierte Tobiashammer. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1482. Bei Führungen werden sämtliche Maschinen und Geräte in Betrieb gesetzt, sogar eine 12.000 PS starke Dampfmaschine. Auf Tabarz folgt Eisenach. Durch Eisenach zu fahren, ohne auf der Wartburg gewesen zu sein, wäre Frevel. Also klinken wir uns in den Strom der Besucher ein und erklimmen zu Fuß die Burg, auf der Luther zwischen 1521 und 1522 in nur zehn Monaten das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Die Wartburg selbst ist hervorragend restauriert, die Aussicht von den Mauern wunderschön, das Essen auf der Südterrasse gut und preiswert. Durch die malerische Drachenschlucht geht es auf der B 19 nach Etterwinden und von dort auf einem klitzekleinen Bergsträßchen hinauf nach Ruhla. Motorradspaß vom Feinsten. Schmale Fahrbahn, rauer Belag, zackige Kehren. Die Strecke führt durch dichten Wald, Lichtreflexe tanzen auf der Straße. Auf holperigem Asphalt kurven wir nach Süden, passieren den Rennsteig und kommen nach Brotterode. Jetzt keinesfalls geradeaus weiter nach Kleinschmalkalden, sondern Blinker links, und ab geht die Post hinunter nach Tabarz. Ein Kurventanz der Extraklasse. In Tabarz Blinker rechts, hinüber nach Friedrichroda und dort wieder rechts ab hinauf nach Kleinschmalkalden. Außer Atem? Kein Wunder – bei den vielen Kehren. Die folgende Etappe bis Schmalkalden verläuft ruhiger. Doch dann geht es gleich wieder zur Sache: Wir zweigen nach Steinbach-Hallenberg ab, halten uns ein Stück Richtung Oberhof, überqueren dann den Ruppberg und fallen schließlich nach Zella-Mehlis ein. Sieben Kilometer weiter liegt Suhl. Klarer Fall: Hier lockt das Motorradmuseum des Simson-Werks. Rund 120 Motorräder, Roller, Fahrräder und Autos stehen bereit. Die komplette Simson-Palette ist ebenso dabei wie die Ur-Awo von 1949, nie produzierte Prototypen sowie die Sportbikes der Welt- und Europameister. Wir legen die Maschine in eine Serie Kehren und Serpentinen und rauschen hinauf zum Rennsteigort Schmiedefeld. Dort verabschiedet sich die Route für die nächsten paar Stunden vom breiten Asphalt der Durchgangsstraßen und nimmt sich quasi die Innereien des Thüringer Waldes vor. Dazwischen liegen ungezählte Kurven, herrliche Schräglagen und phantastische Landschafts-Panoramen. Denn bei allem Fahrspaß sollte man nie die optischen Reize des Thüringer Waldes aus den Augen verlieren. Auf der B 89 lassen wir es ausrollen und steuern Sonneberg an. Der hübsche Ort ist seit dem 16. Jahrhundert berühmt für seine Spielzeugherstellung. Markenzeichen: das Sonneberger Reiterlein. Ein absolutes Muss ist deshalb der Abstecher ins Spielzeugmuseum. Ab Sonneberg schlängelt sich die Route an der Steinach entlang nach Lauscha. Eine ruhige Etappe. Wer sich für Glasbläserei interessiert, sollte zwischen den schieferverkleideten Häusern von Lauscha den Zündschlüssel abziehen. In der dortigen Farbglashütte darf man den Bläsern über die Schulter sehen. Hinter Lauscha wird es dann nochmal richtig interessant: Kurvig und aussichtsreich windet sich die Strecke über Ernstthal und Spechtsbrunn hinüber nach Gräfenthal. Dort trifft sie auf die nach Probstzella führende Hauptstraße. Ein Stück B 85 folgt. An der nächsten Kreuzung rechts ab nach Leutenberg. Denn dort wartet der gastronomische Höhepunkt der Tour: der Sormitzblick. Jana und Marc Dütthorn verwandelten das ehemalige FDGB-Ferienheim in eine gemütliche Biker-Herberge. Auf der Speisekarte stehen Auspuffrohr, Bremsklötze und Beschleuniger, das Bier fließt aus einem Boxermotor. Roadbook: Saalfeld – Neustadt – Schmücke – Oberhof – Ohrdruf – Tabarz – Eisenach – Ruhla – Brotterode – Tabarz – Kleinschmalkalden – Zella-Mehlis – Suhl – Schmiedefeld – Sonneberg – Gräfenthal – Leutenberg (ca. 450 km) Motorradtreffs: Leutenberg: Bikerherberge Sormitzblick, einer der ganz alten Treffs im Thüringer Wald. Schleiz: Schleizer Dreieck, Treff am ehemaligen Fahrerlager der alten Rennstrecke. Gehlberg am Schneekopf: Waldhotel Schmücke, rustikale Herberge, höchstgelegene „Zapfsäule“ am Rennsteig. Suhl: Die Bikerhütte ist nicht nur ein Motorradhotel, sondern auch ein beliebter Treff. Highlight: BMW, Dixi & Co. Eisenachs Highlight Nummer zwei neben der Wartburg ist das Automuseum. Es musste umziehen und residiert nun auf engstem Raum im Sparkassengebäude beim ehemaligen Werksgelände. Es zeigt am Beispiel ausgewählter Serienfahrzeuge die Geschichte der 90-jährigen Eisenacher Autoproduktion. Ob Dixi, BMW, Wartburg oder EMW – alles ist da. Dabei ruhen noch weitere 50 Oldtimer im Fundus des Museums. Aus Platzmangel können sie nicht ausgestellt werden ( www.ame.eisenachonline.de).
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    Deutschland / Teutoburger Wald
    Die Technik macht’s. Sie macht diese Tagestour durch das Tecklenburger Land so interessant. Die Fahrtechnik nämlich, die die verschlungenen Sträßchen dieser Runde verlangt. Es wartet aber auch die Technik zum Anfassen. Motorräder, Industrie, Kanäle. Für Abwechslung ist also gesorgt. Wir starten am südlichsten Punkt der Runde in Glandorf. Eine breite, vernünftig ausgebaute Straße trägt uns in Richtung Bad Laer. Der Asphalt wird mit einem Mal schmaler und schlechter. Der Teutoburger Wald naht, am Ortsrand von Hilter sind schon die ersten dunkelgrünen Höhenzüge zu erkennen. Schwungvoll geht es den Berg hinauf, einzelne Gehöfte liegen am Straßenrand. Geschmeidig wuselt die Fahrbahn zwischen ihnen hindurch. Öffnet runde und übersichtliche Kurven, vermeidet so gut wie jeglichen Gegenverkehr und setzt uns einen griffigen Belag unter die Räder. Die sporadisch auftauchenden Tempo-70-Schilder schmälern das Vergnügen minimal. In Borgloh weisen Schilder mit der Aufschrift Osnabrück und Kloster Oesede den weiteren Weg. Neues Ziel, derselbe Fahrspaß. Lässiges und lockeres Kurvenschwingen. Nächster Ort Georgsmarienhütte. Was für ein Name. Fast so lang wie die Ortsdurchfahrt. Das Wort Hütte weist darauf hin, dass hier früher Eisen verarbeitet wurde. Die Hütten schmolzen das aus dem Boden geförderte Eisenerz, veredelten das Eisen zu Stahl und belieferten damit Fabriken, die den Stahl walzten, pressten, schnitten und hämmerten. Heute ist die schmutzige der sauberen Industrie gewichen. Weiß gestrichene Gewerbebauten säumen die Straße. Nur noch die Namen der Industrieparks deuten auf die frühere Nutzung hin. Die Gedanken sollten nun wieder von der Eisen verarbeitenden zur Motorrad fahrenden Technik wandern. Denn die Waldstrecke nach Bad Iburg schießt ein wahres Feuerwerk von Bögen, Kurven und Kehren ab. Berg rauf, Berg runter. Der Asphalt weist einige böse Löcher und Flicken auf und bevorzugt Motorräder mit weichem Fahrwerk. Folgender Abzweig Holperdorp. Ein gepflegtes Sträßchen visiert in beeindruckenden Kehren und Serpentinen den Ort Lienen an. Spitzkehren so weit oben im Norden? Wer hätte das gedacht. Von Lienen nach Lengerich geht es endlich wieder einmal ein Stück geradeaus. Wir folgen dem Hinweis zum Zentrum von Lengerich und rollen eine Weile entlang der Bahngleise. Sie werden sowohl von der Bundesbahn als auch von der TWE, der Teutoburger-Wald-Eisenbahn, benutzt. Die private TWE schaukelt mit ihren preußischen Dampfloks aus dem Jahr 1915 im Sommerhalbjahr Anwohner und Urlauber von einem Bahnhof zum nächsten. Nach der Bahnunterführung kommt rechts der Abzweig nach Lotte. Er führt zu einem Waldsträßchen, das in der für diese Tour typischen Art und Weise zuerst den Rücken des Teutoburger Waldes erklimmt, um danach wieder das Flachland anzupeilen. Das nördlichste aller großen deutschen Mittelgebirge erstreckt sich ja bekanntlich recht schmal von Nordwesten nach Südosten. Man durchquert es also am besten der Länge nach und schwingt dabei ständig wie ein Skifahrer beim Parallelschwung von links nach rechts. An einer Kreuzung ist Tecklenburg beschildert. Blinker links und hinein in einen Traum von einer Motorradstrecke. Zügig zu fahren, mit wenig Verkehr und viel Übersicht versehen, schneidet die Fahrbahn durch die Landschaft wie das Messer durch die Butter. Wechselkurven werfen das Bike von einer Schräglage in die nächste. Tecklenburg mit seiner von Fachwerk gesäumten Fußgängerzone ist ein echtes Kleinod. Denkmalgeschützte Bürgerhäuser gruppieren sich um den Marktplatz mit seinem Brunnen. Man kann herrlich in Kleinkunstläden und Töpfereien stöbern, nach vorn zur Burg gehen und dort die Aussicht bewundern oder – und das ist ein Muss – im Café Rabbel ein Stück Kuchen vernaschen. In Richtung Ibbenbüren verlassen wir Tecklenburg. Auf der linken Seite bietet der Parkplatz Münsterlandblick interessante Aussichten auf Gegend und Technik: Sonntags versammeln sich hier die Kollegen von der Zweiradfraktion. Mit einem Abschwung lässt die Route das Gebirge hinter sich und nähert sich zügig Ibbenbüren. Auf der B 219 geht es asnchließend nach Saerbeck. Nach der Teutoburger Kurverei eine Erholung für Mensch und Mechanik. Im Zentrum von Saerbeck zweigt die Straße nach Lengerich ab. Eine kilometerlange Allee, die genau am Dortmund-Ems-Kanal endet. Gleich hinter der Brücke führt ein Fahrweg zum Wasser hinab. Das ideale Fleckchen, um sich in aller Ruhe den Kanal und seinen Schiffsverkehr zu betrachten. 1899 wurde die 280 Kilometer lange Wasserstraße gebaut, um die Kohlehalden des Ruhrgebietes mit der Nordsee zu verbinden. Ihr Bett ist ca. 30 Meter breit und nimmt Schiffe von einer Tragkraft bis 600 Tonnen auf. Die müssen auf dem Weg von Dortmund nach Emden insgesamt 18 Schleusen überwinden. Über die Imkerstadt Ladbergen geht es zurück nach Glandorf. Schneller Asphalt mit flüssigen Kurven. Und auch hier gilt: die Technik macht’s. Roadbook: Glandorf – Bad Laer – Hilter – Kloster Oesede – Georgsmarienhütte – Bad Iburg – Lienen – Lengerich – Leeden – Tecklenburg – Ibbenbüren – Saerbeck – Ladbergen – Glandorf (ca. 150 km) Motorradtreffs: Herzebrock-Clarholz: Bikertreff an der Brocker Mühle. Tecklenburg: Parkplatz Münsterlandblick, an der L 504 Am Weingarten. Lienen: Café Pellemeier, am Beginn des Holperdorper Tals, schöne Terrasse. Waldwirtschaft Malepartus. Highlight: Motorradmuseum Stockmann Ein kurzes Stück vor Ibbenbüren kommt das Schild Motorradmuseum in Sicht. Und nach wenigen Minuten parken wir die Maschine auf dem Parkplatz der alten Ibbenbürener Schule. Dort stellen Vater und Sohn Stockmann in fünf Räumen insgesamt 170 zwei- und dreirädrige Motorräder aus. Ob Wankel-Bike, DDR-Relikt oder Münch-Mammut – die komplette deutsche und europäische Motorradgeschichte steht hier beieinander. Blickfang unter den Gespannen ist das Zündapp KS 750 Wehrmachtsgespann. Wie sämtliche Ausstellungsstücke glänzt auch dies in perfektem Erhaltungszustand und sieht aus, als hätte es erst gestern die Fabrik verlassen.
    Deutschland / Brandenburg | Berlin
    Die Mecklenburger Seenplatte ist das größte zusammenhängende Seengebiet in Mitteleuropa. Mehr als 1000 große und kleine Seen bilden eine reizvolle Landschaft. Habt Ihr ein Faible für Wasser? Für lauschige Seeufer, für romantische Kanäle, für grüne Flussauen? Das alles inmitten einer großartigen Waldlandschaft, die manchmal an Südfrankreich erinnert? Dann seid Ihr an der Mecklenburger Seenplatte genau richtig. Die größte zusammenhängende Seenlandschaft Mitteleuropas wartet mit rund 1000 großen und kleinen Gewässern auf. Der Müritzsee ist mit einer Wasserfläche von 117 Quadratkilometern der größte Binnensee, der sich komplett auf deutschem Boden befindet und das Zentrum der Region. Die vielen Gewässer sind miteinander verbunden durch reizvolle Sträßchen, deren motorradspezifische Merkmale die geringe Verkehrsund hohe Kurvendichte sind. Also nichts wie auf zu einer Runde durch die Mecklenburger Seenplatte. Fachwerk in Waren Startort zu unserer zirka 140 Kilometer langen Tour ist Waren. Wart Ihr schon einmal in Waren? Glanzlicht des Tors zum Müritz Nationalpark sind seine hübschen Fachwerkhäuser, seine beiden Kirchen sowie das Müritzmuseum mit Tiergarten und Aquarium. Wir verlassen Waren und den Warener See Richtung Norden auf leicht geschwungenem Asphalt. Hohe Kiefern säumen die Route und versetzen uns mit ihrem Duft nach Südfrankreich, woran auch der raue Belag der Straße erinnert. Hinter Alt Schönau rechts ab, kurz hinter Deven auf der B 194 nach links Richtung Jürgenstorf.SchlossKittendorffliegtvorüber. Die 1848 erbaute Anlage beherbergt heute ein Hotel. In Jürgenstorf Blinker links. Die Route schlägt jetzt einen weiten Bogen und gelangt über Demzin nach Mal- chin. Und auch hier gehört der Stopp zur Pflicht. Nicht nur wegen des hübschen Malchiner Stadtkerns mit seinem Rathaus und den beiden Stadttoren, sondern vor allem wegen der mächtigen Backsteinkirche St. Maria und Johannis. Wer Lust hat, kann den 67 Meter hohen Turm besteigen. Malchin liegt äußerst reizvoll zwischen dem Malchiner und dem Kummerower See, mit denen die Stadt über Kanäle verbunden ist. Artenreiches Gebiet Wie große Teile der Mecklenburger Seenplatte gehört auch Malchin zum Müritz-Nationalpark und zu den Naturparks Feldberger Seenlandschaft und Nossentiner/Schwinzer Heide. Sie bieten vor allem Naturfreunden großartige Beobachtungsmöglichkeiten einer artenreichen Fauna und Flora. Zur vielseitigen Vogelwelt gehören Fisch- und Seeadler, Schwarzstorch und Eisvogel, Kormoran und Fischreiher. Im Frühjahr und Herbst machen Tausende von Kranichen und Wildgänsen hier Rast. Rechts ab fahren wir hinter Malchin auf der B 104 nach Stavenhagen. Gerade Streckenführung, gepflegter Belag, motorradfahrerisch nichts Aufregendes. Stavenhagen, das sich nach dem hier geborenen sozialkritischen Mundartdichter Fritz Reuter „Reuter- stadt“ nennt, besitzt einen schönen alten Kern mit einem Schloss und viel historischer Bausubstanz. Beim Bummel zu Fuß begegnet man überall Fritz Reuter – als Figur oder im Museum. Auf der Weiterfahrt nach Altentreptow fliegt Schloss Ivenach vorbei. Ein kurzer Halt? Wieso nicht? Lohnt sich auf jeden Fall. Die herrliche dreif lügelige Anlage erhielt ihr Gesicht im 19. Jahrhundert, als ihr Park im Stil englischer Landschaftsparks angelegt wurde. Über Zwiedorf und Reinberg gelangen wir anschließend nach Altentreptow hinein. Das mittelalterliche Städtchen glänzt mit einer sehr gut erhaltenen Ringbefestigung. Ein Spaziergang durch den komplett renovierten historischen Kern nimmt den Besucher mit ins Mittelalter. Genüssliches Dahingleiten In einigem Abstand zum Fluss Tollense rollen wir südwärts. Kleine verträumte Straßen mit weiten Bögen durchziehen diesen Teil der Mecklenburger Seenplatte. Wie gemacht fürs genüssliche Dahingleiten im Motorradsattel. Dann Neubrandenburg. Das optische Glanzlicht dieser Tour. Die wunderschöne mittelalterliche Stadt verfügt über eine komplett erhaltene Ringmauer, in die vier Stadttore und 27 Wiekhäuser integriert sind. Neubrandenburg überstand zwar den Zweiten Weltkrieg so gut wie unbeschadet, wurde jedoch nach der Einnahme durch die Russen von diesen zu 80 Prozent zerstört. Nach dem Krieg baute man Neubrandenburg wieder originalgetreu auf, und inzwischen denkt niemand mehr daran, dass hier alles einmal in Schutt und Asche lag. Für die Weiterfahrt umgehen wir die B 192 und nehmen stattdessen das Landsträßchen unter die Räder, das über Chemnitz und Lapitz nach Penzlin mit seiner schönen Burg führt. Die Schlussetappe unserer Tour führt wieder über die bequeme B 192 und ihre lang gezogenen Kurven nach Waren zurück.
    Deutschland / Münsterland
    Ganz im Westen des Münsterlandes findet kein Schlösser-Tourismus statt. Dort gibt es Adelssitze, in denen das ganz normale Leben gelebt wird. Hier fallen sonntags keine Touristenbusse ein, hier managt der Baron sein Schlosshotel noch selbst, hier fährt die Gräfin die Gülle auf die Felder. Einen passenderen Ausgangspunkt für die Tour als Schloss Velen gibt es nicht. Denn nirgendwo anders im Münsterland wird deutlicher, wie schwierig es ist, altes Kulturgut am Leben zu erhalten. Die Anlage stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, wurde im Laufe der Epochen immer wieder umgebaut, zerstört und wieder aufgebaut und gehört seit 1765 dem adligen Geschlecht derer von Landsberg-Velen. In den vergangenen Jahrzehnten diente das Schloss unter anderem als Altersheim und Bundeszollschule, heute beherbergt es ein komfortables Sporthotel. Wir verlassen Velen in Richtung Reken. Die breite Straße mit ihren lang gezogenen Bögen kommt der morgendlichen Trägheit entgegen. Voller Bauch studiert bekanntlich nicht gern und fährt auch nicht gern Kurven. Am Kreisverkehr von Reken geradeaus weiter in Richtung Dorsten. Danach wird es interessant: Eng, holperig und kurvenreich huscht das Sträßchen durch Wald und Wiesen. Es unterquert die Bahntrasse und biegt in Klein Reken rechts nach Sythen ab. Wieder Kurven, wieder Bäume und Felder. Die Radien werden enger. Am nächsten Abzweig geradeaus der Beschilderung Lippramsdorf folgen. Alle Sensoren auf Empfang, denn nun folgt der erste der berühmten grünen Tunnels dieser Runde. Und gleichzeitig wohl auch der schönste. Rund sechs Kilometer lang dauert die Fahrt unter dem grünen Dach. Regenwald, Dschungel, ein anderer Kontinent. Hinter Wulfen wartet das Schild zu Schloss Lembeck. Und gleich wirft sich der nächste Tunnel vor das Vorderrad. Nicht ganz so dicht wie der erste, aber ganz ansehnlich. Der Asphalt ist schmal und unruhig, das Tempolimit 50 jedoch stark übertrieben. 70 Sachen verträgt die Strecke locker. Man muss nur aufpassen, falls sich ein Trecker etwas zu breit macht. Die Einfahrt nach Schloss Lembeck biegt links ab. Ein geräumiger Parkplatz, daneben ein nettes Café. Ein schönes Plätzchen, um sich Schloss Lembeck in Ruhe anzusehen. Merkmal der von ausgedehnten Gräften, den Wassergräben, umgebenen Anlage ist die so genannte durchdringende Achse. Schon weit vor der Anlage beginnt eine Allee, durchstößt die Vorburg, überquert den Schlosshof, unterquert die Hauptburg, setzt sich dahinter in einem heute nicht mehr bestehenden Park fort und verliert sich schließlich in den herrschaftlichen Wäldern. Der Reiz dieser Architektur liegt darin, dass sie dem Auge eine immense Weitläufigkeit vorspiegelt. Im Ort Lembeck ist nach links Rhade ausgeschildert. Dort weiter nach Raesfeld und Heiden. Nach abwechselnd langsamen und schnellen Passagen visiert die Route den Kern von Borken an. Auf einer Brücke geht es über den Stadtbach, dann taucht schon die Fußgängerzone mit davor liegendem Parkplatz auf. Anlaufstelle Nummer zwei in Borken ist Schloss Gemen. Wie bei den meisten münsterländer Burgen haben auch am Wasserschloss von Gemen diverse Stilepochen ihre Spuren hinterlassen. Eng drängen sich seine Mauern auf der Insel der Hauptburg zusammen und verdeutlichen den eher militärischen Charakter der Anlage. Die B 67 führt uns in Richtung Rhede/Bocholt aus der Stadt hinaus, bis ein Wegweiser mit der Aufschrift Vardingholt eine zügige Landetappe einleitet. In Barlo ist das holländische Städtchen Winterswijk beschildert. Eine kurze, kurvenreiche Passage folgt, dann empfängt uns der EU-Partner. Wie abgeschnitten die Straße. Von einem Meter auf den anderen verengt sie sich und wird so rau wie ein Kiesbett. Wir rollen von nun an auf der »Slinge Route«, wie die Hamaland-Straße auf Holländisch heißt. Dichter Laubwald umgibt uns. Sonnenstrahlen tanzen auf dem groben Asphalt hin und her und malen verwirrende Licht- und Schattenspiele in die Landschaft. Der Slinge-Route folgend, erreichen wir Aalten. Einen Ort mit rotem Straßenpflaster und Märklin-Häusern. Dort biegen wir auf die N 318 ein und dürfen das Motorrad auf 80 Stundenkilometer beschleunigen. Für holländische Verhältnisse ist das schnell. Aufgelockerte Alleenbäume fliegen vorüber. Die Wegweiser nach Vreden führen uns um Winterswijk herum auf die nächste Allee. Zehn Kilometer lang und schmaler als schmal. Schon ohne die obligatorischen Radwege links und rechts quetschen sich zwei Autos gerade so aneinander vorbei. Addiert sich ein Radler dazu, benötigen alle Teilnehmer eiserne Nerven und Geduld. Über Vreden und Stadtlohn erreicht die Route auf schnellen, unspektakulären Landstraßen die Glockengießerstadt Gescher. Eine letzte Cola in BieBie’s Bikertreff, dann geht es zurück nach Velen. Roadbook: Velen – Reken – Wulfen – Lembeck – Rhade – Raesfeld – Heiden – Borken – Winterswijk – Aalten – Vreden – Stadtlohn – Gescher – Velen (ca. 170 km) Motorradtreffs: Sythen/Haltern: Drügen Pütt, Parkplatz mit Pommesbude. Gescher: BieBie’s Bikertreff neben der AVIA-Tankstelle. Marl: Motorradtreff Vogel. Nordkirchen: Bikertreff Nordkirchen. Metelen-Ochtrup: Felsenmühle, Kallis Motorradtreff. Isselburg: Daddys Bikertreff. Schöppingen: Jugel’s Brüningmühle. Borken: Biker Village Marbeck. Highlight: Kämpferische Dichterin Im Jahr 1797 wurde in der malerischen Wasserburg Hülshoff rund zehn Kilometer westlich von Münster die berühmte deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff geboren. Hier verbrachte sie ihre Kindheit und Jugendzeit. In der Abgeschiedenheit erlebte sie den Wandel der Natur in den vier Jahreszeiten. Ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen haben sie zu ihren Erzählungen und Gedichten inspiriert. Annette von Droste-Hülshoff war nicht nur Dichterin, sie kämpfte auch entschlossen für die Gleichberechtigung der Frau – damals ein Ungehörigkeit!
    Spanien / Mallorca
    Die Ma-10 an Mallorcas Nordküste gilt mit Recht als eine der weltweit schönsten Küstenstraßen. Die kurvenreiche Strecke überzeugt mit grandiosen Panoramen und herausfordernden Schräglagen. Es ist eine Binsenwahrheit: Die spanische Insel Mallorca ist weit mehr als Ballermann und Strandurlaub. Nicht nur, dass sich das Image der größten Baleareninsel derzeit kräftig zum Positiven wandelt, das Eiland bietet auch reichlich Gelegenheit für fantastische Motorradtouren. Und das zu nahezu jeder Jahreszeit. Unser Tipp dazu: Preiswerte Flugverbindungen auf die Insel gibt es reichlich und der größte Motorradverleiher der Insel, Mallorquin-Bikes, bietet nicht nur einen Shuttle-Service, sondern auch bestens gewartete Motorräder und die komplette Ausrüstung und Bekleidung zum Motorradfahren. Das fahrerische Highlight der Mittelmeerinsel ist die ganz im Norden liegende Ma-10. Sie führt parallel der Küste quer durch die bergige Serra de Tramuntana, beginnt ganz im Westen bei Andratx und endet an der Formentor-Halbinsel ganz im Norden Mallorcas. Schon gleich hinter der Stadtgrenze warnt ein Verkehrsschild vor den folgenden 17 Kilometern Kurven. Ein Schild, welches sich jeder Motorradfahrer wünscht. Und nicht zu viel versprochen – zwischen grauem Fels und dichtem Nadelwald windet sich der Asphalt immer weiter in die Höhe. Nur wenige Minuten, dann wird die Landschaft immer offener, Buschwerk und würzig riechende Macchia säumen rechts und links die Straße. Der Blick wird schnell frei auf die bergige Landschaft der Tramuntana, deren faszinierende Bergwelt seit 2011 komplett als Welterbe unter dem besonderen Schutz der UNESCO steht. Die ersten Kilometer liegen hinter uns, es geht auf das Meer zu und oberhalb der schönen Bucht Cala de ses Ortigues lockt der erste Aussichtspunkt. Noch spektakulärer ist die Aussicht wenige Meter weiter beim Mirador Ricardo Roca, wo auch gleich ein nettes Restaurant lockt. Wie eine abgerollte Luftschlange windet sich die Ma-10 weiter durch die bergige Küstenlandschaft. Immer wieder glitzert linker Hand das Meer durch die Bäume. Griffiger Asphalt sorgt für spannende Schräglagen. Wir passieren das kleine Örtchen Estellencs, den Küstenort Banyalbufar und treffen kurz vor Valldemossa auf die Abzweigung hinunter nach Port de Valldemossa. Der Abstecher in den hübschen Hafenort ist ein Muss. Aber Vorsicht – die rund fünf Kilometer lange Strecke hat es in sich. Zwar gehört sie zu den reizvollsten Nebenstrecken der Insel, weist aber eine ganze Reihe enger und knackiger Serpentinen auf. Wer hier entspannt hinunterkurven möchte, sollte ein wenig Erfahrung mitbringen. Zur Belohnung gibt’s in der Bar Es Port gleich am Ortseingang ein leckeres Eis. Über Deià und Sóller folgt nun ein weiterer reizvoller Abschnitt der Ma-10. In unzähligen Kurven und Kehren mäandert der Asphalt entlang des Puig Major. Mit 1445 Metern Höhe ist er der höchste Berg Mallorcas und gemeinsam mit den beiden türkis schimmernden Stauseen zu seinen Füßen ist er ein beliebtes und bildschönes Wanderrevier. Gleich hinter dem Gipfel lockt die Ma-2141 nach sa Calobra an die Küste. Die 14 Kilometer lange Serpentinenstrecke mit dem legendären Krawattenknoten, einer 270 Grad-Kehre, ist DAS Motorradfahrer-Highlight Mallorcas. Das Örtchen sa Calobra selber ist sehr übersichtlich und besteht nur aus wenigen Häusern. Wenige hundert Meter entfernt liegt die Schlucht Torrent de Pareis. Hier hat sich ein reißender Gebirgsbach höchst eindrucksvoll durch die Felsen gefräst und eine eindrucksvolle Kulisse hinterlassen. Der kurze Fußweg dorthin lohnt sich auf jeden Fall. Zurück auf der Ma-10 kurven wir in Richtung des 576 Meter hohen Coll de sa Batalla. Hier bietet sich ein Besuch des Wallfahrtsortes und Kloster Santuari de Santa Maria de Lluc an, bevor die Ma-10 in Pollenca ihr Ende findet. Ganz ist der Fahrspaß aber noch nicht vorbei. Ab Port de Pollenca lockt noch ein toller Abstecher auf die Ma-2210. Über den reizvollen Aussichtspunkt Mirador des Colomer führt die faszinierende Strecke als Sackgasse hinaus auf das Cap de Formentor, eine Felsen-Halbinsel, die eindrucksvoll weit hinaus ins Mittelmeer ragt. Zwar ist dieser Abschnitt ab Port de Pollenca in der Hauptsaison von Mitte Juni bis Mitte September für den privaten Verkehr gesperrt, aber die Sperre gilt nur von 10 bis 19 Uhr und gerade am Abend ist die Fahrt zum Leuchtturm am Cap der perfekte Abschluss für die grandiose Küstenstrecke durch Mallorcas Norden. Roadbook: Andratx, Cala de ses Ortigues, Mirador Ricardo Roca, Estellencs, Banyalbufar, Port de Valldemossa, Valldemossa, Deià, Sóller, sa Calobra, Coll de sa Batalla, Santuari de Santa Maria de Lluc, Pollenca, Port de Pollenca, Mirador des Colomer, Cap de Formentor. Start- / Zielort: Andratx /  Cap de Formentor Länge: 175 km Highlight: Sa Calobra – Ein echtes Meisterstück der Straßenbaukunst ist die Serpentinenstrecke nach sa Calobra. Die gut zwölf Kilometer lange Strecke, die mit zwölf Serpentinen nur vier Kilometer Luftlinie und eine Höhe von 682 Metern überwindet, wurde um 1932 ohne jeden Einsatz von Maschinen erbaut. Dazu wurden 31.000 Kubikmeter Fels von Hand gelöst und bewegt. Das Highlight der Bergstraße ist der Krawattenknoten, er führt die Straße mit einer 270 Grad-Kurve unter ihr selbst hindurch.
    Deutschland / Hessisches Bergland
    Obwohl nur harmlose  753 Meter hoch, gilt der Hohe Meißner als einer der herausragendsten Berge Deutschlands. Und das im wörtlichen Sinn. Denn er überragt in einem Umkreis von fast 60 Kilometer alle umstehenden Gipfel. Ist das nicht die perfekte Voraussetzung für eine aussichtsreiche Motorradtour? Ab durch die Mitte. Wie bitte? Na ja, besser gesagt: fast durch die Mitte. Denn der Startpunkt zu dieser Tagestour heißt Bad Sooden-Allendorf und liegt geografisch so gut wie im Mittelpunkt Deutschlands. Berühmt ist der gemütliche Kurort für seine heilenden Salzquellen, um die sich laut dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus schon die germanischen Stämme der Chatten und Hermunduren stritten. Im Mittelalter gehörte der Ort zum Kloster Fulda, das aus den Soodener Salzquellen und Salzpfannen viel Geld machte, indem es das Salz auf dem eigenen Markt verkaufte und obendrein von den Händlern Tribut und Zoll verlangte. Nach der Aufhebung des Salzmonopols im Jahr 1866 verfielen die Preise, doch entdeckte man zur selben Zeit die heilende Wirkung der Salzquellen und baute ein Badehaus. Damit begann eine neue Epoche, die dem Ort den Wohlstand erhielt und 2005 mit dem Bau der Werratal-Therme ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Touristisch interessant ist der Ortsteil Allendorf mit seinem historischen Kern. Dort kippen wir deshalb als Starter für den Tag in einem der reizenden Cafés am Markt einen kurzen Schwarzen. Natürlich ohne Salz, dafür mit viel Zucker. Gemächlich rollen die ersten Kilometer auf der B 27 an der Werra entlang Richtung Süden. Linker Hand kommt die Spitze des Turmes von Schloss Rothestein in Sicht. Das sieht zwar gotisch aus, ist es aber nicht. Erst in den 1890-er Jahren erbaut, erinnert sein Name an den roten Sandstein der Region. Bei Reichensachsen ist mit dem ruhigen Dahingleiten erstmal Schluss. Blinker rechts und hinein in die Berg- und Hügellandschaft des Hohen Meißners. Schmaler Asphalt, wenig Verkehr, griffige Fahrbahn, runde Kurven, Steigungen und Gefälle. So muss das sein. Deutlich sticht nun das Hochplateau des Hohen Meißners aus der Landschaft heraus. Wir umkurven es über Abtrode und Frankenhain, hinter dem wir links quasi zum Gipfelspurt abbiegen. Sauber gezogene und übersichtliche Kurven hieven uns in die Höhe und lassen die eine oder andere gewagte Schräglage zu. Vor dem Erreichen des Hochplateaus ankern wir jedoch. Und zwar am Frau-Holle-Teich. Dieses kleine Gewässer ist nach der Sage unendlich tief und bildet den Eingang zum Reich von Frau Holle. Die soll in einem silbernen Schloss mit Garten wohnen und angeblich jeden Tag zur Mittagszeit nackt im See baden. Wer zu falschen Zeit kommt, begnügt sich mit der Frau-Holle-Statue am Waldrand südlich des Teichs. Die wurde 2004 aufgestellt und hält in der Hand ein Kissen, aus dem sie bekanntermaßen die Federn schüttelt, wenn sie es auf der normalen Welt schneien lassen  will. Hoffentlich auf schneefreier Straße erreichen wir kurz darauf den Abzweig zum Berggasthof Hoher Meißner. Dort warten eine traumhafte Aussicht auf Kellerwald, Habichtswald und Kaufunger Wald sowie eine sonnenbeschienene Terrasse mit leckerer Gastronomie. Gut gestärkt verlassen wir die Höhen des Meißners und fahren über Hausen und Küchen hinab nach Waldkappel. Dort Blinker rechts und hinein in eine schwungvolle, sportliche Überlandetappe. Die bringt uns, versehen mit vielen Kurven und Höhenunterschieden, nach Spangenberg. Ein reizendes Städtchen mit kriminellen Wurzeln. Zumindest in der Fiktion. Denn in Spangenberg spielt der Motorradkrimi „Kurbelwellen weinen nicht“ aus dem Highlights-Verlag. Märchenhaft friedlich geht es glücklicherweise wieder in Hessisch Lichtenau zu. 1899 erhielt der Ort per königlichem Dekret den Zusatz „Hessisch“, um der ständigen Verwechslung mit anderen Orten gleichen Namens ein Ende zu setzen. Ein Spaziergang führt durch den lauschigen Frau-Holle-Park zu  einer Statue der Dame. Ein Stück auf der Bundesstraße 7 folgt, dann rollen die Räder durch Nieder- und Oberkaufungen. Das 1970 zusammengeführte Doppelstädtchen profitierte 1970 von der Umwandlung des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus in den Freizeit- und Erholungspark Steinertsee. Wir hingegen profitieren von der beeindruckenden Kurvenstrecke, die anschließend mitten durch den Kaufunger Wald über Nieste nach Witzenhausen zirkelt. Da werden die Angstnippel an so manchen Fußrasten angeschliffen. Das Städtchen an der Werra steht ganz im  Zeichen der Ökologie: 1983 wurde in Witzenhausen die Biotonne erfunden, und die Universität Kassel bietet hier den bundesweit einzigartigen Studiengang Ökologische Landwirtschaft an. Etwas mit gesunder Ernährung zu tun hat auch eine weitere Spezialität Witzenhausens: die Kirsche. Das Umland gilt als das größte zusammenhängende Kirschenanbaugebiet Europa und wird jedes Jahr  im Juli mit der Kesperkirmes gewürdigt. Ob die dabei gewählte Kirschenkönigin tatsächlich einen kirschroten Mund hat? Highlight: Stinksteinwand Wer am östlichen Hang des Hohen Meißners am Parkplatz Schwalbenthal anhält, hat sofort einen schwefelähnlichen Geruch in der Nase. Hat da jemand …? Nein. Vor zirka 300 Jahren war beim Untertagebau die Braunkohle in Brand geraten und schwelt seitdem vor sich hin. Sämtliche Versuche, diesen Flözbrand zu löschen, schlugen bislang fehl, da Braunkohle bei Kontakt mit Sauerstoff zur Selbtsentzündung neigt. Im Volksmund heißt der Ort Stinksteinwand. Roadbook: Bad Sooden-Allendorf – Reichensachsen – Abterode – Frankenhain – Hausen –  Küchen – Waldkappel – Eltmannsee – Schwarzhassel – Spangenberg – Hessisch Lichtenau – Kaufungen – Witzenhausen – Bad Sooden-Allendorf (ca. 180 km) Motorradtreffs: Meinhard: Gasthaus Leib und Seele. Wunderschöne Lage in einem Waldgebiet mit Blick ins Werrtal. Das Gasthaus ist ganzjährig geöffnet und bietet Übernachtungsmöglichkeiten. Kassel: Hotel Roter Kater. An der Straße nach Hannoversch Münden, Treffpunkt jeden Sonntag bei schönem Wetter.
    Italien / Gardasee/Trentino
    Die Sechs-Seen-Tour vom Gardasse aus zum Lago di Led­ro, Ampola-See, Lago d’Iseo, Lago d’Idro und dem Val­ve­stino-Stausee ist in zweierlei Hin­sicht ein Ereignis: Er­stens ist sie gespickt mit phantastischen Kurvenetappen und zweitens geradezu überladen mit Ausblicken vom Feinsten. Die Sechs-Seen-Tour ist eine von über 1000 Motorradtouren und Alpenpässen der schönsten Regionen Europas auf BikerBetten.de. Tipp: Einen perfekten Überblick über Motorradtouren am Gardasee bietet Dir unsere FolyMap Gardasee/Trentino Karte. Und für alle, die sich über die Region informieren möchten, empfehlen wir unseren Motorrad Reiseführer Dolomiten/Trentino/Gardasee. Weitere Motorradtouren am Gardasee findet man über unsere Motorradtouren Suche und die dazu passenden Motorradhotels am Gardasee findest Du über unsere Bikerbetten Motorradhotel-Suche. Tipp der Redaktion: Kennt Ihr schon die schönsten Pässe und Panoramastraßen am Gardasee? Das sind unsere Highlights für Euch: Monte Baldo Höhenstraße Passo della Foppa Passo di Croce Domini Passo di Tremalzo Wir verlassen Ri­­va auf der Hauptstraße in Rich­­tung Arco und biegen dann nach links zum Lago di Led­ro. Nach den bei­den unumgänglichen Tunnels mit Längen von rund einem und drei Kilometern be­ginnen die Serpentinen des Auf­stiegs hinauf zum Hochtal Val di Ledro. Zuerst ein Stück gera­de­aus, dann eine Keh­rengruppe, dann wieder et­was ge­radeaus und schließ­lich das hal­be Dut­zend Traum­kur­ven hoch zur Ortschaft Molina di Ledro mit dem Lago di Led­ro. Die Fahrt entlang des Lago di Led­ro hat was. Das wunderschöne Pa­norama von Wasser und Ber­gen harmoniert gut mit dem kurvenreichen Ufersträßchen, das sich in engen und blinden Zacken nach Westen schlängelt. Es führt in den west­­lichen Teil des Ledro-Tales hin­ein. Val d’Ampola heißt dieser Bereich. Sein Glanzstück ist der kleine direkt an der Straße ge­legene See. Hohes Schilf um­säumt ihn, auf seiner Ober­flä­che schwimmen Seerosen. Kurz nach dem Ampola-See Blin­ker links und dem Tremalzo -Passschild folgen. Die etwa 12 Ki­lo­me­ter lange Strecke mit ihren un­zähligen Kurven und Ser­pen­ti­nen macht höllisch Laune. Die Keh­ren sind gut einzusehen, der Asphalt ist in bestem Zu­stand. Erst kurz vor dem Sattel macht in rund 1.600 Meter Höhe ein Mo­­­torrad-Verbotsschild den Schräg­­lagen ein Ende. Hier be­ginnt der geschotterte Teil der Passstraße. Also auf einen Pausenstopp in den Berggasthof Garda gleich ne­ben­an. Das Bike parkt direkt vor der Terrasse, auf der Mountainbiker, Wanderer und Motorradfahrer unter sich sind. Wieder zurück auf der Haupt­rou­te, stürzen wir uns in die Schlucht Dosso del Vento hinein. Zuerst ist sie eng und steil, dann verbreitert sie sich zu ei­nem Tal, an dessen Ende der Ort Storo liegt. Dazwischen wartet ei­ne geballte Ladung Kurven. Ab Storo haben Bremsen, Kupp­­lung und Getriebe erstmal wieder Pause. Die Auffahrt zum Passo di Croce Domini (1.895 m) durch das hübsche Valle del Caffaro verläuft zunächst gemächlich. Dann folgt die Rampe zum Höhenrücken des Goletto di Cadino (1.943 m). Weiter zum Croce Domini. Die mit Kurven gespickte Bergstraße ist zwar recht schmal, aber gut in Schuss. Oben warten ein Rifugio und gute italienische Küche. Die Abfahrt hat es motorradmäßig ebenso in sich, und so rollen wir befriedigt nach Breno hinein, wo wir links Richtung Iseo-See abbiegen. Dort genießen wir eine bildhübsche Aussicht auf die beiden Inseln Monte Isola und Isola di San Paolo. Im Städtchen Iseo mit seinem Garibaldi-Denkmal zweigen wir links ab, überqueren flott den Passo del Tre Termini (701 m), werfen einen letzten Blick hinab zum Iseo-See und steuern das Val Trompia an. Dort wurde und wird immer noch scharf geschossen: Schon zu venezianischer Zeit baute man in diesem Tal Waffen, heute sind es Hersteller wie Beretta oder Sabatti, die die Welt mit Waffen versorgen. Weitaus friedlicher verläuft die Auffahrt zum Giogo del Maniva (1.662 m). Klasse Kurven, rauer und griffiger Belag, wenig Verkehr. Die Abfahrt ist aus dem gleichen Holz geschnitzt, und viel zu schnell ist über Anfo der Idro-See erreicht. Für ihn gilt das­sel­be wie schon für den Ledro-See: Auch während der Hochsaison geht es an seinem Ufer eher be­dächtig zu. Hinter der Ortschaft Idro ver­lässt die Straße das Ufer und be­wegt sich in steilen Kehren in Rich­tung Capovalle. Kurven, An­­stiege, Ausblicke – alles was das Herz begehrt. Jetzt beginnt ei­ne geheimnisvolle und beeindruckende Region, das Val­ve­sti­no. Nicht weit weg vom leb­haf­ten Gardasee und doch in vollkommener Abgeschiedenheit, ent­wickelte sich das Leben hier von Anfang an ganz anders. Eng an der Bergwand entlang geht es weiter zum Valvestino-Stau­see, auch Lago di Valvestino genannt . Ab jetzt heißt es: be­sonders aufgepasst. Denn in dem folgenden kilometerlangen Zick­zack jagt eine blinde Kurve die andere. Keine 50 Meter geht es geradeaus. Erster Gang, zwei­ter Gang, bremsen, erster Gang, zweiter Gang, bremsen. So geht das ohne Ende. Na ja, fast. Irgendwann lässt sich wieder der dritte Gang einlegen, und bald darauf kommt der Ort Na­vaz­zo in Sicht. Schließlich folgt ei­ne Panoramastrecke, die zum Fein­sten am See überhaupt ge­hört. In runden und übersichtlichen Serpentinen zielt der As­phalt am steilen Fels entlang hin­ab zum Wasser. Lieber die Keh­ren oder die Aussicht ge­nie­ßen? Schwere Frage. Zum Entspannen ein kurzer Stopp in einem der Cafés am Ha­fen von Gargnano. Die­se kleine Oase der Ruhe, wirkt auch in der Hochsaison nicht überfüllt. Kurze Zeit später hat uns die Gar­desana Occidentale wieder, die westliche Ufer­straße. Und auf dieser Strecke in Richtung Riva findet man die­se typischen Gar­dasee-Pa­no­ra­men: Hel­le, grau­e Felsen, grü­ne Zy­pres­sen, bunter Olean­der, Mimosen und Akazien. Postkarte eben. Tourlänge: ca. 250 km Roadbook: Ri­­va del Garda – Molina di Ledro – Pieve – Bezzecca – Tiarno – Passo di Tremalzo – Storo – Bagolino – Goletto di Cadino – Passo di Croce Domini – Breno – Artogne – Pisogne – Iseo – Passo del Tre Termini – Gardone – Bovegno – Giogo del Maniva – Anfo – Idro – Gargnano – Limone – Riva del Garda Highlight: Das Freilichtmuseum in Molina di Ledro (Museo delle Palafitte). Als 1929 der Ledro-See zur Trinkwasserversorgung von Riva angezapft wurde, kamen die Überreste einer rund 4.000 Jahre alten Pfahlbausiedlung zum Vorschein. Eine Sensation. Diesen Abstecher sollte man sich deshalb nicht entgehen lassen. Pässe-Info: Passo di Tremalzo             1665   10%      ??      12km Passo di Croce Domini 1895  12 %   11-5   46km Passo del Tre Termini    701     6%      -         9km (unter Vorbehalt, entnommen einer Seite aus NL)
    Deutschland / Eifel
    Gerolstein? Kommt da nicht das Mineralwasser her? Exakt. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig. Denn die großen Eifelstraßen umgehen diese Gegend geflissentlich und sparen so einen Landstrich aus, in dem die Natur tatsächlich noch in Ordnung ist. Waldsterben, Umweltverschmutzung? Noch nie gehört. Der Ort Pelm, östlich von Gerolstein, eignet sich gut für den Einstieg in die Tour. Er wird überragt von der Kasselburg, einer wuchtigen Anlage aus dem 15. Jahrhundert. Die Burg ist eine der größten in der Eifel. Im 18. Jahrhundert wurde sie zerstört, danach aber wieder originalgetreu aufgebaut. Heute beherbergt sie einen Adler- und Wolfspark. Ab Pelm bringt uns ein ordentlich asphaltiertes Sträßchen auf eine Hochfläche und zielt dort in eleganten Bögen in Richtung Steinborn. Schöne Serpentinen führen hinab in den Ort. In Pützborn kann man entweder zuerst beim Bikertreff Alte Schmiede vorbeischauen oder direkt nach rechts auf die B 257 abbiegen. Pützborn verschwindet im Rückspiegel, während die Bundesstraße eine Anhöhe erklimmt und den Ort Oberstadtfeld erreicht. An dessen Ende zweigt in einer Rechtskurve nach links der Weg Richtung Schutz ab. Wir folgen ihm und landen auf einer idyllischen Talstraße, die sich am Ufer der Kleinen Kyll entlangschlängelt. Das Tal wird enger, die Fahrbahn holperiger. Die Schräglagen scheinen nicht mehr aufzuhören. Hinter Schutz sorgt eine Handvoll Kehren bergauf in Richtung Deudesfeld dafür, dass die Gedanken nicht völlig an der langen Leine laufen. Oben geht es mit der Kurverei weiter. In Deudesfeld rechts ab nach Meisburg. Kurve an Kurve und noch lange kein Ende in Sicht. Hinter Meisburg überqueren wir die B 257. Die Bäume stehen so dicht an der Straße, dass sich ihre Äste über unseren Helmen berühren. Salmer Forst nennt sich dieses riesige zusammenhängende Waldgebiet. Benannt nach dem Ort Salm, einem stillen, abgelegenen Dörfchen. Man kann die Ruhe fast greifen. Kein Auto, keine Chaussee, und niemand in unserer Näh’. Wie damals bei den Comedian Harmonists. Hinter Salm reicht es gerade zu einem kurzen Rundblick über die Eifelhöhen, dann sackt uns der Wald wieder ein. Die nun folgenden Kilometer bis Büscheich entpuppen sich als absoluter Traum. Denn zu der romantischen Waldlandschaft gesellt sich eine fantastische Kurvenstrecke. Radien jeglichen Durchmessers greifen nach dem Motorrad, die Reifen beißen sich in den rauen Asphalt. Gegenverkehr? Gleich Null. Erst am Ortsschild von Gerolstein findet der Kurvenspaß sein Ende. Gleich rechts liegt der Eingang zur Fußgängerzone. Ein guter Platz für eine Pause. Einen Kilometer lang geht es nun in Richtung Prüm, bis uns ein Abzweig mit der Ausschilderung Kyllburg ins Tal des Flüsschens Kyll bringt. Nach der anstrengenden Kurverei durch den Salmer Forst bringt dieses reizende Tal nun etwas Entspannung. Das erste Mal in die Bremsen steigen sollte man in Mürlenbach. Hoch über dem Ort thront nämlich die Bertradaburg. Um in den Burghof zu gelangen, umgeht man die Anlage und fährt sie von hinten an. Ab  Densborn können wir in vollen Zügen das schmale, holperige Sträßchen genießen, das sich nun dicht an der Kyll entlang in Richtung Kyllburg windet und nach einigen ganz brauchbaren Kehren schließlich in den kleinen Luftkurort einläuft. An dessen Ortsende schwenkt die Route nach Malberg ab. Eine markante Burg aus hellbraunem Tuffgestein prägt das Gesicht des Ortes. In Malbergweich erreichen wir die Eifelhochfläche, in Neuheilenbach überqueren wir die Hauptstraße und fädeln uns auf der anderen Seite in einen asphaltierten Waldweg ein. Sperrschild? Keines zu sehen. Logisch, denn dieser verträumte Weg ist offiziell befahrbar. Drei Kilometer lang entführt er uns in die entrückte Welt des finsteren Eifelwaldes. Kein Laut, kein Zeichen von Zivilisation. Nur das von den Bäumen zurückgeworfene Echo der Maschine ist zu hören. Das Wahrzeichen von Schönecken, seine imposante Burg, ist schon aus einiger Entfernung zu sehen. Im Ort heißt es links bergauf nach Seiwerath. Kurven wie am Fließband. Man ist fast alleine auf der Straße. Weite Ausblicke hinüber nach Gerolstein und zum Kylltal folgen. Kein Wunder, schließlich erreicht die Fahrbahn die 540-Höhenmeter-Marke. Die Etappe bis Balesfeld bedeutet richtig viel Arbeit. Die Kurvendurchmesser variieren ständig. Hinter Balesfeld wird es dann wieder ruhiger. Auf einer breiten Landstraße schwingen wir in Richtung Prüm. Gut einsehbare Biegungen, flottes Tempo. Erneut passieren wir Schönecken. Kurz vor Prüm biegt die Route rechts ab nach Fleringen und verwandelt sich sofort in ein unglaublich enges und kurviges Sträßchen der Kategorie Geheimtipp. Das zackt hinab nach Wallersheim und führt anschließend über Kopp und Hinterhausen nach Gerolstein zurück. Roadbook: Pelm – Steinborn – Pützborn – Schutz – Deudenfeld – Meisburg – Salm – Gerolstein – Mürlenbach – Kyllburg – Malberg – Neuheilenbach – Schönecken – Balesfeld – Pelm (ca. 150 km) Highlight: Unter der Obhut der Bischofs Wie viele Eifelstädtchen besitzt auch das besuchenswerte Kyllburg eine lange kriegerische Geschichte. Bis zum Jahr 1276. Damals errichtete der schlaue Bischof von Trier in Kyllburg einen Stift und machte es damit unantastbar. Denn wer heilige Mauern angriff, handelte sich den Bann der Kirche ein und war damit politisch und gesellschaftlich erledigt. Prädikat: unbedingt anhalten und ansehen. Motorradtreffs: Daun-Pützborn: Alte Schmiede, Imbiss und Snackbar. Dreis-Brück: Bikertreff im Landgasthof Beim Holzschnitzer.
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